Ja, liebe Kinder, es ist traurig, sehr traurig: Heuer wird der Kasperl mitsamt seinem Theater nicht zum Herbstfest kommen: Tri, tra, tralala, der Kasperl, der ist heuer gar nicht da! Ist er krank geworden? Ist die Großmutter beim Motorradfahren im Hühnerstall verunfallt? Hat der Sepperl für eine hohe Ablöse zu einem anderen Theater gewechselt? Ist der Herr Wachtmeister wegen unnötiger Grobheit im Amt vom Dienst suspendiert worden? Ist die böse Hexe unabkömmlich, da sie an einem mehrwöchigen Seminar mit dem Titel: „Wie fliege ich mit einem Diesel-Besen? teilnimmt? Hat sich der alte König verletzt, weil er sich irrtümlich auf seine Krone gesetzt hat, statt sie sich aufzusetzen? Befindet sich die Prinzessin in Mutterschutz? Ist das Krokodil auf einer weltweiten Werbetournee für einen französischen Sporthemden-Hersteller? Macht Struppi Urlaub in einem Vier-Sterne-Hundehotel auf Mallorca? Fragen über Fragen.
Liebe Kinder, nicht verzagen. Auf der Rosenheimer Wiesn gibt es noch so viele schöne andere Dinge zu entdecken: jedes Jahr neue Fahrgeschäfte, die euch Spaß machen werden. Tri, tra, traurig sind ebenfalls manche Eltern, Onkel und Tanten, Omas und Opas, weil sie doch auch selbst so gerne mit euch ins Kasperltheater gegangen wären, wo sie sich daran erinnern, wie sie früher selbst aufgeregt auf den Bänken saßen und auf Kasperls Frage: „Seid ihr auch alle da?“ wie ihr ganz laut „Ja!“ geschrien haben.
Ja, der Kasperl geht uns allen ab, weil er so eine ursprüngliche, althergebrachte Persönlichkeit der Wiesn ist. Übrigens: Wenn ihr nach dem Wiesnnachmittag längst wieder zuhause und im Bett seid, dann seht ihr zum Glück nicht, wie einige Erwachsene auf der Wiesn kurz vor dem Zapfenstreich zum Kasperl werden oder sich gar zum Affen machen; weil sie sich einen solchen angetrunken haben. Da ist dann der Zauber weg.