Frasdorf – Die Jahresversammlung der Bürgerinitiative „Ausbau A8 – Bürger setzen Grenzen“ (BI) mit Mitgliedern aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land wurde kürzlich gleich mit einem Ortstermin an der Neubau-Brücke zwischen Seehaus und Umrathshausen verbunden. Es ist ein großes Bauwerk – so breit angelegt, dass man für den Ausbau auf sechs Fahr- und zwei Standstreifen gewappnet ist.
„Was für ein enormer Flächenverbrauch“, klagte ein Teilnehmer. „Was ist mit dem Lärmschutz? Warum haben sie die Straße verlegt?“, war auch zu hören. Ebenso, ob Geld keine Rolle spiele. Die BI sah sich in ihrer kritischen Haltung zum geplanten Autobahnausbau bestätigt.
Bürgerinitiative wartet
auf Antworten
Die BI-Vorsitzende Marlis Neuhierl-Huber berichtete im Anschluss über ein arbeitsintensives Jahr. Man habe sich mit Victoria Broßart, Bundestagsabgeordnete der Fraktion der Grünen, getroffen und plane ein Treffen mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Bärbel Kofler. Es fehlten nach deren Aussage nach wie vor verlässliche Verkehrsprognosen, auch sei die Finanzierung des Abschnitts Achenmühle bis Bernauer Berg nach wie vor ungeklärt, so Neuhierl-Huber.
Sie erinnerte an eine im März 2025 vom Bundesumweltministerium veröffentlichte Studie der TU Dresden, wonach das Nutzen-Kosten-Verhältnis des A8-Ausbauvorhabens bei lediglich 0,6 liege, wenn aktuelle Baupreise und die Kohlendioxid-Bepreisung berücksichtigt würden. Ein Projekt mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis unter 1 gilt als unwirtschaftlich.
Was das für den geplanten Ausbau auf sechs Fahrstreifen plus zwei Standstreifen von Rosenheim bis zur Landesgrenze sowie auf acht plus zwei Fahrstreifen von München-Süd bis zum Inntaldreieck bedeutet? Die BI habe sich diesbezüglich an den Bundesrechnungshof gewandt, warte aber bis heute auf eine Antwort. Grünen-Politiker bis hin zu Bundestagsabgeordneten haben mehrfach die massiv gestiegenen Instandhaltungskosten für die alternde Infrastruktur sowie den Ausbau von Fernstraßen wie der A8 kritisiert. Auch hier gab es bislang keine Reaktion.
Die IHK für München und Oberbayern hingegen setze sich massiv für den durchgehenden sechsstreifigen Ausbau der A8 zwischen München und Salzburg ein, so Neuhierl-Huber weiter. Dabei zeigten Fahrzeugzählungen der vergangenen Jahre auf der gesamten Strecke ihr zufolge, dass der Verkehr rückläufig sei beziehungsweise stagniere. Auch mache der Lkw-Anteil ab Rosenheim bis zur Landesgrenze nur noch elf bis zwölf Prozent aus und sei damit nicht so hoch wie auf anderen Autobahnen.
Die Vorsitzende gab zu bedenken: „Ein Ausbau zieht Verkehr an.“ Auch steht noch das Urteil zur Klage des Bund Naturschutz gegen den Planfeststellungsbeschluss zum 6+2-Ausbau im Bereich Achenmühle–Bernauer Berg aus. Die BI unterstützt den Landesverband Bayern des Bund Naturschutz mit einer jährlichen Spende.
Klage wird erst im
Januar 2027 verhandelt
Diese Klage sollte ursprünglich im August am Bundesverwaltungsgericht Leipzig verhandelt werden. Der Termin wurde auf Januar 2027 verschoben. Die BI werde sich weiter für eine 4+2-Variante mit Standstreifen einsetzen, betonte Neuhierl-Huber.
Nach dem Kassenbericht und der Entlastung des Vorstands standen Neuwahlen bei der Bürgerinitiative an. Per Akklamation wurden Marlis Neuhierl-Huber als Vorsitzende und Sepp Fortner und Bernhard Zimmer als ihre Stellvertreter bestätigt. Hillma Hallweger bleibt Schriftführerin. Kassierin ist weiter Heidi Dufter.
In der anschließenden Diskussion fragte Sepp Stein nach, warum erst ab Achenmühle und nicht ab Rosenheim ausgebaut werde, und merkte an, dass er die Planung nicht schlüssig finde.