OVB-Serie „Kunst im öffentlichen Raum“ – Folge 94

Der Himmel der Bayern

von Redaktion

Pünktlich zum Herbstfest 1959 erhielt der Küchenbau des Flötzinger-Bräu-Festzeltes mit den Toiletten eine Verschönerung. Der Künstler Karl Prokop malte den „Himmel der Bayern“ mit allem was dazugehört: zwei gestandene Mannsbilder, Bäume, an denen Würste, Schinken, Hendl und Brezen hängen und eine Blumenwiese.

Als das Werk fertig war, war es wieder Hans Dietrich der es fotografisch festhielt und uns so überlieferte.

Der Entwurf von Karl Prokop hat sich im Nachlass erhalten. Foto Hans Dietrich (© Werner Krämer, Stadtarchiv Rosenheim

Rosenheim – Ein gereimter Vierzeiler unterstreicht das Thema: „Wenn wir einmal in Himmel kommen/Krieg’n wir ein Paradies. /Wo Brat’n und Würst der Bäume Frucht / Und Bier statt Wasser is‘!“.

Hans Dietrich sollte zur Vorbereitung ein Foto von der Festwirtin und dem Braumeister machen, die sich mit zwei Steinzeug-Masskrügen zuprosten. Doch Maria Partenhauser wollte sich partout nicht auf der Wand abbilden lassen. Also musste ihr jüngerer Sohn Anton einspringen, wie sich heute noch der Enkel Hans Partenhauser bestens erinnert. So hielt der Rosenheimer Fotograf also links Anton Partenhauser und rechts Julius Niedermeier fest.

Für seinen Entwurf schnitt Karl Prokop die beiden Herren aus der Fotografie aus, klebte sie auf ein Papier und skizzierte um sie herum Bäume, Wiese und den Spruch. Da die beiden als bayerische Engerl im Himmel abgebildet sind, erhielten sie auch kleine Flügel. Ein Quadratraster erleichterte die Größenberechnung und die Übertragung auf die Wand.

1965 übernahmen Wastl und Resi Gruber als Festwirte das Flötzinger Zelt. Nach einigen Jahren musste der Küchenbau modernisiert werden und neue Durchreichen wurden ausgebrochen. So verschwanden die beiden Herren, der Sohn der Festwirtin, Anton Partenhauser und der Braumeister vom Flötzinger, Julius Niedermeier.

Die oberen Teile der beiden Bäume und der Spruch haben sich erhalten. Damals neu hinzugefügte Malerei-Elemente überspielen seither die Umgestaltung.

Folge 94

Das Werk

„Der Himmel der Bayern“, Wandgemälde, 1959, Höhe 250 Zentimeter, Breite 365 Zentimeter; Küchenbau des Flötzinger-Bräu-Festzeltes auf dem Herbstfest, Loretowiese, Rosenheim.

Der Künstler

Karl Prokop, 1914 in Zwickau im Sudetenland geboren, lernte 1929 bis 1932 Glasmaler und Entwurfszeichner auf der Staatsfachschule für Glasindustrie in Haida. 1932 bis 1938 Studium an der Kunstakademie in Prag, Meisterschüler bei Professor Heinrich Hönich. 1938 bis 1941 freischaffender Künstler in Prag. 1941 bis 1945 Kriegsdienst. 1943 Heirat mit Gertrud Höhnle in München. Nach dem Krieg leben die Prokops mit ihren drei Kindern in Rosenheim. 1951 war Karl Prokop Gründungsmitglied der progressiven „Gruppe 51“. 1973 starb der Maler, Zeichner, Illustrator und Grafiker in Rosenheim. Seine Wandgemälde, Sgraffiti, Mosaiken und Glasfenster prägen zahlreiche öffentliche und private Gebäude. Siehe auch www.karl-prokop.de.

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