Rosenheim – Er macht sein Geschäft unter anderem mit dem kleinen und großen Geschäft der Menschen: So hat Markus Kammerl (47), Geschäftsführer der MEV Paper GmbH aus Rosenheim, die Papier- und Hygieneartikel in großen Mengen vertreibt, auch Toilettenpapier in verschiedensten Ausführungen im Sortiment. Zum heutigen „Tag des Toilettenpapiers“ haben die OVB-Heimatzeitungen bei Kammerl nachgefragt, auf was Verbraucher beim Kauf achten sollten.
Sie vertreiben in Ihrem Unternehmen unter anderem auch Toilettenpapier. Zwei-, drei- oder vierlagig – was ist Ihr Verkaufsschlager?
Wir vertreiben alle Arten und Lagen von Toilettenpapier. Für Hotelerie ist unser Topseller ein dreilagiges Toilettenpapier mit 250 Blatt aus Zellstoff, für Industriekunden ein zweilagiges, recyceltes mit 250 Blatt sowie auch sogenannte Jumborollen mit bis zu 350 Meter Lauflänge.
Gibt es bei Produkten mit der gleichen Anzahl der Lagen Qualitätsunterschiede?
Ja, die gibt es. Hauptsächlich unterscheidet man zwischen Zellstoff und Recyclingmaterial. Zellstoff ist aus nachwachsenden Rohstoffen und wird für mehrlagiges Toilettenpapier verwendet. Die Recyclingprodukte in zwei bis fünf Lagen werden aus Altpapier hergestellt. Zellstoff ist hochweiß und braucht nur wenig gebleicht zu werden. Recyclingpapier ist meist grau oder – wie es neuerdings bezeichnet wird – naturweiß.
Auf welche Attribute – beispielsweise Material oder etwaige Siegel – sollten Verbraucher ihrer Meinung nach beim Kauf achten?
Der Privatverbraucher sollte sich nicht von optischen Attributen verleiten lassen. Oft wird speziell im Einzelhandel, mehr Wert auf Verpackung und Dekore gelegt, als auf die Blattanzahl und Lagen. Wichtig ist auch, dass der Verbraucher darauf hingewiesen wird, aus welchem Rohstoff das Papier hergestellt wurde. Bei Zellstoff gibt es das FSC-Zertifikat, das garantiert, dass der verwendete Rohstoff wie Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Forstbetrieben kommt. Große Markenhersteller verwenden auch den allseits bekannten „blauen Umweltengel“.
Und im Industriebereich?
Dort sollte der Kosten-Nutzen-Vergleich im Vordergrund stehen. Im stark frequentierten Sanitärbereich machen Kleinrollen keinen Sinn. Ebenso benötigt man dort kein Toilettenpapier mit Dekor, Duft oder aufwendig gestalteten Verkaufsfolien. Hier bieten sich die Jumborollen an.
Und wer umweltbewusst einkaufen will, ist mit Recyclingpapier am besten beraten?
Recyclingpapier wird oft als günstig und umweltfreundlich angesehen. Das ist aber nicht ganz richtig. Das gesammelte Altpapier zu transportieren, zu waschen und mit chemischen Zusätzen neu zu verarbeiten ist sehr aufwendig und energieintensiv. Daraus resultiert auch der mittlerweile geringe Preisunterschied zwischen hochweißem Zellstoffpapier und naturweißem Recyclingpapier.
Wie viele Rollen beziehungsweise Meter an Toilettenpapier setzen Sie in Ihrem Unternehmen im Jahr ab?
In Meter haben wir das noch nie ausgerechnet, da wir Papiere mit unterschiedlichen Lauflängen haben. Das geht an bei 150 und endet bei 1000 Blatt. Wenn man aber einen Durchschnitt von 250 Blatt, was circa 30 Meter Länge entspricht, zugrunde legt, kommt man bei rund 500 Paletten pro Monat allein am Standort Rosenheim auf monatlich rund 31650 Kilometer, was schon fast in Richtung Erdumfang geht. Auf das Jahr gesehen sind wir dann bei rund 379800 Kilometern, was ungefähr die Entfernung der Erde zum Mond entspricht. Hinzu kommt noch die Ware, die direkt von unseren Fabriken zum Kunden transportiert werden.
Beim Kauf von Alltagsdingen für den Arbeitsalltag achten Unternehmen ja vermehrt auf die Kosten. Ist das beim Kauf von Toilettenpapier auch erkennbar, beispielsweise dadurch, dass die meisten Unternehmen nur zweilagiges Papier kaufen?
Auf alle Fälle. Allerdings achten Unternehmen auch darauf, dass die Qualität passt. Im Officebereich werden mittlerweile ausschließlich mehrlagige Zellstoffpapiere geordert. Zum Glück gibt es kaum noch einlagiges Papier, oft auch Krepppapier genannt. Davon ist man fast gänzlich abgekommen. Bezugnehmen auf Ihre Frage muss man daher eigentlich „immerhin zweilagig“ sagen!
Ist Ihnen selbst daheim schon mal das Toilettenpapier ausgegangen?
Ja, ich gebe das auch gerne zu. Da ich als Unternehmer den Wettbewerb beobachte, kaufe ich mein Toilettenpapier in Supermärkten, um vergleichen zu können. Da ist es selbstverständlich schon vorgekommen, dass ich an einem Sonntag feststellen musste, dass das Toilettenpapier aus ist. Daher bin ich der Meinung: Toilettenpapier ist ähnlich wie Geld. Man hat immer dann ein Problem, wenn man es braucht und keins greifbar ist.
Ihr Favorit? Zwei-, Drei- oder vierlagig?
Dreilagig. Das ist völlig ausreichend für den sparsamen und den verwöhnten Kunden. Vier- oder fünflagig ist aus meiner Sicht völlig unnötig. Niemand reißt nur ein Blatt ab. Der Benutzer zieht eh meistens an der Rolle fünf bis sechs Blätter und legt sie zwei- oder dreifach zusammen. Interview: Mathias Weinzierl