Rosenheim – Gärtnereien gab es in den 70er-Jahren in Stadt und Landkreis viele. Ein Geschäft, das gleichzeitig Pflanzen, Accessoires und Möbel führt, war aber zum damaligen Zeitpunkt etwas völlig Neues. Auf die Idee gekommen ist Hans Nickl bei einem Urlaub in Amerika. „Dort habe ich mit meiner Frau Lieselotte zum ersten Mal ein Garten-Center besucht“, erinnert er sich. Die beiden erkannten in dieser amerikanischen Geschäftsidee auch Potenzial für ihre Heimatstadt Rosenheim. 1969 folgte die Gründung des Garten-Centers Rosenheim. Das Ehepaar musste sich erst einmal gründlich in diese Branche einarbeiten: „Wir hatten von Pflanzen damals kaum Ahnung. Die ersten Bestellungen waren schwierig, weil alle Gewächse mit lateinischem Namen angegeben waren“, schmunzelt der Senior zurückblickend.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon lange sind die drei Kinder Peter, Anton und Johanna und mittlerweile auch zwei Enkelkinder in das Familienunternehmen mit eingestiegen. Trotz seiner 95 Jahre arbeitet aber auch noch Hans Nickl täglich mit. „Ich bin für die Finanzen zuständig“, erklärt der Seniorchef.
Eines der ältesten Unternehmen
Das Unternehmen liegt ihm eben sehr am Herzen, immerhin gehört es zu den ältesten der Stadt. Im Jahr 1620 wird die Seilerei Huber-Söhne das erste Mal urkundlich erwähnt. Ausschließlich für die Schiffer fertigte die Firma damals Seile, mit denen die Pferde die Schiffe vom Ufer des Inns aus gegen die Strömung zogen.
1850 baute die Familie den kleinen Betrieb dann zu einer Seilwarenfabrik mit Spinnerei und Gurtenweberei aus. Als Hans Nickl nach Kriegsende und dem Aufenthalt in verschiedenen Gefangenenlagern nach Rosenheim zurückkehrte, fand er das Familienunternehmen in der Kaiserstraße von Bomben total zerstört. „Damit ging es für mich erst einmal ans Aufräumen und den Wiederaufbau“, erzählt der Seniorchef.
Eigentlich wäre Hans Nickl mit der Arbeit in seinem stetig wachsenden Unternehmen völlig ausgelastet gewesen, doch der Rosenheimer bewies auch immer schon großes ehrenamtliches Engagement. Die Liste seiner Titel und Ehrungen ist dementsprechend lang: Gründungs- und Ehrenmitglied der UP Rosenheim/Freie Wähler, 25 Jahre Stadtrat, zwölf Jahre Dritter Bürgermeister, Ehrenmitglied beim Reit- und Fahrverein, Ehrenmitglied beim Simssee Segel- und Ruderclub, Gründungsmitglied des Rotary-Clubs, Gründungs- und Ehrenmitglied beim Wirtschaftlichen Verband, zwölf Jahre ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht Traunstein, zwölf Jahre ehrenamtlicher Finanzrichter am Finanzgericht München, 25 Jahre Aufsichtsrat und Vorsitzender der Volksbank Rosenheim und seit 1980 Träger des Bundesverdienstkreuzes.
Aus seiner Zeit als Stadtrat ist ihm eine Sitzung noch besonders gut im Gedächtnis geblieben: „Es ging darum, dass das Städtische Museum zu wenig Besucher hat“. Hans Nickl führte dies auf die unattraktive Eingangssituation zurück. Ein neuer Eingang drohte an den finanziellen Mitteln zu scheitern. Hans Nickl griff in die eigene Tasche.
„Er hat unser Stadtbild wesentlich mitgeprägt“, lobte die jetzige Dritte Bürgermeisterin Dr. Beate Burkl das vielseitige und tatkräftige Engagement, als sie zusammen mit Bezirksrätin Christine Degenhart zum Gratulieren kam.
Mit dem heutigen Rosenheim ist Hans Nickl sehr zufrieden. Verbesserungsvorschläge hat er keine parat: „Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr gut entwickelt“. Für die Zukunft wünscht sich der 95-Jährige vor allem ein weiterhin so harmonisches Familienleben: „Damit steht und fällt alles.“
Das Wohl der Stadt und seiner Bewohner verliert er nach wie vor nicht aus den Augen: Anlässlich seines Geburtstages hat er mit 10000 Euro aus seinem Privatvermögen eine Stiftung für behinderte Kinder in Stadt und Landkreis ins Leben gerufen.