Rosenheim – Gegründet wurde der Kleingärtner-Stadtverband Rosenheim im Jahr 1947. Das Areal des Vereins erstreckt sich in der Erlenau Straße in unmittelbarer Nähe zum Klinikum und zum Caritas-Altenheim auf einer rund 12400 Quadratmeter großen Fläche. Über 100 „Gartler“ verbringen dort den Großteil ihrer Freizeit. Einer davon ist Hans Jochner.
Die Entstehungsgeschichte des Stadtverbands der Kleingärtner hat der 74-Jährige schon oft buchstäblich in seinen Händen gehalten. „Nach dem Krieg war die gesamte Fläche von Bombenkratern überzogen. Die mussten erst zugeschüttet werden, um dann auf einer ebenen Fläche überhaupt etwas anpflanzen zu können“, erzählt der Rosenheimer. Auch so mancher Unrat sei damals mit in die Gruben gewandert: „Beim Auflockern der Erde habe auch ich schon einige interessante Dinge gefunden, beispielsweise einen uralten Bierkrug mit Zinndeckel.“
In den Statuten des Vereins ist klar geregelt, was in welcher Menge wachsen darf. Gesät und gepflanzt wurde in den Anfangsjahren zum überwiegenden Teil das, was später auf dem Teller landete. „Damals, so kurz nach dem Krieg, trieb der Hunger die Menschen an“, weiß Hans Jochner. Gemüse darf auch heute noch in keinem Schrebergarten fehlen. Aber den hohen Stellenwert wie in den Gründerjahren hat es schon längst nicht mehr. „Nicht mehr die Nutzung steht heute für viele Kleingärtner im Vordergrund, sondern der Freizeitwert“, erzählt Hans Jochner.
Auch bei ihm spielt der Gemüseanbau mittlerweile eine Nebenrolle. Dominiert wird sein Schrebergarten von Rosen. Über 70 Sorten hegt und pflegt er liebevoll. Die Königin der Blumen dankt ihm die Mühen auf ihre spezielle Art: Die Unterarme von Hans Jochner sind übersät mit kleinen Wunden. „Das sind doch nur Schmeicheleien“, entschuldigt der Gärtner das „kratzbürstige“ Wesen der mit Dornen besetzten Schönheiten. Kleine Verletzungen blieben halt im Umgang mit so „anspruchsvollen Diven“ nicht aus.
Der Anspruch der Rosen besteht nach Meinung des erfahrenen Gärtners weniger in der Pflege als vielmehr darin, sich bestmöglich in Szene setzen zu können. „Eine Rose schaut nur schön aus, wenn sie alleine steht oder in der Gemeinschaft ihrer Artgenossen. Die meisten anderen Blumensorten gehen neben ihr unter“, so Jochner. Eine Ausnahme bilde die Clematis. „Auf diese Pflanze wurde ich bei der Rosenheimer Landesgartenschau aufmerksam. Zusammen mit einer Rose bildete sie dort eine wunderschöne Einheit“, schwärmt Jochner. Seit damals darf nun auch in seinem Garten neben den Rosen eine Clematis blühen.
Viele der edlen Rosengewächse gedeihen schon seit Jahrzehnten prächtig in dem kleinen Schrebergarten. „Rosen sind sehr widerstandsfähige Gehölze“, erklärt der Pflanzenliebhaber. Gießen müsse man die Königin des Gartens nur mäßig. Auch winterlichen Frost überstehe das Gewächs bei richtiger Pflanzung ohne Probleme: „Bei Buschrosen muss die Veredlungsstelle etwa fünf Zentimeter unterhalb des Erdreichs liegen. Stammrosen sollte man im Winter vorsichtshalber abpolstern.“
Morgens um 6 ist die Welt noch in Ordnung
Es vergeht kaum ein Tag, an dem Hans Jochner nicht in seinem Schrebergarten nach dem Rechten sieht. Meistens trifft er bereits kurz nach 6 Uhr morgens als einer der Ersten in der Kleingärtner-Anlage ein. „Zu dieser Zeit ist es noch unglaublich still. Diese Ruhe genieße ich“, schwärmt der Rentner. Nach und nach treffen dann zur „Frühschicht“ mehr Gleichgesinnte zum Ratschen ein. Erst nach der „Spätschicht“ am Abend geht es für Hans Jochner heim. Selbst im Winter zieht es ihn regelmäßig zur Kleingärtner-Anlage: „Wir sind einfach eine gute Gemeinschaft.“
Zu tun gibt es für den Gartenfreund immer etwas. „In den frühen Morgenstunden geht es für mich erst mal auf Schnecken-Jagd“, erzählt Hans Jochner. Nur die kleinen, braunen Nacktschnecken stellen seiner Erfahrung nach durch ihren Appetit eine Gefahr für seine Gemüsepflanzen dar. Die großen Nackt-Schnecken und alle Schnecken mit Haus würden dagegen nur wenig Schaden anrichten und dürfen deshalb unbehelligt ihres Weges ziehen. Überhaupt liegt dem Kleingärtner der Erhalt der Natur sehr am Herzen und deshalb vermeidet er auch den Einsatz von Gift: „Vieles regelt sich auch wieder von ganz alleine. Man kann in vielen Fällen auf die Natur vertrauen.“