Bergmesse zum Gilden-Jubiläum

von Redaktion

Warum der Stadtpfarrer von „Mogelpackungen“ spricht

Kolbermoor – Die Bergsteigergilde Kolbermoor, die seit 41 Jahren eine Ortsgruppe innerhalb der DAV-Sektion Bad Aibling bildet, feiert ihr 60-jähriges Bestehen – wie sollte es anders sein – in luftiger Höhe: Am Sonntag, 26. Juli, lädt der Verein um 13 Uhr alle Interessierten zu einer feierlichen Bergmesse auf der Aiblinger Hütte unterhalb des Wendelsteins ein. Zelebriert wird die Messe von Kolbermoors Stadtpfarrer Maurus Scheurenbrand (63) sowie Diakon Hans Mair. Sollte das Wetter die Tour nicht zulassen, dann hat die Bergsteigergilde nach derzeitigem Stand Samstag, 1. August, als Ausweichtermin im Blick.

Für Scheurenbrand, der sich gerne aufs Fahrrad schwingt und Höhenmeter sammelt, ein sehr attraktiver Termin. Wieso er dennoch manche Angebote einer Bergmesse als „Mogelpackung“ bezeichnet, wieso das Gebet unter freiem Himmel die Menschen anzieht und wie es um seine Fitness nach seiner schweren Herzerkrankung steht, hat der 63-Jährige im OVB-Interview verraten.

Während in den Kirchen oftmals nur eine recht überschaubare Anzahl an Gläubigen die Gottesdienste besucht, sind Bergmessen oftmals ein richtiger Besuchermagnet. Können Sie sich dieses Phänomen erklären?

Maurus Scheurenbrand: Ich glaube, dass sich viele Menschen in den Bergen Gott irgendwie näher fühlen. Das empfinde ich übrigens auch so. Wer beim Aufstieg nicht nur auf die Pulsuhr oder den Kalorienzähler schaut, sondern sich einfach darüber freut, dass man eine Leistung erbracht hat und sonst mit offenen Augen durch die Gegend geht, der lernt auch wieder das Staunen, dass es etwas viel Größeres gibt. Da gibt es ein wunderschönes Zitat aus einem Psalm: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Ich hatte selbst eine Zeit, in der ich nur auf Leistung gegangen bin und geschaut habe, wie schnell ich bin und wie viel ich schaffe. Mittlerweile ist das bei mir aber ganz anders.

Was ist aus Ihrer Sicht das Schöne an einem Gottesdienst in den Bergen?

Scheurenbrand: So ein Gottesdienst außerhalb der heiligen Hallen kann einem sehr nahe gehen. Ich kann dort viel bewusster erfahren, dass Jesus Christus nahe ist – beispielsweise im Brot, aber eben auch in der Natur. Wobei ich mich manchmal ein bisschen darüber ärgere, weil sogenannte Bergmessen manchmal eine Mogelpackung sind.

Eine Mogelpackung?

Scheurenbrand: Mir geht es da um die Begrifflichkeit. Für mich ist es schwierig, dass immer wieder Bergmessen angeboten werden, die durch das Wort „Messe“ garantieren sollten, dass es dort auch eine Eucharistiefeier gibt. Denn für die katholische Kirche ist ganz klar: Eine „Messe“ besteht aus zwei Teilen – dem Wortgottesdienst und der Eucharistie. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem Wortgottesdienst. Wenn es also keine Eucharistiefeier gibt, dann wäre es korrekt, das Ganze einfach Berggottesdienst zu nennen, nicht aber Bergmesse. Dann ist es auch keine Mogelpackung mehr.

Vor Ihrer schweren Herzerkrankung waren Sie selbst sportlich sehr aktiv, beispielsweise oftmals mit dem Rad in den Bergen unterwegs. Wie steht es aktuell um Ihre Fitness?

Scheurenbrand: Ich habe mich in den vergangenen Monaten wieder eisern hochgearbeitet. Angefangen habe ich mit Radtouren auf den Irschenberg, mittlerweile habe ich auch schon wieder meine Lieblingstour – mit dem Mountainbike auf die Schlossalm bei Bad Feilnbach – absolvieren können. Zur Bergmesse am 26. Juli werde ich auch mit dem Rad hochfahren – allerdings auf einem E-Bike. Das kostet mich ganz schön viel Überwindung (lacht).

Haben Sie denn einen Lieblingsberg in der Region?

Scheurenbrand: Ich bin in den Bergen am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs. Meine liebste Strecke ist bei Bad Feilnbach über die Wirtsalm zur Schlossalm, oder aber die Eibelkopfrunde. Zu Fuß gehe ich gerne vom Wallfahrtsort Birkenstein über die Kesselalm zum Breitenstein hinauf.

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