Traunstein – Zuerst wurde am frühen Samstagmorgen (11. Juli) eine 20-Jährige mit einem Messer am Kinn verletzt – der Täter ist erst 17 Jahre alt –, dann, in der Nacht auf Sonntag, ein weiterer Messerangriff: Einem 31-Jährigen wurde nach einer Schlägerei ein Messer in den Rücken gerammt, er musste notoperiert werden. Der erste Fall spielte sich laut Polizei direkt am Bahnhofplatz ab, der zweite Fall in einer dortigen Spielhalle.
Ist das Umfeld des Traunsteiner Bahnhofs noch sicher? Die Polizei hat ein klares Auge auf den Bahnhof, macht Gerrit Gottwald gegenüber den OVB-Heimatzeitungen klar. Er leitet seit rund fünf Jahren die örtliche Polizeiinspektion.
Delikte
gehen zurück
Auch er weiß: Manche Menschen haben am Bahnhofplatz ein „beeinträchtigtes subjektives Sicherheitsgefühl“ und teilweise ist das für Gottwald auch nachvollziehbar. „Aber wir haben in Traunstein keine No-go-Areas.“
Blicke man über einen längeren Zeitraum zurück, habe es laut dem Polizeidirektor 2025 sogar über 300 Delikte weniger gegeben als 2016. Natürlich bezogen auf die ganze Stadt, „aber auch rund um den Bahnhof ist das nicht anders“. Gerrit Gottwald hat auch seine Jugendzeit schon in Traunstein verbracht und weiß aus eigener Erfahrung, wie sich die Stadt seitdem entwickelt hat. Die Stadt sei sehr sicher, das unterstreiche auch die jährliche Kriminalitätsstatistik. „Wir wollen nichts kleinreden. Aber ein richtiges Problem haben wir am Bahnhof nicht. Ja, wir haben Arbeit – aber das ist normal.“
Sicherheitsgefühl
stärken
Der erste Tatverdächtige vom Wochenende war ein 17-jähriger Rumäne, die zweite Auseinandersetzung mit dem lebensbedrohlichen Messerstich entwickelte sich zwischen zwei Türken. Dass es am Traunsteiner Bahnhof auf den ersten Blick „internationaler“ zugeht, sagt auch der Chef der Polizeiinspektion. Zwar würden in Traunsteins Kriminalstatistik keine Nationalitäten besonders herausragen – abgesehen davon, dass die Deutschen darunter die Mehrheit stellen –, aber Gottwald macht klar: In der gesamten Kriminalstatistik sind Ausländer „etwas überrepräsentiert“.
In der jüngsten Kriminalstatistik des Bundesinnenministeriums zeigte sich unter anderem: Ausländische Tatverdächtige sind sowohl bei Gewaltstraftaten als auch bei schweren Sexualdelikten mit 43,1 Prozent beziehungsweise 39,6 Prozent deutlich öfter vertreten. „Wir versuchen mit Streifen, das Sicherheitsgefühl der Bürger am Bahnhof bewusst zu stärken und sind auch in Zivil verstärkt unterwegs“, versichert Gerrit Gottwald. Zusätzlich sei auch die Bundespolizei regelmäßig am Bahnhof präsent. Außerdem berichtet Gottwald von „Schwerpunktaktionen“ mit Fokus auf Straßenkriminalität. Die Traunsteiner würden das meist aber seltener mitbekommen, da oft in Zivil operiert würde. Der „Bereich Bahnhof“ sei auch beim regelmäßigen Austausch zwischen Polizei und Stadtverwaltung „durchaus Thema“, heißt es gegenüber den OVB-Heimatzeitungen aus dem Traunsteiner Rathaus. Genaue Zahlen zur Kriminalität in einzelnen Traunsteiner Straßen oder Vierteln hat die Polizei nicht. Eine Auswertung wäre auch nicht repräsentativ, weil eine zufällige Alkoholkontrolle eines Autofahrers am Bahnhof oder ein Aufgriff in einem Zug ebenfalls dem Bereich zugeschlagen würde, gibt Polizeidirektor Gerrit Gottwald zu bedenken. Aber auch die Stadt scheint Handlungsbedarf zu sehen.
Was will die Stadt selbst machen? Vor allem den öffentlichen Raum „aufwerten“ und die Aufenthaltsqualität „verbessern“, so Anna Leitl, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Traunstein. Der Standort insgesamt soll attraktiver werden. Oft liegt es aber freilich auch an den Eigentümern der Immobilien am Bahnhofplatz. Ein erster Schritt direkt gegenüber der Bahnhofshalle dürfte bereits gemacht sein: Die Pläne eines privaten Bauträgers sehen vor, das Gebäude südlich des Kinos abzureißen und ein Hotel mit über 100 Betten zu errichten. Schon als die Pläne erstmals im Stadtrat waren, hieß es von der Verwaltung positiv: „Städtebauliche Missstände“ könnten so beseitigt und das Bahnhofsumfeld aufgewertet werden.
Polizei: „Wir haben den
Bahnhof im Fokus“
Im Traunsteiner Rathaus hofft man auf folgende Gleichung: Das Hotel belebt das Bahnhofsumfeld, zieht mehr Menschen an und so steigt auch die Aufenthaltsqualität. Abgesehen vom Drei-Sterne-Hotel seien rund um den Bahnhofplatz auch „weitere private Investitionen und Entwicklungen“ geplant, ohne vorab Details nennen zu können. Eine Sicherheitswacht – also Traunsteiner Bürger, die in Abstimmung mit Stadt und Polizei nach dem Rechten sehen – gebe es momentan aber nicht. Und für Gerrit Gottwald, den Leiter der Traunsteiner Polizeiinspektion, bleibt ohnehin klar: „Wir haben den Bahnhof im Fokus.“ Xaver Eichstädter