Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal kritisiert worden? Vielleicht fällt Ihnen spontan eine Situation ein. Möglicherweise müssen Sie kurz überlegen, aber die Erfahrung kennt doch jeder: Man kann es nicht recht machen – und auch von Fehlern ist keiner von uns frei. Jedoch begegnen uns verschiedene Arten von Kritik und hier wird es bereits schwierig. Da gibt es – freundlich gesagt – den Typ des „Dauernörglers“, den man ohnehin nie zufriedenstellen kann. Dann gibt es eine Form von Kritik, die leider ein Kennzeichen unserer gegenwärtigen Zeit geworden ist: Prominente, aber auch Privatpersonen werden in den sozialen Netzwerken diffamiert. Nichts ist leichter, als ganz schnell einen negativen Kommentar zu hinterlassen, der danach entsprechend oft gelikt wird. Zwar gehört zu einer lebendigen Politik geradezu die Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Meinungen und Argumenten. Oft genug verlässt diese aber die sachliche Ebene und geht unter die sprichwörtliche Gürtellinie. Darüber hinaus schlagen psychosomatische Kliniken Alarm, weil gerade junge Menschen durch hässliche Kommentare zu ihren Körperproportionen in krankhafte Zwänge getrieben werden.
Kritik an sich ist wertvoll, denn kein Auszubildender wird ohne liebevolle Korrektur zum Meister. Menschen, die uns wichtig sind, dürfen wir auch nicht sehenden Auges in eine Sackgasse laufen lassen. Wie Kritik dem Leben und einem guten Miteinander dient, davon erzählt die Gemeinderegel aus dem Matthäusevangelium der Bibel: Zunächst unter vier Augen, dann erst mit Zuhilfenahme weiterer Personen, aber auch dann immer auf Augenhöhe! Und immer auf der Basis der Liebe, in der Gott gegenwärtig ist.