Herrenchiemsee – „Willkommen in Klein Versailles!“: Otto Sibler, Deggendorfs Landrat und Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Festspiele Herrenchiemsee, zeigte sich in seiner Begrüßung sehr angetan. Zum Festakt anlässlich der Eröffnung der diesjährigen Herrenchiemsee-Festspiele kamen am Montag Vertreter aus der Bundes-, Landes- und Lokalpolitik, dem diplomatischen Corps, der Wirtschaft, der Kultur, der Geistlichkeit, Sponsoren und Unterstützer, Kunst- und Kulturinteressenten sowie viele internationale Künstler zusammen. Den Festvortrag hielt Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol.
Königlicher Glanz und
großzügige Unterstützung
Das Orchester der „KlangVerwaltung“ unterhielt wahrhaft königlich: Die „Ouvertüre“ aus der „Feuerwerksmusik“ von Georg Friedrich Händel mit Pauken und Trompeten war ein schwungvoller Auftakt.
25 Jahre Festspiele stehen für Leidenschaft und Verbundenheit, und die Konzert-Orte Frauenwörth und Schloss Herrenchiemsee passen zum diesjährigen Festspiel-Motto „Der Welt entrückt“, betonte Eric Beißwenger, Mitglied des Landtags und bayerischer Staatsminister für Europaangelegenheiten. Das Schloss sei ein Sehnsuchtsort und europäisch inspiriert; im alten Schloss wurde 1948 der Grundstein für die demokratische Verfassung gelegt. Kunst und Kultur brächten Menschen zusammen und täten allen gut – Beißwenger wiederholte hier seinen Vorredner. Aber: „Der ewige Spirit von König Ludwig II.“ sei ohne „großzügige Unterstützung, Kraft und Inspiration“ nicht möglich: der Freistaat, der die Festspiele mit 600.000 Euro unterstützt (insgesamt würde eine Milliarde Euro im Jahr für Kunst und Kultur ausgegeben), die beiden Schirmherren – Seine Königliche Hoheit Franz von Bayern und Kent Nagano –, die Sponsoren, die Künstler und die vielen helfenden Hände im Hintergrund. „Sternstunden der Kunst“ werde es geben, versprach Beißwenger. Nach einem filigran und samten gespielten „Adagio“ aus dem Violinkonzert in A-Dur von Giuseppe Tartini mit der Solistin Rebekka Hartmann betrat Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol, die Bühne.
Ein „Wow“ für den
glänzenden Spiegelsaal
Dem entfuhr ein „Wow“ – so überwältigend war wohl der Blick auf die festlich gewandete Gesellschaft im im Sonnenlicht glänzenden Spiegelsaal. Nachdenklich sinnierte er darüber, wie weltoffen und friedvoll man sich noch in den 1990er-Jahren wähnte: die Zwei-plus-Vier-Verträge, die Millenniumsziele der Vereinten Nationen gegen Armut und Hunger, für Freiheit und Frieden sowie ein offenes Europa dank Binnenmarkt und Schengen-Abkommen. Doch dann folgten 9/11, der neoliberale Wirtschaftskapitalismus, der Bankencrash, Erderwärmung und Klimakrise, Covid und das World Wide Web. Letzteres, so Kompatscher, großartig angekündigt als barrierefrei und für mehr Gleichberechtigung sorgendes Instrument, das sich jetzt jedoch nicht entpuppt als Hilfsmittel für die Schwächeren, sondern als egozentrisches Werkzeug im Sinne eines hier nicht positiv zu verstehenden Ausspruchs von Pippi Langstrumpf: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“.
„Nationalisten können
keine Freunde sein“
Ist also alles im Niedergang begriffen? Auch Trump erwähnte Kompatscher. Populistisch sei dieser. Er gebe an, gegen das Establishment zu sein, aber betreibe eine „knallharte Wirtschaftspolitik und Expansion“. Auch in Europa strebten starke Politiker nach der Macht. „Aber ist das die einzige Alternative?“, fragte Kompatscher und zitierte Churchill: „Never let a good crisis go to waste (Verschwende keine Krise).“ Es brauche „Vertrauen, Mut und Zuversicht in uns selbst“. Europa müsse zusammenhalten, müsse sich anstrengen, müsse näher zusammenrücken und zusammenarbeiten – im Sinne eines „European Way of Life“. Warum nicht gar in einem Europa der differenzierten Geschwindigkeiten? Kompatscher warnte: „Nationalisten können keine Freunde sein.“ Stattdessen brauche es einen „gesunden Patriotismus“ – Südtirol habe das mehrfach erlebt. Starke Wurzeln, Heimat, ja, aber auch Vielfalt, denn die mache den Mehrwert aus. Entsprechend müsse es heißen: „Make our values great again. There are so many of us.“
Die Festspiele als
kulturelles Juwel
In C-Dur, hell, klar und festlich erklang der finale Allegro-Satz aus Mozarts „Jupitersymphonie“, ehe Rosenheims Landrat Otto Lederer den Schirmherren und dem Festredner für dessen nachdenkliche, mutige, inspirierende und hoffnungsvolle Worte sowie der Staatskanzlei, der Staatsregierung, dem Kuratorium, den Festspielmachern und den Sponsoren dankte. Lederer warb auch für die kommenden Jahre um Unterstützung: „Die Festspiele sind ein kulturelles Juwel.“
Mit der Bayernhymne und dem Lied „Alle Menschen werden Brüder“ aus der „Ode an die Freude“ endete der offizielle Teil des Festakts. Mit Beethovens neunter Symphonie und dem Schlusschor über Schillers „Ode an die Freude“ enden die Festspiele heuer am Sonntag, 26. Juli. Den Geist dieses Abends nahmen die Gäste nur allzu gern mit nach draußen zum wahrlich königlichen und sonnenbeschienenen Empfang.