Söchtenau – Was als einfaches Ausweichmanöver gedacht war, endete mit einem spektakulären Unfall und mehrstündigen Einschränkungen im Bahnverkehr zwischen Rosenheim und Bad Endorf. Eine 75-jährige Rosenheimerin war am Donnerstag (2. Juli) gegen 13.30 Uhr mit ihrem Mini auf der Seestraße zwischen Stephanskirchen und Bad Endorf unterwegs, als ihr ein Lastwagen entgegenkam. Weil die Straße zwischen Simssee und den Bahngleisen zu eng für beide Fahrzeuge war, hielten beide Fahrzeuge an.
Die Frau wollte daraufhin rückwärts in eine Einbuchtung fahren. Dabei verwechselte sie die Bremse mit dem Gas. „Sie wollte ausweichen und war dann überfordert“, schildert eine Polizistin. Die Rosenheimerin beschleunigte rückwärts und fuhr auf eine niedrige Leitplanke auf, wie die Polizistin weiter schildert. Dort kippte der Mini um und landete auf der Fahrerseite zwischen Leitplanke und Schotter des Gleisbettes.
Der Lastwagenfahrer eilte sofort zu Hilfe und konnte die 75-Jährige aus ihrem Auto holen, wie die Polizei Rosenheim auf Nachfrage mitteilt. Sie wurde vor Ort medizinisch versorgt und erlitt nach Polizeiangaben lediglich leichte Verletzungen. Ein Transport ins Krankenhaus war nicht erforderlich. An ihrem Auto entstand jedoch ein wirtschaftlicher Totalschaden in Höhe von rund 20.000 Euro. Es musste abgeschleppt werden.
Größere Auswirkungen hatte der Unfall auf den Bahnverkehr. Bereits wenige Minuten nach dem Notruf wurde die Strecke gesperrt. „Das Sicherheitskonzept im Bahnverkehr ist allumfassend“, erklärt Annette Luckner, Pressesprecherin bei der Bayerischen Regiobahn (BRB).
Zwei junge Frauen, die gerade im Regionalexpress Richtung Traunstein saßen, erzählten, wie sie die Sperrung im Zug miterlebten. Ihr Zug hielt kurz vor Bad Endorf an, etwa einen Kilometer vor der Unfallstelle. Über Lautsprecher sei dem voll besetzten Zug schließlich mitgeteilt worden, dass die Freigabe der Strecke noch etwas länger dauere. Also kehrte ihr Zug daraufhin nach Rosenheim um. „Man merkte irgendwann, dass viele Leute genervt waren“, beschreiben die beiden die Atmosphäre im Zug. Insgesamt seien vier Zugfahrten ausgefallen, teilte Annette Luckner mit. Die BRB richtete einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein. Auch nachdem die Strecke gegen 15.45 Uhr wieder freigegeben worden war, kam es teilweise noch zu Verspätungen von rund 30 Minuten.
Jasmin Eiglmeier