Herbstfest – Besuch beim Friseur

Flechten, eine Herzenssache

von Redaktion

Flechtfrisuren liegen im Trend. Ein fesches Dirndl dazu und das Wiesn-Outfit ist perfekt. OVB-Volontärin Susanne Hoffmann hat sich im Salon von Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots, der sein Geschäft mittlerweile an Sohn Markus übergeben hat, für die Wiesn stylen lassen und nachgefragt, was es zur perfekten Frisur so braucht.

Rosenheim – Noch sind meine Haare glatt. Langweilig hängen sie über die Schulter. „Die Frisur, die wir Ihnen zaubern möchten, hat Premiere – auch für uns“, sagen die Friseurinnen Sabrina Tauermann und Verena Jarrell lächelnd. Ein Haar-Kunstwerk, das davor noch nie jemand getragen hat? Ich bin skeptisch. Geübt haben die Frauen die speziell für mich ausgesuchte Frisur vorab an einer Puppe, erzählen sie. „Wir haben das Herz im Internet entdeckt und wollten das unbedingt einmal ausprobieren“, sagt Jarrell.

Chef Markus Schloots schaut seinen beiden Mitarbeiterinnen entspannt über die Schulter – Zweifel, dass beim Flechten etwas schief gehen könnte, hat er offensichtlich nicht. „Seit einigen Jahren liegen diese Frisuren total im Trend“, sagt er. Besonders zum Herbstfest: „Da kommen fünf bis zehn Kundinnen pro Tag und lassen sich die Haare flechten.“ Aber auch zu Hochzeiten seien geflochtene Elemente sehr gefragt. „Die Technik ist variabel. Damit lassen sich viele Kunstwerke kreieren.“

Jarrell und Tautermann sind indes vertieft in ihre Arbeit und beweisen dabei viel Fingerspitzengefühl. Strähne für Strähne arbeiten sie sich voran, nachdem sie meine Haare geglättet haben. Jarrell schnappt sich erst die rechte, Tautermann danach die linke Seite. „Das ist ganz praktisch – ich bin Links- und Verena ist Rechtshänderin. Da ergänzen wir uns beim Flechten ganz gut“, erklärt Tautermann, die den schwierigeren Part hat – schließlich muss sich ihr geflochtenes Teil symmetrisch an das andere anpassen.

Immer wieder überprüfen die Beiden, ob alles sitzt und richtig in Form ist. Ich lehne mich derweil entspannt im Stuhl zurück und genieße das Gefühl, verschönert zu werden. Die Haarkünstlerinnen sind sehr vorsichtig – „wenn es ziept, dann sagen Sie bitte Bescheid“, legen sie mir ans Herz.

Apropos Herz: Das nimmt auf meinem Kopf langsam Gestalt an. Ich spüre die letzten Handgriffe – ein paar Haarnadeln hier und etwas Haarspray dort. Nach einer guten halben Stunde ist es vollbracht. Ich sehe den quirligen Blondinen in die Augen: Die strahlen, als sie das gelungene Werk betrachten.

„Schulterlang sollten die Haare schon sein“, erklärt mir das Team. Welche Flechtfrisur sich bei wem machen lässt, ist individuell und hängt von der Haarstruktur ab. „Oft kommen Kundinnen mit einem Foto und sagen: So will ich das haben. Das funktioniert aber nicht immer, weil viele dann genau dafür nicht die Haare haben.“

Zur Abrundung noch ein paar Blumen ins Haar gesteckt

Zu lange Zeit flechten, das geht auch bei den Friseurinnen nicht. „Da schmerzen am Ende doch ein wenig die Finger“, geben die Frauen zu. Mit frischen Blumen aus der Vase rundet Jarrell das Ergebnis bei mir ab. „Fertig“, sagen die Friseurinnen lächelnd und halten mir den Spiegel entgegen. Ich staune, als ich meinen Hinterkopf sehe. Wie die beiden das so perfekt hinbekommen haben – bewundernswert. Nun fühle ich mich gewappnet für den Wiesn-Besuch.

Auf dem Rückweg zur Redaktion deutet ein Kind auf meinen Hinterkopf. „Guck mal Mami. Ein Herz. So etwas Schönes will ich auch haben“, sagt die Kleine. Kindermund tut Wahrheit kund, denke ich mir und freue mich über das gelungene Kunstwerk.

Das Handwerk gehört zum Herbstfest

Gerhard Schloots ist Kreishandwerksmeister. Vor acht Jahren hat er seinen Friseursalon an seinen Sohn Markus übergeben. Er findet: „Das Herbstfest ist das beste Beispiel für traditionelles Handwerk.“ Metzger, Bäcker, Bierbrauer – ohne diese Zünfte, würde die Wiesn nicht jedes Jahr aufs Neue so gelingen. „Auch der Tatzelwurm ist ein Beispiel dafür, dass Schreiner und Zimmerer zum Herbstfest dazu gehören. Oder das Metallhandwerk, das man bei den einzelnen Fahrgeschäften bewundern kann.“

Für den Friseurmeister sind auch solche Flechtfrisuren der Ausdruck für bayerische Tradition. Für den Kreishandwerksmeister gehören diese Kunstwerke genauso zum Herbstfest wie schöne Dirndl.

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