Rosenheim – Mit weit über Tausend Besuchern gut gefüllt war das Kultur- und Kongress-Zentrum (Kuko) bei der dreieinhalbstündigen, energiegeladenen Abschlussfeier der Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) in schulfamiliärer Atmosphäre. Von 499 Schülern aus den Abschlussklassen konnte Schulleiterin Vilma Sieß 438 Absolventen (bei einer Bestehensquote von 87,8 Prozent) zum Reifezeugnis gratulieren. 319 Schüler haben die Fachhochschulreife erfolgreich bestanden, 13 Schüler die fachgebundene Hochschulreife und 106 die Allgemeine Hochschulreife, die dem Abitur an Gymnasien entspricht. Mit der Traumnote von 1,0 erreichte Veronika Neureither (0,83) die Fachhochschulreife, ebenso Franz Wendlinger (1,01). Weitere 26 Absolventen bestanden jeweils einen der drei angebotenen Schulabschlüsse mit einem Notendurchschnitt zwischen 1,1 und 1,5.
„Jetzt stehen alle
Türen offen“
Die beiden Lehrkräfte Andrea Mayer und Tobias Angerer moderierten charmant und souverän durch den späten Nachmittag und frühen Abend. Trotz der Vielzahl an verliehenen Zeugnissen in 25 Klassen aus den Ausbildungsrichtungen Technik, Wirtschaft, Sozialwesen sowie Gestaltung blieb die Spannung groß. Schon im ersten Musikstück „Waves“ von Dean Lewis mit den Solosängern Helena Lechner und Florian Gottschall blitzte die anspruchsvolle musikalische Qualität auf, die dank Musiklehrerin Moni Hagitte seit Jahren mit den Schülern erarbeitet wird. Landrat Otto Lederer (CSU) sprach den Absolventen an ihrem besonderen Tag des Schulabschlusses seinen Glückwunsch aus und erinnerte in seinem Grußwort daran, dass mehr als 40 Prozent der Absolventen mit Hochschulreife aus dem Bereich der FOS/BOS kommen. In die Zeit des Schulbesuchs fiel die aufwendige Schulsanierung, die an der FOS/BOS als Lernort für einen Platz des Wohlfühlens sorgen soll. Diese Investition sei im Sinne John F. Kennedys geschehen: „Bildung ist teuer, noch teurer aber ist keine Bildung“. Für die akademische und berufliche Zukunft stehen jetzt alle Türen offen, so Lederer. Den Wegbegleitern des schulischen Erfolgs, den Lehrern, Eltern und Freunden, dankte Lederer besonders.
Schulleiterin Vilma Sieß stellte einen jungen Storch als Symbol für Aufbruch, Mut und Erneuerung in den Mittelpunkt ihrer Rede. An die Absolventen gerichtet, sagte sie: „Ein Jungstorch, der das erste Mal den Horst verlässt, richtet den Blick in die Ferne, dann ein einziger Flügelschlag und er ist in der Luft. Dieser Moment – zwischen dem Sitzen im wohlbehüteten Nest und dem Fliegen, zwischen dem Vertrauen und dem Unbekannten – das ist der Augenblick des Aufbruchs. Und in genau einem solchen Augenblick befinden Sie sich heute.“ Ein Storch nimmt weite Wege auf sich und findet wieder zurück zu seinem Horst und zu sich selbst.
Auch den Zweifel
akzeptieren
Dass der Zweifel als Begleiter jedes mutigen Fluges selbstverständlich dazugehört, betonte Sieß ebenfalls und ermutigte: „Fliegen Sie. Wagen Sie. Probieren Sie. Kehren Sie wieder – und brechen Sie erneut auf.“ Auch die Eltern erhielten Zuspruch: „Sie haben das erste Zittern der Flügel ihrer Kinder und das erste Schwanken am Rand des Horstes miterlebt und trotzdem zugelassen, dass ihre Kinder fliegen, dass sie ihre eigenen Wege finden und ihre eigenen Stürme durc hfliegen“. – „Und Sie waren der Horst: das Fundament, zu dem man zurückkehren kann.
Das Vertraute, das den Mut zum Aufbruch erst möglich macht. Für diese stille, unermüdliche, oft unsichtbare Begleitung gebührt Ihnen aufrichtiger Dank“. Dank richtete die Schulleiterin auch an die Lehrer, „die das Handwerk des Fliegens gelehrt haben – das Wissen, die Haltung, den Mut -, damit diese jungen Menschen ihre eigene Richtung finden können“.
