Nußdorf – Die Gemeinde hat an diesem Wochenende gezeigt, wie lebendig Tradition sein kann. Der Gauheimatabend und die beiden Umzüge am gestrigen Sonntag verbanden Geschichte, Gemeinschaft und ein tiefes Heimatgefühl zu einem Ereignis, das weit über den Ort hinausstrahlt.
Konzentriertes
Programm
Der Gauheimatabend am Freitag, 10. Juli eröffnete das Festwochenende mit einem konzentrierten Programm aus Musik, Tanz und kurzen Ansprachen. Nach dem Rainermarsch der „Goasler“ begrüßten Andreas Mayer, Vorstand des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins (GTEV) „Alpenrose“ Nußdorf e. V., Festleiter Peter Oberauer und Schirmherrin Susanne Grandauer die Gäste. Kinder und Jugend zeigten Auftanz und „Mühlradl“, gefolgt von Gaujugend, Gaugruppe und Aktiven. Die Raublinger Patenvereine und die Alt-Aktiven setzten weitere Akzente, ehe die Nußdorfer Plattler und die gemeinsame „Ambosspolka“ den Abend abrundeten. Das Zelt war dicht besetzt, die Stimmung aufmerksam und ruhig – ein konzentrierter Auftakt ohne Überladenheit.
Vorbereitungen und
traditioneller Auftakt
Der Samstag stand im Zeichen der Vorbereitung: In vielen Höfen wurden Girlanden gebunden und Festwägen hergerichtet – jene stillen Arbeiten, die den großen Festzug am Sonntag erst möglich machten. Zahlreiche Helfer aus den Vereinen und dem ganzen Dorf waren im Einsatz, um die Abläufe für den Festsonntag vorzubereiten.
Das traditionelle Weckschießen, dessen Wurzeln bis ins mittelalterliche Fest- und Schützenbrauchtum zurückreichen, eröffnete auch heuer den Gaufesttag. Bereits um 5 Uhr wurde das Dorf durch das allgemeine Weckschießen geweckt; anschließend folgten die Ehrschüsse, die dem Festvorstand Andreas Mayer sowie der Schirmherrin, Nußdorfs Erster Bürgermeisterin Susanne Grandauer, galten. Mit den ersten Böllerschüssen begann ein Tag, der das ganze Dorf in Bewegung setzte.
Festgottesdienst
unter freiem Himmel
Kurz nach 9 Uhr formierte sich der Kirchenzug: Fahnenabordnungen, Trachtler und die Musikkapelle Nußdorf führten den Zug an, gefolgt von den Vereinen des Inngaus und den Kapellen aus Raubling und Rohrdorf. Der Weg führte zum Waldpark, wo Pfarrer Christoph Rudolph und Pfarrer Darius Magunda den Festgottesdienst zelebrierten. Rund 4.500 Menschen nahmen daran teil – ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wie tief das Fest im Ort und in der Region verwurzelt ist. Das stabile Sommerwetter begünstigte den Ablauf und sorgte für dichte Zuschauerreihen entlang der Wege.
Am Nachmittag zogen mit insgesamt 43 Vereinen und 25 Musikkapellen fünf Züge durch das geschmückte Dorf, begleitet von rund 5.000 Mitwirkenden. 42 Wagen – Trachtler-, Motiv- und Kutschenwägen – rollten durch die Straßen, geführt von erfahrenen Rosserern aus dem Inntal. Der Festausschuss um Peter Oberauer hatte die Abläufe minutiös geplant, von den Pferdegespannen über die Kapellen bis zu den Aufstellflächen für Busse und Fahrzeuge.
Vielfalt
des Inngaus
Die Vereine aus Roßholzen, Vogtareuth, Kiefersfelden, Altenbeuern, Pang, Grainbach, Degerndorf, Oberaudorf und vielen weiteren Orten zeigten in ihren Trachten und geschmückten Wagen die Vielfalt des Inngaus. Die Kapellen aus Nußdorf, Raubling und Rohrdorf prägten den Klang des Tages; Märsche und Polkas bestimmten den Rhythmus des Nachmittags.
Als die letzten Wagen einrückten und die Kapellen ihre Instrumente verstauten, blieb der Eindruck eines Wochenendes, das Tradition und Gegenwart miteinander verbindet. Nußdorf zeigte, wie stark eine Dorfgemeinschaft sein kann, wenn viele Hände zusammenhelfen und ein Fest tragen, das weit über den Ort hinausstrahlt.