Alarm in den Ställen

von Redaktion

Shamonda-Virus breitet sich in Bayern aus – Krankheit wird durch Stechmücken auf die Tiere übertragen

Rosenheim – Sepp Andres hat sein Handy ständig im Blick. Erst vor ein paar Tagen erhielt der Kreisobmann die Meldung, dass Kuh „Wolke“ Fieber hat. Später sei auch noch Durchfall hinzugekommen. „Wir konnten dann relativ schnell reagieren und das Tier behandeln“, sagt er. Mittlerweile geht es „Wolke“ wieder besser.

„Wolke“ ist eine von insgesamt 70 Milchkühen, die derzeit Teil von Andres landwirtschaftlichem Betrieb in Pfaffing sind. Sie alle tragen einen sogenannten Sensor-Bolus im Magen. Dieser wird der Kuh oral verabreicht, verbleibt im Pansen und überwacht dort gezielt die Vitaldaten. „Damit wollen wir die Tiergesundheit verbessern“, sagt Andres.

Wie wichtig das ist, zeigen die jüngsten Ereignisse. Denn seit einigen Tagen breitet sich das Shamonda-Virus in Bayerns Ställen aus. Die Krankheit wird über Stechmücken übertragen. „Es gibt bei uns im Landkreis Rosenheim kaum noch einen Betrieb, der nicht betroffen ist“, sagt Sepp Andres. Momentan gebe es noch viele offene Fragen. Sicher weiß man derzeit nur, dass erkrankte Tiere Fieber und Durchfall haben. Zudem geben sie weniger Milch.

„Sorge bereitet uns vor allem die Tatsache, dass das Shamonda-Virus dem Schmallenberg-Virus sehr ähnlich ist“, erklärt Andres. Das Schmallenberg-Virus befällt Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen und wird durch blutsaugende Insekten übertragen. Infiziert sich ein Muttertier in einer bestimmten Phase der Trächtigkeit, kann das Virus das ungeborene Jungtier schwer schädigen. „Wir wissen bislang nicht, ob es beim Shamonda-Virus ähnlich ist, aber wir haben das natürlich alle im Hinterkopf“, sagt Andres. Das unterstreicht auch Thomas Schmidt, Milchreferent beim Bayerischen Bauernverband. „Wir müssen die trächtigen Tiere, die sich infiziert haben, jetzt ganz genau beobachten“, sagt er. Sicherheit gebe es erst in sechs Monaten, wenn die ersten Kalbungen stattfinden. Bis dahin heißt es abwarten. Bislang sieht es Schmidt zufolge danach aus, als ob sich die Kühe, die an dem Virus erkrankt sind, wieder vollständig erholen. „Allerdings wissen wir nicht, ob sie die vorherige Milchleistung wieder erreichen“, sagt er. Das hänge auch mit der Schwere der Viruserkrankung zusammen. „Einige Betriebsleiter spüren bei etwa der Hälfte ihrer Tiere eine deutliche Abnahme der Milchleistung“, sagt Schmidt. Die Rede sei von einem Rückgang von 40 Litern täglich auf unter zehn Liter.

Etwas weniger dramatisch sei die Situation im Landkreis Rosenheim. „Die Ausschläge in der Milchmenge sind bei uns Gott sei Dank bisher nicht ganz so stark“, sagt Sepp Andres. Dennoch gebe es aufgrund des Shamonda-Virus weniger Milch im Landkreis. „Der Kunde merkt davon aber nichts. Davon sind wir noch weit entfernt“, sagt der Kreisobmann. Auch Auswirkungen auf den Menschen habe das Virus nicht.

Für Sepp Andres und seine Kollegen ist das Virus eine weitere Herausforderung. „Wir Landwirte wundern uns über nichts mehr, aber daran gewöhnt haben wir uns noch lange nicht“, sagt der Kreisobmann und fügt hinzu: „Wir arbeiten mit Lebewesen, Tieren und Pflanzen, da weiß man nie, was der nächste Tag für Herausforderungen bringt“, sagt Andres.

Das Shamonda-Virus ist nicht die einzige Krankheit, die die Landwirte derzeit umtreibt. Auch die Blauzungenkrankheit ist nach wie vor ein Thema. Dabei handelt es sich um eine anzeigepflichtige Viruserkrankung, die ebenfalls über Stechmücken übertragen wird. Regelmäßige Untersuchungen und Impfungen sollen helfen, die Krankheit einzudämmen.

Auch beim ShamondaVirus versuchen die Landwirte, so gut es geht, einzugreifen. „Es gibt ein Aufgussmittel, das Insekten abhalten und bekämpfen soll“, sagt Milchreferent Thomas Schmidt. Einen Impfstoff gegen die Krankheit selbst gebe es bislang nicht. Außer fiebersenkenden Mitteln gibt es aktuell also keine Behandlungsmöglichkeit. „Den Tieren geht es in der Regel aber nach wenigen Tagen wieder gut“, sagt Sepp Andres.

Erstmals in Nigeria nachgewiesen

Artikel 2 von 3