„Mords-Lackl“ überrascht Landwirt bei Kufstein
Bei Thiersee im Mangfallgebirge tauchte ein Bär auf. Es könnte sich um das Exemplar handeln, das 2023 bei Scharnitz in
eine Fotofalle tappte. Foto Montage IMAGO/imageBROKER/Norbert Achtelik/privat
Bär nahe Bauernhof gesichtet – Lebensmittelreste nicht im Freien ablegen
Kufstein/Landkreis – Es ist jetzt 20 Jahre her, dass Braunbär Bruno durch das Mangfallgebirge streifte und dort schließlich am 26. Juni 2006 seinen Tod durch eine Gewehrkugel fand. Jetzt sorgt wieder ein Bär in der gleichen Region für Aufregung. Ein Landwirt entdeckte nur 300 Meter von seinem Anwesen in Österreich entfernt ein großes Exemplar, fünf Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt (wir berichteten).
„Ich war gerade morgens um 8 in der Küche, als ich durch die Glastür auf der Wiese ganz oben am Grat einen dunklen Fleck sah“, berichtet Anton K. aus dem Touristenort Thiersee nahe Kufstein (Tirol). „Ich dachte erst, es ist ein Wolf.“ Dann habe das Tier seinen Kopf gehoben. „Da bemerkte ich erst, dass es sich um einen Bären handelte, um einen sehr großen Bären.“
Große Sorgen
um das Vieh
Aufgeregt ging der Landwirt ins obere Geschoss und schaute noch einmal mit dem Fernglas aus dem Fenster. „Ich hab’ dann sofort den Aufsichtsjäger angerufen, doch bis der da war, war der Bär schon wieder weg.“ Für die Familie kein Grund zur Entwarnung: „Wir haben zehn Stück Vieh, davon vier junge Kälber. Die haben wir sofort ins Gatter am Hof getrieben, wo sie hinter einem Elektrozaun stehen und der Bär sie nicht sieht.“
In den zehn Minuten, in denen er den Bären gesehen habe, habe dieser nur Gras gefressen und sich ein paar Mal umgedreht. „Das war ein Mords-Lackl.“ Mit seinem Sohn schaute Anton K. nochmals an den Ort, für Fußspuren ist er aber derzeit zu trocken. „Möglicherweise“, so der Altbauer, „ist der Bär nur auf der Durchreise.“
In der nahen und weiteren Umgebung gab es zuletzt keine weiteren Hinweise auf die Anwesenheit eines Bären. Zuletzt wurde in Tirol Ende Juni ein Bär nahe der Südtiroler Grenze bei Nauders gemeldet. Die Gemeinde Thiersee warnte noch am Montag (6. Juli) ihre Bürger auf ihrer Homepage: „Insbesondere Lebensmittelreste und Abfälle sollten nicht im Freien zurückgelassen werden, um Wildtiere nicht anzulocken.“ Hunde seien an der Leine zu führen.
Im benachbarten Bayern beobachtet man die Situation aufmerksam: „Die Jungbären sind jetzt auf Wanderschaft, sie werden von ihren Müttern vertrieben, in Norditalien gibt es davon ja viele“, berichtet Josef Glatz, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Aus Italien war 2006 auch Braunbär Bruno gekommen. „Ein weiterer Bär hielt sich immer wieder im Murnauer Moos auf, doch der fiel nicht mehr sonderlich durch Risse auf, er hatte sich wohl auf Fallwild, Beeren, Moose und Wurzeln spezialisiert“, berichtet Glatz weiter. Einmal riss das Tier Schafe bei Scharnitz, bevor es wieder verschwand. Danach tauchte ein Bär im Tiroler Oberinntal auf, wo er seit Ende Juni verschwunden ist. Glatz: „Möglicherweise handelte es sich immer um dasselbe Tier, auch jetzt.“ Glatz will den Fall erst mal beobachten: „Wenn der Bär in Bayern Tiere reißt, muss man sehen, was man tut.“ Für einen Abschuss wie bei Bruno 2006 müsste das Tier aber Menschen gefährlich werden. Glatz: „Wir hoffen jetzt erst mal, dass er keine Nutztiere reißt.“ Georg Kittenrainer (CSU), der Bürgermeister von Bayrischzell, der bayerischen Nachbargemeinde von Thiersee, sagt: „Ein Bär beunruhigt die Landwirte immer, weil es für die Weidetiere eine Gefahr darstellt.“ Zuletzt war ein Bär 2023 im Mangfallgebirge aufgetaucht, er wanderte über den Chiemgau nach Österreich weiter, wo er von einem Zug überfahren und getötet wurde.