Rosenheim – Draußen tobt das Leben: Stimmengewirr, begeistertes Kreischen der Karussellfahrer, Musik und Moderationen aus den Lautsprechern, Menschenmassen, die sich über die Loretowiese schieben. Nur wenige Meter entfernt: absolute Stille, Menschen, die im Gebet verharren, eine Kerze anzünden, minutenlang einfach nur dasitzen.
„So ist das Leben“, sagt Pfarrer Andreas Maria Zach, der beide Seiten kennt und liebt: die Ausgelassenheit des Herbstfestes und die ewige Anbetung in der Klosterkirche von St. Sebastian.
Sie wird auch während der Herbstfestzeit nicht unterbrochen. 100 Ehrenamtliche beten hier täglich von 12.15 bis 17.30 Uhr vor dem geöffneten Tabernakel – nur wenige Meter von den Fahrgeschäften entfernt.
Die Klosterkirche ist ein durchbeteter Raum geblieben – auch nach dem Wegzug der Mönche und Klarissen-Kapuzinerinnen. Der Nachwuchsmangel war der Grund, warum sie Rosenheim verlassen haben. „Wir können die menschliche Gemeinschaft der Patres und Schwestern nicht ersetzen“, bedauerten Anfang des Jahres die Rosenheimer Geistlichen, Domkapitular Dekan Daniel Reichel, Pfarrer Andreas Maria Zach und Pfarrer Sebastian Heindl. Ihnen gelang es trotzdem – auch dank des Engagements vieler Helfer und des Mesnerehepaares – das kirchliche Leben im Kloster St. Sebastian fortzuführen. Nach wie vor finden hier die Eucharistiefeier, die Beichte und die Ewige Anbetung statt. Zur Wiesn außerdem der Schaustellergottesdienst des Wirtschaftlichen Verbandes am Dienstag, 5. September, um 9.30 Uhr, ebenfalls eine lange Tradition.
Nutzung für
soziale Zwecke
Mittwochs und sonntags ist in der Kirche St. Sebastian das ganze Jahr hindurch heilige Messe. Am Sonntag ist sie so beliebt, dass das Gotteshaus stets randvoll ist, wie Pfarrer Zach berichtet. Für alle Besucher reichen die Sitzplätze nicht aus, viele müssen stehen. „St. Sebastian ist ein Ort der Spiritualität geblieben“, freut sich Zach.
Nur wie geht es weiter mit der Klosteranlage im Herzen der Stadt, fragen sich viele Bürger. Eigentümerin ist die Stiftung St. Sebastian. Die Rechte und Pflichten nimmt der Finanzdirektor des Bistums wahr. Er hat die Verwaltung der Kirche an Pfarrer Zach übertragen. Die Entscheidung über die weitere Nutzung der Immobilie, zu der neben der Kirche die Klostergebäude und 1,4 Hektar Land gehören, fällt aber allein in München. Derzeit werden nach Informationen von Zach mehrere Optionen geprüft. Sie haben eins gemeinsam: eine mögliche Nutzung, die sich nicht der Gewinnoptimierung, sondern sozialen Aspekten unterordne.
Tatsache ist auch, dass Sanierungen in mindestens sechsstelliger Höhe für eine langfristige Neunutzung notwendig sind. Der Brandschutz entspricht nicht den modernen Anforderungen, Sanitäranlage und Heizung sind veraltet. Das Kloster steht außerdem unter Denkmalschutz.
Erste Sanierungen sind in der Klosterkirche nach Angaben von Zach getätigt worden: eine Reparatur der Orgel, Raumlüftungsmaßnahmen gegen Schimmelbefall, Ausbesserungen beim Fußboden. Außerdem gibt es eine Veränderung an diesem Ort, der in den vergangenen Jahrzehnten kaum Veränderungen erlebte: Eine Statue des heiligen Josef aus dem Depot ist eingezogen.