Sturz im Bierzelt auf der Wiesn: Flötzinger-Festwirt verletzt sich schwer

von Redaktion

Andreas Schmidt fällt nach einer Operation für die wichtige zweite Festwoche komplett aus – Wie es im Flötzinger-Festzelt jetzt weitergeht

Rosenheim – Seine zweite Herbstfestwoche hatte sich Andreas Schmidt eigentlich anders vorgestellt. „Das ist ein schöner Schmarrn“, sagt der Flötzinger-Festwirt am Telefon. Am vergangenen Samstagabend sei er gerade auf dem Weg auf die Galerie im Flötzinger-Zelt gewesen, um Kunden und Ehrengäste zu begrüßen. Er habe eine Abkürzung genommen, direkt am Souvenirstand vorbei. „Dort befinden sich auch die Schenke und die Gläserspülmaschine. Deshalb ist der Boden an dieser Stelle manchmal etwas nass“, sagt Schmidt. Genau das wurde ihm zum Verhängnis. Er sei ausgerutscht, Schmerz habe er zu diesem Zeitpunkt noch keinen gespürt.

Mit dem Rettungswagen
in die Klinik gebracht

„Ich dachte, dass ich mir vielleicht ein Band gerissen habe“, sagt Schmidt. Dass es doch schlimmer ist, habe er gemerkt, als er einen Blick auf seinen Fuß geworfen hat, der merkwürdig verdreht gewesen sei. Ihm sei schlecht geworden, auch die Schmerzen hätten eingesetzt. Später im Krankenhaus wird sich herausstellen, dass er sich nicht nur das Sprunggelenk, sondern auch das Wadenbein gebrochen hat. Zudem sind alle drei Bänder gerissen.

Noch im Festzelt sei er von den Sanitätern versorgt worden, anschließend habe ihn ein Rettungswagen ins Romed-Klinikum gebracht. Dort sei sein Bein sofort geröntgt worden. „Es war dann ziemlich schnell klar, dass ich sofort operiert werden muss“, sagt Schmidt. Weil es in Rosenheim keinen freien OP-Saal gegeben habe, ging es nach Bad Aibling. Noch in der Nacht wurde er operiert und sein Sprunggelenk stabilisiert.

In fünf Tagen steht die zweite Operation an. „Das Wadenbein muss operiert und mit Platten gestützt werden. Zudem müssen die Bänder genäht werden“, berichtet Schmidt. Dass er vor dem Ende des Herbstfestes entlassen wird, scheint derzeit unwahrscheinlich. „Für mich ist das natürlich extrem bitter und schwer. Ich liebe unser Herbstfest und die Gäste“, sagt Schmidt.

Schon kurze Zeit nach dem Unfall hätten sich seine Kollegen, die Brauerei-Familie, aber auch zahlreiche Gäste bei ihm gemeldet. „Ich habe bestimmt über 400 Nachrichten bekommen“, sagt Schmidt. Für ihn ein schwacher Trost in dieser schweren Zeit. Aber, auch das macht er deutlich: „Die Herbstfest-Besucher müssen sich keine Sorgen machen. Es läuft alles weiter, wie bisher.“

Er habe mit Klemens Kantner einen „hervorragenden Stellvertreter“, der über alles bestens Bescheid weiß und mit allen Abläufen vertraut ist. Unterstützung bekomme er von Antonia Käser, Kerstin Käser und Manuela Fischbacher. Auch in der Küche laufe alles weiter, wie bisher. „Ich verlasse mich zu 100 Prozent auf mein Team, die das wirklich wunderbar machen und mir ein sehr gutes Gefühl geben“, sagt Schmidt.

Sie alle hätten sich bei ihm gemeldet und ihm versprochen, dass sie die zweite Herbstfest-Woche „whoppen werden“. Die ein oder andere Entscheidung wird Schmidt auch weiterhin vom Krankenhausbett aus treffen. Denn so ganz ohne Herbstfest geht es dann doch nicht. „Normalerweise bin ich rund um die Uhr im Festzelt, das ist jetzt schon eine sehr komische Situation. Zumal Geduld nicht meine Kernkompetenz ist“, sagt er am Telefon und lacht.

Genau die benötigt er jetzt aber. Denn nach dem Krankenhausaufenthalt darf er sein Bein lange nicht belasten. Zudem stehen wohl zahlreiche Physiotherapie-Termine auf dem Programm. Aber Andi Schmidt wäre nicht Andi Schmidt, wenn er nicht versuchen würde, das Beste aus der Situation zu machen.

Familie schickt ihm
Videos vom Herbstfest

Von seinen Liebsten bekommt er immer wieder kleine Videos vom Herbstfest zugeschickt. Seine Pflegekräfte hat er bereits mit Mandeln und Lebkuchenherzen versorgt. Sie haben sich revanchiert und ihn mit einem T-Shirt vom Bierkönig in Mallorca ausgestattet. „Ich hatte ja am Anfang überhaupt nichts dabei“, sagt er und lacht. Auch seine Familie sei rund um die Uhr für ihn da. „Alle Pflegekräfte sind meganett und fürsorglich“, sagt Schmidt. Sogar Aiblings Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz hätte ihm bereits einen Besuch abgestattet.

„Seine Mannschaft steht mit vollem Herzen hinter ihm, hält zusammen und sorgt dafür, dass alles weiterläuft. Dafür möchte ich ein ganz großes Dankeschön sagen“, sagt Brauerei-Chefin Marisa Steegmüller. Sie freue sich bereits darauf, wenn ihr Festwirt im kommenden Jahr wieder auf zwei gesunden Beinen im Festzelt steht. Bis dahin, will sie seinem Wunsch nachkommen. So hatte Schmidt darum gebeten, dass man eine Mass auf seine Gesundheit trinkt. „Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen“, sagt Marisa Steegmüller. Damit in Zukunft niemand mehr an den Schenken ausrutscht, haben die Hausmeister die Holzböden jetzt mit einem Speziallack und Sandgemisch versehen. Anna Heise

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