Rosenheim – Ein Rundgang auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Kläranlagengelände ist auch für Betriebsleiter Andreas Motzet nichts Alltägliches. „Ich bin ein Büromensch“, sagt er, „verantwortlich dafür, dass hier alles gut organisiert ist.“
Wie gut die Abwasserreinigung im Werk optimiert ist, erklärt er mit Leidenschaft. „Ich liebe meinen Beruf. Es ist sinnstiftend für mich, etwas für die Ökologie zu tun. In der Autoindustrie könnte ich zum Beispiel nicht arbeiten“, gibt der Maschinenbauer offen zu.
Der Rundgang beginnt beim Rechen. „Hier wird das Abwasser von den groben Stoffen befreit“, erklärt Motzet. Was manche Menschen in die Toilette werfen, sei schon kurios: „Kreditkarten, Plastik, aber auch Essensreste und die gehören ja eigentlich auch nicht ins WC.“ 700 Liter Abwasser erreicht das Rosenheimer Klärwerk in der Sekunde. Es kommt aus Rosenheim, Schechen, Großkarolinenfeld sowie Kolbermoor und wird dann mittels fünf Pumpstationen durch 280 Kilometer Kanalsystem zum Werk geleitet. Die mechanische und chemische Reinigung beschäftigt 30 Mitarbeiter – unter anderem Chemiker, Schlosser und Programmierer. Eine vollständige Reinigung des Wassers von der Ankunft bis zum Abfluss im Hammerbach dauert 24 Stunden.
„Im Fett- und Sandfang werden mineralische Stoffe wie Fette und Öle abgeschieden“, so der Betriebsleiter. Im Vorklärbecken setzen sich die schweren Stoffe ab. Dann folgen die chemische und die biologische Reinigung.
„Das ist das Herzstück der Anlage“, sagt Motzet und deutet auf das Belebungsbecken. „Hier wird das Wasser biologisch gereinigt.“ Diese Reinigung beinhaltet beispielsweise den Abbau von Kohlenstoff- und Ammoniumverbindungen. „Ungut ist es, wenn Leute ihre Medikamente in die Toilette werfen. Denn Antibiotika wiederum schaden unseren Bakterien, die das Wasser eigentlich reinigen sollen.“
Im Nachklärbecken trennen sich die Belebtschlammflocken mit den Mikroorganismen durch das unterschiedliche Absetzverhalten von gereinigtem Wasser. „Der Belebtschwamm ist schwerer als Wasser und senkt sich ab.“ Ein Teil des Schlamms gelangt zurück in die Zirkulation des Beckens, ein anderer wird als Klärschlamm abgepumpt.
Der Klärschlamm ist nachhaltig – er wird in Faultürme gepumpt, in denen er circa 20 Tage verbleibt. „Der Schlamm wird dann auf 35 bis 40 Grad erwärmt und durch entstehende Methanbakterien im Volumen verringert.“ Dabei entwickelt sich Biogas, das als Energiequelle in der Kläranlage genutzt wird. In einer Zentrifuge wird so viel Druck auf den Schlamm ausgeübt, dass letztlich zwei Drittel davon übrig bleiben. „Der Rest wird dann kompostiert und als Pflanzengrundlage verwendet“, erklärt der Betriebsleiter weiter.
Auch das Klärwerk hat sich im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung in den letzten Jahren verändert. „Wir verbrauchen rund fünf Millionen Kilowatt-Stunden pro Jahr. Das waren früher wesentlich mehr“, so Motzet.
Dass das Thema Umwelt jeden angeht, davon ist der Betriebsleiter überzeugt. Offen stehen die Türen des Klärwerks für alle. „Wir freuen uns über Interessierte, die sich bei uns melden.“