Mehr Schüler, weniger Klassen

von Redaktion

Rosenheimer Schulamt blickt allerdings wegen fehlendem Personalpuffer besorgt auf den Winter

Rosenheim – Für Petra Burkhardt war es in gewisser Weise eine Premiere. Zumindest in Rosenheim. Jahrelang hatte sie das Schulamt Bad Tölz-Wolfratshausen geleitet, seit Mai ist sie die neue Schulamtsdirektorin in Rosenheim. Sie ist Grundschullehrerin, gibt zahlreiche Fortbildungen für die Regierung von Oberbayern und ist im Bereich der Führungskräftequalifikation mit dem Schwerpunkt Kommunikation tätig.

„Vor jeder Klasse wird
eine Lehrkraft stehen“

An diesem Vormittag lud sie – gemeinsam mit Markus Kinzelmann, Herbert Unterreiner und Wolfgang Baumann – zu sich ins Schulamt ein, um pünktlich vor dem Beginn des neuen Schuljahres über die wichtigsten Zahlen zu informieren. Das Positive nahm die neue Schuldirektorin gleich vorweg: „Der Pflichtunterricht ist bei uns abgedeckt, die Grundversorgung ist gesichert. Vor jeder Klasse wird eine Lehrkraft stehen.“

Stellenmoratorium
auch im Schulbereich

Aber, auch das machte Burkhardt deutlich: Die eine oder andere Herausforderung gibt es. Auch aufgrund des staatlichen Stellenmoratoriums. Denn weil der Freistaat seinen Haushalt ohne Neuverschuldung stemmen will, dürfen derzeit keine neuen staatlichen Stellen geschaffen werden – auch nicht im Schulbereich. Das gilt übrigens auch für studentische Hilfskräfte. Angesichts des bestehenden Lehrermangels und steigender Schülerzahlen ein Problem.

Das bekommt man auch in der Region Rosenheim zu spüren. Denn auch hier gibt es einen Anstieg der Schülerzahlen. Insgesamt gibt es in den Grund- und Mittelschulen für das kommende Schuljahr 157 zusätzliche Schüler. „Seit 2020 haben wir einen Anstieg um 1.790 Schüler. Das sind drei große Schulen“, erklärte Schulamtsdirektor Herbert Unterreiner. Die Schulen seien zwar nicht gebaut worden, dafür mussten die zusätzlichen Schüler in den vorhandenen Klassen untergebracht werden.

Was auffällig ist: Während die Schülerzahlen steigen, sind die Klassenzahlen gesunken. So gibt es für das kommende Schuljahr 884 Klassen, 719 im Landkreis und 165 in der Stadt Rosenheim. Vier weniger als im Vorjahr. „Bei den Grundschülern haben wir einen relativ moderaten Zuwachs“, sagt Unterreiner. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt das. Im kommenden Schuljahr gibt es in Stadt und Landkreis insgesamt 599 Grundschulklassen. Die durchschnittliche Klassenstärke liegt in der Stadt bei 22,19 und im Landkreis bei 21,91.

Insgesamt gibt es 3.264 Erstklässler, drei mehr als im Vorjahr. Die Zahl der ersten Klassen ist von 145 auf 147 angestiegen. „Das entspricht dem bayernweiten Trend“, sagt Petra Burkhardt. Deutlich mehr Schüler gibt es dafür in der Mittelschule. „Wir haben 146 Jugendliche mehr an den Mittelschulen“, sagt Unterreiner. Gleichzeitig gibt es aber vier Klassen weniger. Die durchschnittliche Klassenstärke liegt im kommenden Schuljahr in der Stadt bei 20 und im Landkreis bei 20,9, etwas höher als noch im Vorjahr.

Auch Klassen
über 30 Schüler möglich

„Im Vergleich zu anderen Schulämtern ist das immer noch sehr moderat“, sagt Unterreiner. Aber es kann vorkommen, dass es heuer die eine oder andere Klasse mit 30 Schülern geben wird. Das sei aber selten. Erfreulich sei auch der Blick auf die Personalsituation. Zumindest dann, wenn man nur auf die nackten Zahlen schaut. „Wir haben 143 Lehrkräfte zuversetzt bekommen“, erklärt Unterreiner. Davon seien 62 sogenannte Lehramtsanwärter, also Referendare. „Im Nachwuchsbereich tut sich was“, sagt Burkhardt. Allerdings sei ein Großteil eher an einem Job in der Grundschule interessiert.

Für die Mittelschule gebe es derzeit wenig Nachwuchs. „Dabei ist es ein wirklich toller Beruf“, sagt die Schulamtsdirektorin. In Zahlen ausgedrückt: Während es in Stadt und Landkreis 785 Grundschullehrkräfte gibt, sind es für die Mittelschule nur 351. Mit Blick auf die steigenden Schülerzahlen und das Stellenmoratorium eine Herausforderung. Vor allem dann, wenn Krankheiten auftreten, Kolleginnen schwanger werden oder in Elternzeit gehen.

Einspringen könnten in solchen Fällen die mobilen Reserven. 119 Personen stehen dafür in der Region bereit. Das Problem: „Wir haben immer versucht, noch einen zusätzlichen Puffer zu haben. Der ist aufgrund der aktuellen Situation nicht mehr vorhanden“, erklärt Schulamtsdirektor Wolfgang Baumann. Sollte die Krankheitswelle im Winter heftig ausfallen, könnte es eng werden. Ganz am Ende gab es dann noch eine positive Nachricht: Stadt und Landkreis Rosenheim werden zum Schuljahr 2026/27 „Inklusive Region“. Ziel sei es, das Wohlbefinden der Schüler zu steigern, Stärken zu fördern und Ressourcen sichtbar zu machen.

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