So gelingt das Leben im Alter zu Hause

Eine praktische Unterstützung im Bad bei Beeinträchtigung im Arm-Schulter-Bereich: Vor allem fürs Bad gibt es mittlerweile viele Hilfen.

Eine praktische Unterstützung im Bad bei Beeinträchtigung im Arm-Schulter-Bereich: Vor allem fürs Bad gibt es mittlerweile viele Hilfen.

Aufstehhilfe, höhenverstellbare Küchenzeilen, Assistenzsysteme: Wie Menschen im Alter lange selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können, zeigt das Innovationszentrum in Amerang. Hier zeigen Musterwohnungen technische, digitale und ergonomische Lösungen für den Alltag ohne Pflegeheim. Ein Besuch.

Von Christa Auer

Im Innovationszentrum in Amerang zeigen Musterwohnungen, welche Hilfsmittel es gibt, um möglichst lange daheim wohnen bleiben zu können.

Amerang – Wie Menschen auch im Alter oder bei gesundheitlichen Einschränkungen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können, zeigt das Innovationszentrum für altersgerechtes Wohnen in Amerang. Zwei Musterwohnungen an der Wasserburger Straße 5 zeigen ein breites Spektrum an technischen, digitalen und ergonomischen Lösungen für den Alltag.

Der Bedarf, sich darüber zu informieren, ist groß, wie kürzlich ein Tag der offenen Tür zeigte: Generationenübergreifend kamen Betroffene, Angehörige, Fachkräfte aus Therapie und Pflege sowie zahlreiche Interessierte nach Amerang, um sich zu informieren.

Vom Forschungsprojekt
zum Beratungszentrum

Das Innovationszentrum geht auf das Forschungsprojekt „Dein Haus 4.0 Oberbayern“ der Technischen Hochschule Rosenheim zurück, das maßgeblich von der Ernst-Freiberger-Stiftung unterstützt wurde. Nach Abschluss des Projekts führt die Stiftung das Engagement in eigener Verantwortung fort.

Ziel ist es, Menschen mit alters- oder krankheitsbedingten Einschränkungen dabei zu unterstützen, ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität im eigenen Zuhause möglichst lange zu erhalten und auch selbst aktiv zu bleiben. Dabei setzt das Zentrum bewusst auf Praxisnähe. Die zwei Wohnungen zeigen keine idealisierte, vollständig barrierefreie Umgebung, sondern orientieren sich an typischen Wohnsituationen mit Treppen, unterschiedlichen Ebenen und alltäglichen Herausforderungen. So wird anschaulich vermittelt, wie sich Barrieren durch geeignete Maßnahmen und technische Unterstützung reduzieren oder überwinden lassen.

Bereits der Weg ins Obergeschoss bot den Gästen die erste Gelegenheit zum Ausprobieren: Mithilfe einer Treppensteighilfe konnten auch Personen mit eingeschränkter Mobilität die obere Etage erreichen. Dort begrüßte das Therapieteam der Medical-Park-Kliniken Bad Feilnbach die Besucher und beantwortete Fragen rund um Mobilität, Pflege und altersgerechtes Wohnen.

Besonders beeindruckte viele Gäste die große Bandbreite der präsentierten Lösungen – von bewährten Hilfsmitteln bis hin zu innovativen technischen Entwicklungen. Die Ausstattung reichte von intelligenten Wohn- und Einrichtungskonzepten über Smart-Home-Systeme bis zu digitalen Assistenzlösungen. Zu sehen und auszuprobieren waren unter anderem moderne Pflegebetten, Aufsteh- und Transferhilfen, Sturzsensorik-Systeme, ergonomische Küchengeräte, höhenverstellbare Arbeitsflächen sowie zahlreiche Hilfen für Bad und Toilette. Ergänzt wurde das Angebot durch intelligente Wohnassistenzsysteme und digitale Anwendungen, die den Alltag erleichtern und mehr Sicherheit bieten können.

