leserbrief an die Redaktion

Armer Nepomuk

von Redaktion

Zum Bericht „Damit Rosenheim nicht eine graue Maus wird“ im Lokalteil.

Ich mache mir wirklich ernste Sorgen um die Finanzierung des Besuches der Bundeskanzlerin am 12. September. Der Stadtsäckel ist so klamm, dass aus Spargründen heuer auf Blumenschmuck an Brücken und Brunnen verzichtet werden musste. Wie soll dann erst das Spektakel um Frau Bundeskanzlerin finanziert werden? Wenn ich da allein an die Polizeipräsenz denke, als Herr Steinmeier mit Glanz und Gloria von einem schönen Nachmittag am Chiemsee in Rosenheim vorfuhr und außer Verkehrschaos und große Aufregung für Frau Graf, weil man ihr den Einlass verwehrte, dem Bürger nichts brachte.

Wenn man für diesen Besuch doch noch Geld zusammenkratzen kann, sollte man Frau Merkel wenigstens den armen Nepomuk zeigen, dem man nicht einmal mehr in unserer guten Rosenheimer Stube ein paar Blümchen finanzieren kann. Man kann ihr dabei erklären, dass es in Rosenheim und Umland ganz viele Menschen gibt, die jahraus, jahrein daheim verbringen, sich keinen Urlaub – sei es wegen Arbeitslosigkeit, Altersarmut, Krankheit, kleinem Einkommen – leisten können und sich statt Ausland auf einer Bank in der Fußgängerzone niederlassen und noch Freude an den schönen Blumen haben.

Ich habe mich immer über die Blumenkästen an den beiden Mangfallbrücken gefreut, wenn ich mit dem Fahrrad dort entlang gefahren bin. Vielleicht zeigt Frau Merkel bei ihrem Wahlkampf Herz und spendiert dem auf uns gütig herabschauenden Patron eine Bepflanzung. Auf den Besuch von Frau Merkel könnte ich ja schweren Herzens verzichten, aber auf die Blumen nicht.

Annemarie Wagemann

Stephanskirchen

Artikel 6 von 11