Schüler fliehen in Panik aus dem Zug

von Redaktion

Ein Mann hat am gestrigen Mittwoch in einem Zug in Ruhpolding mehrere Fahrgäste mit einem Messer bedroht. Unter den Passagieren befanden sich viele Schüler, bei denen der Vorfall große Panik auslöste. Drei Kinder verletzten sich bei der Flucht leicht. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen fest.

Ruhpolding – Es sollte eigentlich ein ganz normaler Morgen werden für die Kinder und Jugendlichen in Ruhpolding, die sich am gestrigen Mittwochmorgen auf den Weg zur Schule machten. Während manche noch zum Bahnhof liefen, hatten andere Schüler schon einen Platz im Zug in Richtung Traunstein ergattert. Doch genau hier geschah gegen 7.17 Uhr das Unvorstellbare: Ein Mann bedrohte einen Schaffner und wohl auch einen Fahrgast sowie einen jugendlichen Schüler mit einem Messer.

Schaffner mit
Messer bedroht

Aus den Berichten der Augenzeugen wird klar, wie dramatisch die Situation in den frühen Morgenstunden war. Am deutlichsten wird der Inhaber eines kleinen Lädchens, ganz in der Nähe des Bahnhofs. „Es war die totale Panik und die Schüler sind in alle Himmelsrichtungen gerannt“, berichtet er auf Nachfrage. Es habe ein ziemliches Geschrei geherrscht, als der Mann die Bahnhofsstraße entlanglief und mit dem Messer herumhantierte. Zwei Männer hätten noch versucht, ihn zu beruhigen, was jedoch nur kurzzeitig erfolgreich gewesen sein soll. Der Inhaber hatte sein Geschäft bereits geöffnet, als die ersten Schüler bei ihm Schutz suchten. Auch eine Mutter war dabei, die ihre Kinder aus dem Zug gepackt hatte, sowie mehrere Fahrgäste und Kunden. „Draußen kamen die Eltern, um ihre Kinder mitzunehmen“, erinnert er sich. Als er versuchte, sich ein Bild von der hektischen Lage zu machen und die Situation einzuschätzen, rief die Mutter zu ihm: „Sperr zu, sperr zu, da läuft einer mit einem Messer herum!“ Während er seinen Laden zuschloss, bemerkte er: Während manche Schüler vom Bahnhof wegrannten, liefen andere darauf geradewegs zu und wussten nicht, was los war. „Es ging alles so schnell“, schildert der Geschäftsinhaber.

Eines der Kinder in seinem Laden berichtete ihm, dass wohl der Schaffner den Schülern im Zug „Haut ab!“ zugerufen habe. Überhaupt herrschte „richtiges Chaos“. Erst mit dem Eintreffen der Polizei beruhigte sich die unübersichtliche Lage. Alles in allem dauerte der Vorfall für den Ladenbesitzer vielleicht eine halbe Stunde, wie er mit ruhiger Stimme erzählt. Den Mann mit dem Messer kannte er sogar: „Der ist häufiger in Ruhpolding anzutreffen.“ Er sei zwar schon früher auffällig gewesen, aber so wie heute sei es noch nie eskaliert.

In einem anderen Geschäft hatten sogar 20 bis 30 Schüler Schutz gesucht, wie eine Mitarbeiterin mitteilte. „Sie waren komplett aufgeregt und ängstlich“, sagte sie. Gegen Nachmittag veröffentlichte die Polizei weitere Details, die das Ausmaß verdeutlichten: Mit einem Großaufgebot rückten die Beamten am Morgen aus und nahmen den Mann widerstandslos im Kurpark fest – nur wenige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Wie sich herausstellte, handelt es sich um einen 28-jährigen afghanischen Asylbewerber mit Aufenthaltserlaubnis, der im Landkreis Traunstein wohnt. Der mutmaßliche Täter befindet sich seitdem in Gewahrsam. Die Freilassinger Bundespolizei ermittelt zusammen mit der Traunsteiner Polizei und der Staatsanwaltschaft. Auslöser für diesen Vorfall soll wohl nach ersten Erkenntnissen ein Streit zwischen dem 28-Jährigen und dem Schaffner gewesen sein, wie es hieß.

Kinder verletzen
sich bei Flucht

Bei ihrer Flucht verletzten sich scheinbar drei Kinder und Jugendliche leicht. Am Morgen wurde in der Turnhalle der Grund- und Mittelschule eine Betreuungsstelle eingerichtet: 43 Kinder und Jugendliche sowie 15 Erwachsene nutzten die Möglichkeit durch die Betreuungsgruppe der Polizei, den Rettungsdienst, das Schulamt sowie das Landratsamt.

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