Wildenwart – „Über seine Familie hinaus hat er schon früh vielen Menschen geholfen und Hoffnung gegeben, auch in seiner Freizeit war er mit Unterstützung seiner Frau Hildegard und seiner drei Kinder Hildegard, Eva-Maria und Andreas mit Herz und Seele unterwegs, um aus seiner Chiemgauer Heimat zu berichten“ – mit diesen Worten hat Pfarrer Philipp Werner vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer die Lebensbeschreibung für Heinrich Rehberg aus Reith begonnen, der nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren verstorben ist. Ein rührendes „Vergelt’s Gott“ in der Kirche war der Dank der drei Enkelbuam für einen liebevollen und interessanten Opa.
Wie sehr Heinrich Rehberg nach seinem Abitur in München, seiner Hochzeit mit Ehefrau Hildegard vor 51 Jahren und der Familiengründung mit seiner Heimat vernetzt war, zeigte die Anwesenheit der Fahnenabordnungen der Wildenwarter Ortsvereine (Trachtenverein, Feuerwehr, Schützen und Veteranen) sowie der Standarte vom ChiemgauAlpenverband für Tracht und Sitte.
Nach dem Gottesdienst, der musikalisch vom Wildenwarter Kirchenchor unter der Leitung von Lisi Huber mit einfühlsamen Weisen von Organist Sebastian Weyerer gestaltet worden war, erinnerten am Grab mehrere Redner an das reiche Schaffen des Verstorbenen.
Frasdorfs Bürgermeister Daniel Mair dankte für die Mitgliedschaft im Gemeinderat von 1996 bis 2014. „Als Fraktionssprecher der Freien Wähler Wildenwart hat er seinem Dorf und seiner Gemeinde mit Sachverstand und Weitblick gedient.“ Zugleich dankte der Bürgermeister Heinrich Rehberg dafür, dass er 35 Jahre lang als Lokalberichterstatter für das Oberbayerische Volksblatt ein Auge auf das aktuelle Geschehen warf und den Ereignissen Schrift und Stimme gab. Allein von 2008 bis zuletzt hatte er in seinem Computer rund 21.000 Berichte und 170.000 Bilder festgehalten, vorwiegend für Wildenwart, Frasdorf und Aschau im Chiemgau. „Er war aber nicht nur Chronist, durch seine Tätigkeit hat er selbst Geschichte geschrieben“, so der Bürgermeister. Helmut Freund als Vorstandsvorsitzender vom Trachtenverein „Die Lustigen Wildenwarter“ berichtete, dass Heinrich Rehberg über ein halbes Jahrhundert dem Verein angehörte und unter anderem 26 Jahre Schriftführer war.
Auch Thomas Hiendl als Gauvorstand des Chiemgau-Alpenverbandes würdigte Rehbergs Leidenschaft für Schrift und Presse und dankte dafür, dass er von 1994 bis 2006 Zweiter Gauschriftführer war, dass er von 2006 bis 2009 das Amt des Gaupressewartes ausübte, und dass er vor 20 Jahren bei der Erstellung der ersten Gauchronik federführend mitgewirkt hatte. 2009 wurde Heinrich Rehberg deshalb mit dem goldenen Gauverdienstzeichen geehrt.
Außergewöhnlich waren Heinrich Rehbergs Verdienste auch für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Wie dessen Geschäftsführer Benedikt Klima sagte, war der Verstorbene seit 1976 ehrenamtlicher Sammler für die Kriegsgräberfürsorge, seit 2000 war er Mitglied des Bezirksverbandes Oberbayern. Von 2002 bis 2016 war er dessen stellvertretender Vorsitzender und von 2016 bis 2022 war er als Vorsitzender Mitglied des erweiterten Landesvorstands. „Seit 2022 war er unser Ehrenvorsitzender, bereits 1997 wurde er mit der Ehrennadel in Silber vom Landesverband Bayern ausgezeichnet und im Jahr 2023 wurde er zum Träger des Ehrenkreuzes in Gold – ganz nach unserem Leitspruch Mortui viventes obligant – Die Toten verpflichten die Lebenden“, so der Vertreter des Volksbunds.
Für die Interessengemeinschaft der Krieger-, Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim erinnerte Burkhard Sunder an überragende Leistungen: „Über 30 Jahre lang gehörte er unserer Vorstandschaft an, sein Rat war uns immer eine große Hilfe.“ Beim örtlichen Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart brachte sich Heinrich Rehberg nach seinem 1971 begonnenen zwölfjährigen Bundeswehrdienst seit 1977 in vielfältiger Weise ein. Von 1982 bis 2012 war er dessen Zweiter Vorstand, von 2012 bis 2018 war er Vorstandsvorsitzender.
2019 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und im vergangenen Jahr zum Ehrenvorsitzenden. Wie Wildenwarts Veteranenvorstand Florian Bauer ausführte, waren dem Oberstleutnant der Reserve über seine Anstellung beim Suchdienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) hinaus die Gefallenen, die Vermissten und die Belange der betroffenen Familien ein großes Anliegen.
Ein dreifacher Ehrensalut, Weisen von Bläsern aus den Reihen der Musikkapelle Wildenwart sowie das Senken der Fahnen und der Standarte waren letzte irdische Ehrerweisungen für Heinrich Rehberg.
Anton Hötzelsperger