Leserbrief

Finanzgebaren mit Risiko

von Redaktion

Zum Bericht „Die Stadt agiert als Bank“ im Lokalteil:

Dem Interview ist zu entnehmen, dass die Stadt Rosenheim Spitzenreiter in Bayern bei Kassenkrediten ist. Kassenkredite sind kurzfristige Kredite, die bei Bedarf zu neuen Zinsen immer wieder aufgenommen werden. Dies wird insbesondere von Kommunen mit schlechter Bonität so gehandhabt. Ohne Weiteres ist der Stadt Rosenheim zu glauben, dass sie nicht zu den Kommunen gehört, die keinen anderen Finanzierungsweg mehr finden. Zu erheblicher Sorge führen aber die Aussagen, dass durch die im Vergleich zur langfristigen Finanzierung aktuell „billigere“ kurzfristige Kreditaufnahme die Finanzierung „optimiert“ werden soll. Offensichtlich leiht die Stadt ihren Tochtergesellschaften auf Basis der Kassenkredite nicht nur Geld für ebenfalls kurzfristigen Geldbedarf, sondern auch für langfristige Investitionen. Während also die Tochtergesellschaften (hoffentlich) seriös langfristige Vorhaben auch langfristig bei der Stadt finanzieren, beschafft diese das Geld kurzfristig und setzt sich der Gefahr steigender Zinsen aus. Kein Wunder, dass die Kämmerei „täglich die geld- und kreditpolitische Entwicklung auf den Märkten“ prüfen muss. Die Stadt ist natürlich in Wirklichkeit keine Bank und unterliegt auch nicht entsprechenden Prüfungen. Schon manche Stadt hat in grenzenloser Selbstüberschätzung geglaubt, durch besonders „geschickte“ Finanzierung Geld zu sparen. Oft genug waren massive Verluste die Folge, die beim Steuerzahler verblieben. Ich kann nur hoffen, dass meine Vermutungen nicht zutreffen. Die Stadträte Rosenheims sollten jedenfalls alarmiert sein und hier genauer hinsehen.

Dr. Christian Sievi

Stephanskirchen

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