Sommerschlussverkauf

Die Preise purzeln

von Redaktion

Wie ein Magnet wirken derzeit die roten „Sale“-Schilder in den Schaufensterauslagen auf manchen Schnäppchenjäger. Zwar wurde der Sommerschlussverkauf 2004 offiziell abgeschafft, der Einzelhandel nutzt den Zeitraum aber nach wie vor, um seine Lager leer zu bekommen.

Rosenheim – Seit der Abschaffung des Rabattgesetzes 2004 ist der große Ansturm auf den Winter- und Sommerschlussverkauf vorbei. Bis dahin waren die Zeitpunkte für die Schlussverkaufsaktionen ebenso gesetzlich vorgeschrieben wie die Branchen, die sie überhaupt durchführen durften. Nun gibt es auch während des Jahres immer wieder Preisnachlässe – sei es zum „Pre-Sale“, zum „Mid-Season-
Sale“ oder zu anderen Rabattaktionen.

50 Prozent

machen mit

„Der gemeinsame Zeitpunkt für den Schlussverkauf, der früher eben gesetzlich vorgeschrieben wurde, ging in den letzten Jahren im Einzelhandel tatsächlich ein wenig verloren“, sagt Maria Reiter, Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes in Rosenheim. Dennoch beteiligen sich derzeit viele Rosenheimer Geschäfte – überwiegend in der Textilbranche – an der Rabattaktion. „Ich schätze den Anteil der Läden, die mitmachen, auf über 50 Prozent“, so Reiter, „der Einzelhandelsverband kommuniziert solche Termine auch nach wie vor.“ Kein Wunder also, dass im Augenblick kaum ein Schaufenster ohne eines der leuchtend roten „Sale“-Schilder auskommt.

Vom Schnäppchenjagen profitieren aber nicht nur die Kunden: Denn für die Unternehmen ist es ein guter Zeitpunkt, um die Lager leer zu bekommen und Platz für die Herbst- und Winterware zu schaffen, die bereits jetzt geliefert wird.

Der erste Montag im August als eigentlicher Starttag des Sommerschlussverkaufs hat längst nicht mehr die Bedeutung von früher, so ist auch die Erfahrung von Christine Fels von Schuh Reindl. „Die Preisthematik zieht sich ja schon über Wochen hin und die Saisonware wird auch bei uns laufend reduziert.“ Dennoch habe der Sommerschlussverkauf nach wie vor seine Bedeutung, um die Saisonwaren zu reduzierten Preisen loszuschlagen und um zusätzliche Kunden anzulocken – und da sei der Preis eben ein wichtiges Argument, so Fels.

„Für den Textileinzelhandel ist der Schlussverkauf nach wie vor sehr wichtig – trotz der vorzeitigen Reduzierungen“, sagt dagegen Paul Adlmaier, Inhaber des gleichnamigen Herren-Modehauses: „Das Saisonfinale bedeutet für uns, dass wir unsere Restposten gut und zeitnah absetzen wollen.“ Das sei auch dringend notwendig, so Adlmaier: „Die neue Herbstware kommt, wir brauchen einfach Platz in den Regalen.“ Doch noch aus einem anderen Grund möchte Adlmaier den Schlussverkauf nicht missen: Er bringt im Sommermonat August, in dem die Besucherfrequenz traditionell schwächer ist, zusätzliche Kunden: „Es kommen nicht nur unsere Stammkunden, sondern man merkt auch, dass echte Schnäppchenjäger unterwegs sind. Und natürlich schauen auch Touristen vorbei, die in der Stadt unterwegs sind, und Neugierige, die sich einfach informieren.“

„Keine

Aktionsware“

Auf eines legt Paul Adlmaier großen Wert: „Bei uns kann sich der Verbraucher darauf verlassen, dass wir unsere reguläre Ware zu reduzierten Preisen abgeben. Dass wir eigens eingekaufte Aktionsware anbieten, das hat es bei uns noch nie gegeben.“

Auch bei Karstadt zieht sich der Sommerschlussverkauf quasi wie ein roter Faden durch die Stockwerke. „Das aber nicht erst seit Ende Juli“, sagt Matthias Ecke, Geschäftsführer des Kaufhauses. Bereits seit Anfang Juli seien einige Artikel reduziert worden. Der Zeitpunkt des alten Sommerschlussverkaufs hätte sich ein wenig nach vorne verschoben „Die Herbstware ist bereits da“, sagt er weiter. Den sommerlichen Temperaturen geschuldet, würden jetzt preiswerte Badetextilien und leichte Kleidungsstücke gut über die Ladentheke rauschen. Aber auch reduziertes Sommerspielzeug sei gerade bei jungen Familien beliebt. „Kunden können derzeit bis zur Hälfte sparen“, verrät er.

Der traditionelle Sommerschlussverkauf sei nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen verankert, meint Maria Jäger. Als Inhaberin des Trachtengeschäfts Beo ist sie aber der Meinung, dass diese Rabattaktionen nicht zum Dauerzustand werden sollten. „Damit macht man sich letztendlich unglaubwürdig“, sagt sie.

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