Rosenheim – In diesem Jahr wurden bereits an Wasserschildkröten im Tierheim abgegeben zwei Rotwangen-Schmuckschildkröten, drei Gelbwangen-Schmuckschildkröten und eine Cumberland-Schmuckschildkröte. Eine der „Gelbwangen“ wurde von ihren Besitzern wieder abgeholt. Die meisten waren Fundtiere – sie werden an heimischen Seen und Weihern gefunden. „Das werden immer mehr,“ sagt Johanna Halisch, die Leiterin des Tierheims. „Die Leute kaufen sich eine nette, kleine Schildkröte für ein nettes, kleines Aquarium, und dann wird die Schildkröte immer größer.“ Manche Arten bringen es auf Esstellergröße und ein Gewicht von mehreren Kilogramm. Und wenn das Aquarium wieder zu klein und der Aufwand zu groß geworden ist, setzen viele Leute ihr Tier einfach aus. „Bei uns gibt es an jedem Weiher, an jedem See, mittlerweile Schildkröten,“ so Halisch. Am Hawaiisee bei Flintsbach würden mindestens 15 leben. „Die sitzen auf Baumstämmen im Wasser und sonnen sich,“ weiß die Tierheimleiterin. Die perplexen Badegäste würden dann oft im Tierheim anrufen – aber das Tierheim habe da keine Möglichkeiten, sich die Schildkröten zu schnappen. In München dagegen habe man wegen dieser Problematik eigens einen Teich in einem Park abgepumpt und dann 20 Schildkröten gefunden.
Trachemis-Arten gelten als invasiv
Problem ist, dass die Trachemis-Arten der Wasserschildkröten als invasiv gelten. Das heißt, sie stammen zwar nicht von hier, können hier aber überleben – auf Kosten der heimischen Arten. Sie fressen nicht nur Pflanzen, sondern auch den Laich von Fischen, Molchen und Lurchen. Eine Schildkröte habe das Tierheim von einem Fischer bekommen, der sie in der Reuse hatte. Irgendjemand hatte ihm das Tier zu seiner „Freude“ in seinen Teich geschmuggelt. Eine andere stammt aus dem Feuerwehrsee Rosenheim, wieder eine andere sogar aus der Kläranlage Raubling.
Es gibt freilich auch ehrliche Schildkrötenbesitzer, die ihr Tier ins Tierheim bringen und zugeben, dass ihnen der Aufwand zuviel geworden ist. Sie können ihren ehemaligen Liebling kostenlos abgeben. „Eine Spende wäre nett“ heißt es freilich, denn viele der Schildkröten können nicht in den Teich im Freien, sondern brauchen ein warmes Aquarium und auch eine Wärmelampe, was alles teuren Strom erfordert.
Johanna Halisch ist seit rund 14 Jahren Tierheimleiterin und hat sich mit Fortbildungen und vor allem mit der Zusammenarbeit mit Dr. Anne Fischer, einer Tierärztin aus Unterhaching, ein profundes Fachwissen angeeignet. Diese Tierärztin ist auf Reptilien und Exoten spezialisiert und arbeitet auch mit der Auffangstation für Reptilien in München zusammen. Das Fachwissen ist nötig, denn nicht nur mit der Fütterung, auch mit dem Überwintern der Schildkröten ist das so eine Sache. Früher habe man im Tierheim die geeigneten Schildkröten am Teich überwintern lassen, so Halisch.
Dann seien die Winter immer milder geworden – und die Schildkröten dementsprechend immer wieder wach. Im Frühjahr seien sie dann so unausgeschlafen und matt gewesen, dass sie immer anfälliger gegen Krankheiten wurden. Seit letztem Jahr verbringen diese Schildkröten den Winter jetzt in einem Bottich, der in einem Raum steht, der mit Lüften oder Wärmen auf einer Temperatur von rund acht bis zehn Grad gehalten wird. Noch einfacher geht das Überwintern bei den Landschildkröten: Sie warten im Kühlschrank auf den nächsten Frühling.
Acht griechischen Landschildkröten landeten heuer bisher im Tierheim. Fünf wurden von ihren Besitzern wieder abgeholt, eine wurde in die Auffangstation für Reptilien München gebracht, und zwei befinden sich noch im Tierheim.
Da die Griechischen Landschildkröten zu den streng geschützten Arten gehören, können sie nur mit einem Überlassungsvertrag des Landratsamtes Rosenheim vermittelt werden. Das neue „Herrchen“ muss dem Amt sein Fachwissen nachweisen und ist auch nicht Besitzer, sondern sozusagen nur Pfleger des Tieres.
Überhaupt nicht mehr möglich ist für das Tierheim dagegen die Vermittlung der invasiven Wasserschildkröten an Privatpersonen. Zu groß ist die Sorge, dass doch wieder eine im heimischen Teich landet.
Leiterin wünscht sich zwei Teiche
Auch das Jahr 2016 war ein „gutes“ Schildkrötenjahr für das Tierheim: Neun Rotwangen-Schmuckschildkröten, vier Gelbwangen- und drei Cumberland-Schmuckschildkröten (alles Trachemis-Arten) trafen ein; dazu eine Chinesische Streifen- und eine Chinesische Dreikielschildkröte. Zusätzlich fanden sich sechs Griechische Landschildkröten, eine Breitrand- und eine Maurische Landschildkröte ein. Vier „Griechen“ wurden von ihren Besitzern wieder abgeholt. Alle anderen Landschildkröten wurden in die Auffangstation für Reptilien nach München gebracht.
Ende 2016 war auch bei den Wasserschildkröten klar Schiff gemacht worden: 39, aus den Jahren 2015 und 2016, wurden in die Auffangstation nach München gebracht. Momentan befinden sich 13 Wasser- und zwei Griechische Landschildkröten in den Aquarien und im Teich des Tierheims. Mit dem geplanten Neubau des Tierheims des Tierschutzvereins Rosenheim (wir berichteten) wird auch der Teich an eine andere Stelle kommen. Johann Halisch würde sich sogar zwei Teiche wünschen: einen in einem Gewächshaus. Dann könnte man die Winterruhe der Tiere verkürzen, so Halisch. Den Schildkröten wär es bestimmt recht.