Steuerungsfehler legt Flussbett der Mangfall in Bad Aibling trocken

von Redaktion

Münchner Stadtwerke und Brucker Wehrverband in Geschehen involviert – Privatperson hat inzwischen Anzeige erstattet

Bad Aibling – Aufregung herrschte kürzlich rund um die Mangfall in Bad Aibling, nachdem alarmierende Fotos und Mutmaßungen in den sozialen Medien kursierten. „Heute fiel sie trocken“, schrieb ein Facebook-Nutzer am vergangenen Sonntag und entfachte damit eine emotionale Diskussion. Tatsächlich zeigt ein Foto vom Sonntagvormittag das trockene Flussbett der Mangfall kurz vor der Willinger Brücke von Unterheufeld kommend. „Ich war so schockiert“, heißt es unter der Aufnahme.

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim bestätigt nun auf OVB-Anfrage den Vorfall vom 12. Juli. Laut Abteilungsleiter Andreas Holderer seien die Fotos, die die trockengelegte Mangfall-Stelle zeigen, echt, „grundsätzlich ist die beschriebene Situation also auch richtig“. Doch klar sei, dass dahinter keine kriminellen Handlungen steckten. Angaben des Wasserwirtschaftsamts zufolge war das Trockenfallen der Mangfall keine Absicht, sondern letztlich durch einen „Steuerungsfehler“ zu begründen. Laut Holderer seien an dem Sonntagvormittag mehrere ungünstige Umstände zusammengekommen. „Zum einen haben wir derzeit, wie auch in den vergangenen Jahren, ein Niederschlagsdefizit.“ Davon sei der südbayerische Raum gegenwärtig ohnehin massiv betroffen, was sich etwa an den sehr niedrigen Wasserständen im Chiemsee abzeichne. Hinzu kommen dort verschiedene „Steuerungen“ zusammen. Heißt: Hier wird unter anderem Wasser in den Triftbach-Kanal ausgeleitet und gleichzeitig Wasser von den Unterwasserbecken der Leitzach-Kraftwerke eingeleitet. So spielen hier etwa auch die Stadtwerke München eine Rolle, die Wasser in die Mangfall zurückleiten, welches sie zuvor für die Wasserkraftanlage entnommen haben. Auch der Brucker Wehrverband ist in dem Bereich unter anderem zur Sicherung der Wasserkraft für die Energieerzeugung involviert.

Zwar gebe es für die dort immer wieder erforderlichen Maßnahmen Auflagen, die eine gewisse Restwassermenge vorschreiben. „Am Wochenende kam es aber eben durch Steuerungsprobleme zu der Situation, dass zeitweise kein Wasser eingeleitet wurde“, so Holderer. Dies, kombiniert mit den ohnehin niedrigen Wasserständen, habe dazu geführt, „dass die Mangfall dort nahezu leer gelaufen ist“, erklärt der Abteilungsleiter. Ein Zustand, der am vergangenen Sonntag für mehrere Stunden anhielt. Erst am späten Nachmittag floss dort wieder Wasser. Sowohl der Kreisfischereiverein Bad Aibling als auch das Wasserwirtschaftsamt hatten sich ein Bild vor Ort gemacht. „Es wurden glücklicherweise keine besonderen Schäden an der Tierwelt, also auch kein größeres Fischsterben, gemeldet“, betont Holderer. So sei man wohl mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Aber: „Für die Ökologie ist das natürlich überhaupt nicht gut und das sollte nicht passieren.“ Deshalb sei man ohnehin in engem Austausch mit den Münchner Stadtwerken und dem Brucker Wehrverband, damit solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden.

Holderer bereiten indes nicht nur die niedrigen Wasserstände, sondern mehr noch die hohe Wassertemperatur Sorgen. „Wenn dann auch noch weniger Wasser vorhanden ist, heizt dieses durch die starke Sonneneinstrahlung natürlich noch schneller auf und dann wird es langsam kritisch für die Fische“, spricht der Abteilungsleiter ein generelles Problem der Gewässer an. Umso hoffnungsvoller blicke man derzeit auf die kommenden Wettervorhersagen, die auch Regen und etwas kältere Temperaturen beinhalten.

Bezogen auf den Vorfall am vergangenen Sonntag sei man seitens des Wasserwirtschaftsamtes nun aber weniger an harten Konsequenzen, sondern eher an einer engeren und besseren Abstimmung mit allen Beteiligten interessiert.

Ob der Vorfall dennoch Folgen haben wird, wird sich zeigen. Bei der Polizei ist jedenfalls eine Anzeige durch eine Privatperson eingegangen. Hier wird derzeit ermittelt.

Nicolas Bettinger

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