Elternbeiratsvorsitzender Marcel Hartwig gab den Abschlussschülern mit auf den Weg: „Bewahrt eure Neugier. Habt Vertrauen in euren eigenen Weg. Übernehmt Verantwortung.“ – „Niemand erwartet Perfektion – aber Engagement, Offenheit und Menschlichkeit werden euch weit bringen“. Auch im Namen der LandesElternVereinigung (LEV FOS Bayern) sprach Hartwig den Abiturienten seinen Glückwunsch für deren schulische Leistungen aus und ehrte die Jahrgangsbeste Veronika Neureither mit einem Büchergutschein.
Lustige
Anektoden
Die vier Absolventen und SMV-Sprecher Anna Schwald, Alan Hasso (beide FOS), Philippe Zenker und Antonia Weinzierl (beide BOS) sprachen gegenüber der Schulleitung, Lehrern, Eltern und den Schulsekretärinnen Lob und Dank aus. Lustige Anekdoten aus Schülersicht rund um die Abiturprüfungszeit hatte Philippe Zenker zur Hand, kritische Kommentare amüsant verpackt zu Lehrerpersönlichkeiten kamen von Antonia Weinzierl. Anna Schwald hatte eine humorvolle Dankesrede gegenüber Schulleiterin Sieß, den hilfsbereiten Sekretärinnen sowie gegenüber Eltern und Familienangehörigen vorbereitet.
Alan Hasso zog Bilanz über seine zwei Jahre an der FOS und sprach bewegend über den Stolz, den gerade Familien mit Migrationshintergrund und aus der Arbeiterschicht haben, wenn ihr Kind oder Enkel die Hochschulreife erlangt. Zwischen den Reden gab es Ehrungen. So wurden die drei besten Chemieschüler der Schule von Fachbetreuer Dr. Wolfgang Bachleitner und Schulleiterin Vilma Sieß ausgezeichnet: Veronika Neureither, Florian Gottschall und Jonas Frank. Den Kuko-Preis erhielt Florian Gottschall für seine musikalischen Leistungen, mit denen der Absolvent schulische Veranstaltungen und die ABBA-Aufführung „Grace“ bereichert hat. An 79 Schüler wurden von Sieß gemeinsam mit den Lehrkräften Verena Golisch und Julia Fabrizius die Europässe verliehen, die sich die Schüler im Rahmen eines Europaaufenthalts verdient haben, der durch Fördergelder des „Erasmus plus“-Projekts der europäischen Union unterstützt wurde.
Florian Gottschall stellte sein Können als Sänger des Eingangsliedes „Waves“ bereits unter Beweis. An seiner Seite Monika Hagitte am Klavier, Marlene Clemens (E-Bass), Laurin Hümmer (E-Gitarre) sowie Michael Mayer am Schlagzeug. Zur Aufführung kamen außerdem „Creep“ von Radiohead mit Laurin Hümmer und Mariella Schmuck als Solosängern, „Fürstenfeld“ von S.T.S. mit Laurin Hümmer als Solist, „Stay“ von Rihanna mit den Solosängerinnen Azeyosabo Idahor und Mariella Schmuck. Die musikalischen Einlagen stießen auf großen Beifall des Publikums. Eine energiegeladene Tanzperformance brachte die Tanzgruppe „OffMask“ mit den ehemaligen FOS/BOS-Schülerinnen Aliya Karajic, Wenita Waesch, Negue Murielle Brenda, Melanie Bastian, Stefanie Berghammer, Lena Neisser und Johanna Sbieschni aufs Parkett.
Die Zuschauer klatschten begeistert mit. Höhepunkt der Veranstaltung war die Zeugnis-Verleihung durch Schulleiterin Vilma Sieß, die klassenweise jedem der 438 Absolventen das begehrte Abi-Zeugnis im Beisein der Klassenleiter überreichte. Den 18 Besten mit einem Notenschnitt von 1,0 bis 1,5 sprachen zusätzlich Landrat Otto Lederer und Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht einzeln ihren persönlichen Glückwunsch aus.
Dank an die
Organisatoren
Der letzte Programmpunkt bestand im Dank der Schulleiterin an ihr Lehrerteam, das für einen perfekten Ablauf der XXL-Veranstaltung gesorgt hat. Besonders hervorgehoben wurden für die musikalische Gesamtleitung Moni Hagitte, die Moderatoren Andrea Mayer und Tobias Angerer, Chris Scheitzeneder für die technische Leitung, Dorothea Schwammberger für die Vorbereitung des Abschlussgottesdienstes in der Erlöserkirche und Sebastian Staude für die Gesamtorganisation im Kuko.
Ab 22 Uhr hatte Lehrer Chris Scheitzeneder im Rizz eine Abschluss-Party organisiert. Bis um zwei Uhr früh sollen die Absolventen mit Freunden und Angehörigen das proppenvolle Rizz mit Feierlaune bei Tanz und Musik zum Beben gebracht haben, hieß es am Morgen nach der Feier.