Rosenheim – Sommer ist schön, die damit verbundene Hitze nicht immer. Manchen Menschen auch im Landkreis Rosenheim machten die hohen Temperaturen in der zweiten Juni-Hälfte schwer zu schaffen. Und dabei ist der Hochsommer erst auf dem Weg ins Alpenvorland. Was können die Menschen gegen die Rekordhitze tun, und was lassen sie lieber? Warum ist an der Fußball-WM längst nicht alles schlecht? Prof. Dr. Christian Thilo, Chefarzt der Kardiologie am Romed-Klinikum in Rosenheim, gibt im OVB-Exklusivgespräch wichtige Tipps und erklärt, was bei einem Aufenthalt im Brutofen im Körper passiert.
Nach kurzer Abkühlung steigen die Temperaturen absehbar wieder. Was heißt das für die Menschen?
Hitze stellt eine erhebliche Belastung für den menschlichen Organismus dar – insbesondere für das Herz-Kreislauf-System, die Lunge, die Nieren sowie das zentrale Nervensystem. Besonders gefährdet sind ältere, vorerkrankte und pflegebedürftige Menschen.
In der klinischen Praxis zeigt sich: Nur selten sind es allein die hohen Temperaturen, die zu einer stationären Aufnahme führen; vielmehr tritt Hitze als erschwerender Faktor zu Grunderkrankungen hinzu.
Was genau geht denn bei Hitze im Körper vor?
Bei großer Hitze muss der Körper viel leisten, um seine Temperatur konstant zu halten. Dazu erweitert er unter anderem die Blutgefäße, damit überschüssige Wärme besser abgegeben werden kann. Dadurch sinkt der Blutdruck und das Herz muss schneller arbeiten. Gleichzeitig produziert der Körper mehr Schweiß. Verdunstet dieser Schweiß auf der Haut, entsteht ein kühlender Effekt.
Was ja dem Körper hilft.
Ja. Reichen diese natürlichen Schutzmechanismen jedoch nicht aus oder sind sie eingeschränkt, können verschiedene Störungen des Kreislaufs und des Nervensystems entstehen. Vom Sonnenstich bis zum lebensbedrohlichen Hitzschlag. Bei extremer Erschöpfung, starken Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Muskelkrämpfen oder gar Bewusstseinstrübungen muss sofort der Notarzt gerufen werden.
Wer ist bei Hitze besonders gefährdet?
Vor allem ältere Menschen und Säuglinge sind gefährdet, da sie die Körpertemperatur nicht mehr so gut regulieren können und leichter dehydrieren. Diese Personengruppen sind auch abhängig vom Flüssigkeitsangebot durch andere. Das betrifft häufig auch chronisch kranke Patienten. Und nicht zu vergessen: Schwangere und Menschen, die zwingend im Freien arbeiten müssen.
Was gilt es zu vermeiden?
Bei großer Hitze, so wie in den jüngsten Tagen, sind im Grunde drei Dinge zu vermeiden: körperliche Überanstrengung, Austrocknung und direkte Sonneneinstrahlung.
Haben Sie Tipps für uns, Ratschläge vom Fachmann, wie man zum Beispiel als Sportler mit der Hitze umgehen sollte?
Körperliche Anstrengungen oder Sport sollten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Zudem ist es ratsam, die pralle Mittagssonne mit besonders starker UV-Strahlung zu meiden. Für diejenigen, die keine Klimaanlage haben, gilt, die Fenster tagsüber geschlossen zu halten und nur nachts und am frühen Morgen zu lüften.
Welche Rolle spielt die Zufuhr von Flüssigkeit?
Natürlich ist es auch wichtig, ausreichend zu trinken. Das hat sogar Einzug gehalten bei der WM mit obligatorischen Trinkpausen, den sogenannten Hydration Breaks. Leider hat sich dieses Thema für unsere Nationalmannschaft schon erledigt. Die Getränke sollten nicht zu kalt sein. Alkohol und stark gezuckerte Getränke sind nicht hilfreich, da sie dem Körper zusätzlich Wasser entziehen.
Und wie steht es mit Essen?
Nichts Schweres oder Fettes wäre hilfreich. Salate und Obst sind leicht verdaulich und belasten den Körper nicht weiter. Abschließend sind mir noch zwei Dinge wichtig: Achten Sie auf Sonnenschutz und wenden Sie wirksame Sonnencremes an. Die Hautkrebsrate steigt leider in den letzten Jahren. Und vergessen Sie nicht ihre Mitmenschen, insbesondere ältere Personen oder Kranke, die eventuell ihre Hilfe brauchen.
Michael wEiser