„Vieles davon gibt es in unterschiedlichsten Preisklassen, und ein großer Teil kann sogar über ein Kassenrezept bezogen werden. Das verbessert die Lebensqualität oft unmittelbar und vielfach auch einkommensunabhängig“, erklärte Tobias Fröhling, Leiter des Innovationszentrums. Entscheidend sei dabei die richtige Beratung.

Im Mittelpunkt stehe stets der einzelne Mensch, betonte Sylvia Wunderlich, Therapieleiterin bei Medical Park Bad Feilnbach. „Die entscheidende Frage lautet immer: Was braucht der Betroffene?“ Deshalb werde jede Situation individuell betrachtet – unter Berücksichtigung gesundheitlicher Voraussetzungen ebenso wie des familiären und sozialen Umfelds. Ziel sei es, passgenaue Lösungen zu finden und die Betroffenen auf Augenhöhe zu begleiten.

Wie gut das Konzept angenommen wird, zeigte sich auch in den Gesprächen mit den Gästen. Eine 63-jährige Besucherin zeigte sich beeindruckt: „Es ist erstaunlich, wie viele alltagserleichternde Möglichkeiten es allein für Küche und Bad gibt. Das hatte ich so nicht erwartet.“

Ein Ehepaar aus Raubling war gezielt nach Amerang gekommen, da ein Umbau geplant ist und es sich frühzeitig für die Zukunft informieren wollte. Besonders die Dreh-Aufstehhilfe und die höhenverstellbare Küchenzeile stießen auf großes Interesse. Aus eigener Erfahrung mit einer pflegebedürftigen Angehörigen wisse man, wie schwierig es oft sei, einen Überblick über bestehende Unterstützungsmöglichkeiten zu erhalten.

Erkenntnisse fließen
in die Wissenschaft

Entsprechend positiv fiel das Fazit von Laura Limberger, Geschäftsführerin des Clusters Medical Park Bad Feilnbach-Loipl, aus: „Wir sind mehr als zufrieden. Unser Team konnte zahlreiche Fragen beantworten und die Besucher mit seinem Know-how aus dem klinischen Alltag unterstützen. Genau das ist unser Anspruch: unabhängig zu beraten und aufzuzeigen, welche Möglichkeiten es gibt, um auch im Alter möglichst lange selbstbestimmt zu Hause leben zu können.“

Das Innovationszentrum dient jedoch nicht nur der Information, sondern auch der praktischen Erprobung neuer Unterstützungssysteme. Patienten aus den Bereichen Geriatrie, Neurologie und Orthopädie lernen dort moderne Hilfsmittel kennen und testen diese unter fachlicher Anleitung. Auf Grundlage individueller Zielsetzungen werden Mobilitäts- und Funktionstests durchgeführt sowie Empfehlungen für geeignete Maßnahmen oder Umbaulösungen erarbeitet. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in wissenschaftliche Auswertungen ein, die langfristig zur Weiterentwicklung der häuslichen Versorgung beitragen sollen.

Aktuell richtet sich das kostenfreie und markenunabhängige Beratungsangebot an Patienten der Medical Park Kliniken sowie deren Angehörige. Perspektivisch soll das Angebot auch Menschen außerhalb der Klinikgruppe als Kassenleistung offenstehen.

<p>Mit der Treppensteighilfe sicher ins andere Stockwerk: Ob Geh- und Aufstehhilfen, höhenverstellbare Küchenzeilen oder digitale Anwendungen – es gibt inzwischen viele Hilfsmittel, die im Alter den Alltag zu Hause erleichtern.Fotos Auer</p>

Mit der Treppensteighilfe sicher ins andere Stockwerk: Ob Geh- und Aufstehhilfen, höhenverstellbare Küchenzeilen oder digitale Anwendungen – es gibt inzwischen viele Hilfsmittel, die im Alter den Alltag zu Hause erleichtern.Fotos Auer

<p>Weitere Artikel zum Themenschwerpunkt „Leben & Gesundheit“ finden Sie auf ovb-online.de.</p>

Weitere Artikel zum Themenschwerpunkt „Leben & Gesundheit“ finden Sie auf ovb-online.de.

Samstag, 11. Juli 2026
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