Herbert Borrmann seit einem Jahr Vorsitzender des TSV 1860 Rosenheim

Sportliche Vereinsführung

von Redaktion

„Ich bin der unsportlichste Sportvereinsvorsitzende von Rosenheim“, sagt Herbert Borrmann schmunzelnd. Doch in seinem Amt, das er vor einem Jahr übernommen hat, kommt es bekanntlich nicht auf Sportlichkeit an, sondern auf das, was Borrmann mehr liegt: organisieren, managen, vernetzen – für mehr Effizienz.

Rosenheim – „Wir haben einen Quantensprung vollzogen – von der Kreisliga in die zweite Bundesliga“, findet Borrmann mit Blick auf die neue Vereinsführung. Im Herbst 2016 hatte der 59-Jährige das Amt von Adolf Dinglreiter übernommen, der 38 Jahre lang 1860-Vorsitzender war. In seinen letzten Jahren hatte es der Verein schwer: Er war finanziell angeschlagen, litt unter einem schlechten Ruf und unter internen Querelen zwischen den Abteilungen. Die Stadt musste 2014 den Rettungsanker werfen.

„Politik hat in einem Sportverein nichts

zu suchen“

Dinglreiter übergab den Verein schuldenfrei, jedoch mit Reformbedarf an Borrmann. An den versierten Kaufmann stellten die Mitglieder hohe Erwartungen in punkto Neuaufstellung der Strukturen und Neuordnung der Finanzen. Jetzt, ein paar Wochen vor der ersten Jahreshauptversammlung, steht bei den Sechzigern in der Tat kein Stein mehr auf dem anderen.

Borrmann hat die Vereinsführung personell verändert: Die Leiter aller Abteilungen sind jetzt auch im Hauptvorstand. So wurden Abteilungen, die jahrelang eher ein Eigenleben führten und sich kaum mit dem Mutterverein identifizierten, wieder angebunden.

Mit Gabriele Leicht, einer SPD-Stadträtin als Stellvertreterin, ist garantiert, dass unter CSU-Kollege Borrmann die Sechziger nicht in den Verdacht geraten, ein CSU-Verein zu sein. Denn darauf legt Borrmann, als CSU-Fraktionsvorsitzender ein Kommunalpolitiker, der kein Blatt vor den Mund nimmt, Wert: „Politik hat in einem Sportverein nichts zu suchen.“

Zum Vorstandsteam gehört außerdem ein Jurist, der sich mit dem Vereinsrecht auskennt. Borrmann hat nach eigenen Angaben Leute ins Boot geholt, „die selbstständig arbeiten können, denen es um die Sache geht und denen ich vertrauen kann“. Borrmann selber war zehn Jahre lang – von 2000 bis 2010 – stellvertretender Vorsitzender. 20 Jahre lang führte er außerdem den Stadtjugendring Rosenheim als Vorsitzender.

„Kein Geld ausgeben, das nicht auf dem Konto ist“

Beim TSV 1860 Rosenheim hat er ein Prinzip über alles gestellt: „Kein Geld ausgeben, das nicht auf dem Konto ist“. Das ist gar nicht so einfach bei den Sechzigern, deren erfolgreiche Fußballer mit dem niedrigsten Etat der Regionalliga auskommen müssen. Doch unter der neuen Abteilungsleitung haben sich die Fußballer, früher die Achillesferse des Vereins, „mit viel Herzblut, frischen Ideen und Top-Kontakten“ der Aufgabe, sportlich und finanziell erfolgreich zu sein, angenommen, lobt Borrmann.

Es ist ihm ein Anliegen, dass die ebenfalls sehr erfolgreichen Schwimmer und Tennisspieler sowie die vielen Talente in den anderen Abteilungen nicht untergehen und auch der Breitensport eine wichtige Rolle spielt. „Wir sind kein arroganter Stadtverein, sondern ein Verein für alle.“ Lust auf die Sechziger sollen die Leute wieder haben, wünscht er – „weil wir „Professionalität ausstrahlen, ohne Profis zu sein“. 150 neue Mitglieder hat der Hauptverein im vergangenen Jahr dazugewonnen. Die Kindersportschule ist so gefragt, dass sie derzeit einen Aufnahmestopp verzeichnet, berichtet Borrmann.

„Bei uns gibt es keine versteckten Zahlen“

Für die Mitgliederverwaltung hat er eine neue Software eingeführt, die den administrativen Aufwand deutlich reduziert. Schneller, effizienter, mehr Transparenz: Das gilt auch für die Kommunikation im Vorstand und zwischen den Abteilungen. Borrmann, erklärter Fan der neuen Medien, übermittelt Statusberichte und wichtige Informationen per Smartphone. Online kann jede Abteilung die eigenen Mitgliederdateien sehen und pflegen. Der Vorsitzende und der Schatzmeister haben tagesaktuell Überblick über alle Abteilungsbuchungen. „Bei uns gibt es keine versteckten Zahlen.“ Schneller entscheiden, lautet Borrmanns sportliches Ziel für die Vereinsführung. Vorstandsmitglieder sollen keine Zeit verbrennen mit Nebensächlichkeiten und zeitlich ausufernden Sitzungen.

Diese Kommunikationskultur und Transparenz hat nach Überzeugung von Borrmann dazu geführt, dass wieder mehr Sponsoren den Verein unterstützen. Dank ihnen sei es gelungen, die Modernisierung des Stadions für die Regionalligatauglichkeit bar zu bezahlen. Auch die Sanierung des Vereinsheims aus den 70er-Jahren wäre ohne Sponsorenhilfe nicht zu stemmen gewesen. Hier gibt es auch einen neuen Pächter für die Gastronomie, der gut ankomme. Jetzt müssen nur noch abschließende Sicherheitsmaßnahmen folgen. „Dann sind Stadion und Vereinsheim wieder auf Vordermann gebracht.“ Diesen Stand zu halten, ist Borrmann wichtig. Lässt eine Mannschaft Kabine oder Duschen verdreckt zurück, „kann ich deshalb sehr ekelhaft werden“.

„Vereine mit unterschiedlichen Mentalitäten“

Mittel- bis langfristig muss jedoch ein neues Vereinsheim gebaut werden, ist Borrmann überzeugt. Er kann sich auch eine Kombination mit einem Jugendhotel für Trainingslager vorstellen.

Fusionsideen weist er zurück: Sechziger und Sportbund, „das sind Vereine mit unterschiedlichen Mentalitäten, diese dürften nicht aufs Spiel gesetzt werden“. Kooperationsmöglichkeiten – zwischen Abteilungen oder bei der gemeinsamen Sportplatznutzung – seien jedoch sinnvoll. Eines lehnt Borrmann jedoch ab: eine Aufgabe des Kunstrasenplatzes am Eisstadion zugunsten einer zweiten Eisfläche. „Das geht nicht, der Platz ist für den Schulsport unverzichtbar.“

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