Sie eröffnen in Happing die „Krümelkiste“, eine Großtagespflege. Was ist der Unterschied zu Krippe und Tagesmutter?
Dorfner: Eine „Großtagespflege“ unterscheidet sich von der Tagespflege zu Hause insofern, dass sie in angemieteten Räumen stattfindet – so wie auch bei Kindergarten und Krippe. Allerdings wird in der „Großtagespflege“ großer Wert auf ein familienähnliches Miteinander gelegt. Die Kinder dürfen hier in einer Art „Großfamilie“ spielen, lachen und lernen. Die Anzahl der zu betreuenden Kinder ist auf vier pro qualifizierter Tagesmutter, mit einer Fachkraft/Erzieherin auf fünf Kinder begrenzt. Die begrenzte Anzahl ermöglicht, dass sich die Kinder ein Stück weit wie zu Hause fühlen können. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich die Großtagespflege als sanfte Vorbereitung auf den Kindergarten in einer kindgerechten, sozialen Umgebung bezeichnen.
Anders als in den öffentlichen Einrichtungen (Krippe, Kita), arbeiten wir freiberuflich, das bedeutet, dass die Eltern ihren Betreuungsvertrag mit der jeweiligen Tagesmutter abschließen. Durch die Flexibilität, die Kindertagespflege anbietet, soll es Eltern ermöglicht werden, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.
Sie wagen mit der „Krümelkiste“ den Schritt in die Selbstständigkeit. Was waren die Gründe für diese mutige Entscheidung?
Dorfner: Ich liebe die Arbeit mit Kindern. Es macht einfach riesigen Spaß, ihnen dabei zu helfen, die Welt zu entdecken und sie auf einem Stück ihres Weges zu begleiten. Einen großen Teil meines Lebens habe ich mit Kindern verbracht. Die Rahmenbedingungen der Tagespflege bieten für mich mehr Freiheit in der Umsetzung einer kindgemäßen Pädagogik und somit auch mehr Zufriedenheit mit dem, was ich tue.
Magerstädt: Ein Zitat von Aristoteles besagt: Wo sich die Bedürfnisse der Welt mit deinen Talenten kreuzen, darin liegt Deine Berufung – und genau so ist es bei mir! Mit Kindern zusammenzusein, mit ihnen zu lachen, sie zu leiten: Das ist meine Berufung. Außerdem war mir immer eine gewisse Selbstständigkeit wichtig – und die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln.
Das Jugendamt der Stadt Rosenheim unterstützt Ihre Einrichtung – auch finanziell?
Magerstädt: Das Amt für Schulen, Kinderbetreuung und Sport der Stadt Rosenheim ist für uns Tagespflegepersonen ein vertrauensvoller Partner, der uns in der Verwirklichung unseres Vorhabens, eine Tagespflege-Einrichtung zu gründen, sehr unterstützt. Mit einem freiwilligen Ausstattungs- und einem Mietzuschuss werden wir von der Stadt Rosenheim gefördert. Diese Hilfeleistungen erleichtern uns natürlich den Schritt in die Selbstständigkeit – gerade am Anfang.
Ab wann geht es los und können noch Kinder angemeldet werden?
Dorfner und Magerstädt: Wir eröffnen am 2. Oktober und laden am 7. Oktober zum „Tag der offenen Tür“ von 14 bis 17 Uhr ein. Wir haben noch Plätze frei.
Der Name „Krümelkiste“ erweckt den Eindruck, in Ihrem Haus können Kinder noch unbeschwert Kinder sein. Nach welchem Konzept werden sie von Ihnen betreut?
Dorfner und Magerstädt: Im Kind ist schon vieles angelegt, was es braucht, um sich zu entwickeln. An uns ist es, genau zu beobachten und angemessen zu fördern. Wir wollen den Kindern Zeit und Raum geben, um neue Bindungen einzugehen, zum Staunen und Entdecken, zum Toben und Ausruhen, zum Lachen und Weinen, zum Ausprobieren und Fehlermachen, um Freunde zu finden und um Freude zu erleben.Interview: Heike Duczek