Unkraut vergeht nicht

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Wer kennt das nicht? Es gibt Pflanzen, die brauchen gute Erde, regelmäßiges Gießen, Liebe und vor allem Geduld. Und dann gibt es den Giersch. Kaum ist das Beet sauber gerichtet, ist er schon wieder da – als hätte er nur darauf gewartet, dass wir den Garten verlassen. Das Unkraut scheint dem Gärtner immer einen Schritt voraus zu sein. Dieses Bild greift Jesus auch im Evangelium des kommenden Sonntags auf. Zwischen dem guten Weizen wächst plötzlich lästiges Unkraut. Einige würden es am liebsten sofort ausreißen. Doch der Bauer hält sie zurück. Zu groß wäre die Gefahr, dabei auch vorschnell den jungen Weizen zu beschädigen. Beides soll zunächst miteinander wachsen. Erst zur Ernte wird sichtbar, was wirklich Frucht gebracht hat. In unserem Leben würden wir alles Belastende gern ebenso schnell beseitigen: Sorgen, Enttäuschungen, Fehler oder alte Verletzungen. Doch das Leben lässt sich nicht so einfach jäten wie ein Garten. Manches muss man anschauen und akzeptieren können. Es braucht seine Zeit. Und oft genug wachsen gerade dort Geduld, Mitgefühl und Vertrauen, wo wir am liebsten alles bereinigt hätten. Vielleicht ist das die Botschaft des Unkrauts: Das Leben muss nicht vollkommen sein, damit etwas Gutes wachsen kann. Gott sieht nicht nur das, was uns stört. Er entdeckt längst die zarten Halme der Hoffnung, die zwischen all dem Unvollkommenen heranwachsen. Deshalb dürfen auch wir gelassener auf unseren eigenen Acker schauen. Denn am Ende wird nicht das Unkraut das letzte Wort haben, sondern die vielen Früchte, die gereift sind.

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