„Ein Sinnbild dafür, dass wir alle etwas tun können“

von Redaktion

Rund 2.000 Menschen bei der 75. Gedenkmesse auf der Kampenwand – Eindringlicher Friedensappell von Kardinal Marx

Kampenwand – Rund 2.000 Menschen sind am Sonntag zur 75. Gedenkmesse für die Gefallenen und Vermissten des Chiemgaus auf die Kampenwand gekommen. Bei strahlendem Bergwetter feierte Kardinal Reinhard Marx den Jubiläumsgottesdienst vor der Gedächtniskapelle „Maria, Königin des Friedens“. Krieger- und Soldatenkameradschaften, Gebirgsschützen, Bundeswehr und Fahnenabordnungen gaben der Feier einen eindrucksvollen Rahmen.

Den Prolog gestalteten Leonhard und Josefina Thaurer vom Trachtenverein „Edelweiß“ Niederaschau. Sie erinnerten an das zwölf Meter hohe Chiemgau-Kreuz, das seit 75 Jahren als weithin sichtbares Friedenszeichen stehe. „Möge es auch in Zukunft zum Frieden mahnen“, lautete ihr Wunsch.

Eindringlicher Appell
an die Politik

In seiner Predigt erinnerte Marx an die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs und bezog sich auf Christopher Clarks Buch „Die Schlafwandler“. Sein eindringlicher Appell an die politisch Verantwortlichen lautete: „Wir brauchen keine Schlafwandler an der Spitze unseres Staates, sondern wir brauchen aufmerksame, wache Menschen, die Verantwortung auf allen Ebenen übernehmen.“

Krieg sei „ein großes Übel und ein Verbrechen, weil er die Moral zerstört und die Seelen der Menschen verwüstet“, sagte Marx. Angesichts neuer Kriege, Krisen, Nationalismen und Egoismen brauche es heute umso mehr Wachsamkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Kardinal erinnerte auch
an seinen eigenen Vater

Der Kardinal erinnerte auch an seinen Vater, der nach vier Jahren in russischer Gefangenschaft von der zerstörerischen Wirkung des Krieges auf die Herzen und Seelen der Menschen gesprochen habe.

Das Chiemgau-Kreuz stehe nicht nur für das Gedenken, sondern ebenso für Hoffnung und Frieden. Marx bezeichnete es als „ein großes Zeichen des Mutes und des Lebens und ein Sinnbild dafür, dass wir alle etwas tun können“. Menschenrechte und Evangelium müssten Orientierung geben.

„Ein Ort, der
Menschen verbindet“

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nannte die Kampenwand einen Ort, der Menschen verbindet. Frieden und Versöhnung müssten immer neu gelebt werden; Frieden beginne im Kleinen.

Aschaus Bürgermeister Simon Frank erinnerte daran, wie zerbrechlich Frieden sei. Er lebe von Respekt, Verantwortung und der Bereitschaft, Brücken zu bauen. Auch Höslwangs Bürgermeister Dr. Peter Mayer richtete ein Grußwort an die Besucher. Zu den Ehrengästen gehörten die Landräte Otto Lederer und Andreas Danzer, Grundeigentümer Baron Ludwig von Cramer-Klett sowie eine Abordnung der 3. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall.

Mit Marx feierten Aschaus Ortspfarrer Paul Janßen und Pater Vasile Dior, Pfarradministrator von Höslwang. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Musikkapelle Aschau, die Aschauer Alphornbläser und die Chiemgauer Sänger.

Kranzniederlegungen von Bundeswehr und Veteranenverbänden, der Ehrensalut der Gebirgsschützenkompanie Aschau, das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ und die Bayernhymne beschlossen die Feier. Besonderer Dank galt Franz Schaffner, einem Enkel der Erbauer, und seinem Wartungsteam für die Pflege des 1951 geweihten Kreuzes.

Dessen historische Beleuchtung war rechtzeitig zum Jubiläum wiederhergestellt worden.

Für einen heiteren Moment hatte bereits der Einzug gesorgt: Wenige Meter vor der Kapelle trat eine Kuh an Kardinal Marx heran – fast, als wolle auch sie um seinen Segen bitten. Ein Regenbogen am frühen Morgen und der spätere Blick über den Chiemsee gaben dem Jubiläum einen besonderen landschaftlichen Rahmen.

Weitere Fotos von der Gedenkmesse auf der Kampenwand finden Sie online unter ovb-online.de.

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