Die Gäste- und Übernachtungszahlen sind bayernweit gestiegen. Auch in Rosenheim melden die Hotels mehr Übernachtungen. Profitiert Rosenheim vom Landestrend oder ist die Stadt aus anderen Gründen für Gäste attraktiv?
Christian Ehinger: Diese Frage lässt sich eigentlich nur mit einer ausgefeilten statistischen Regressionsanalyse beantworten. Tatsache ist: Der Themenkomplex „Wandern/Fahrradreisen/naturnaher Tourismus/Kultur“ steht bei Urlaubern hoch im Kurs. Diese Angebote finden sich in und um Rosenheim in Hülle und Fülle. Als touristischer Leuchtturm haben wir den Lokschuppen. Rund 200000 Besucher kommen jährlich zu den Ausstellungen. Stadt und Region profitieren aber sicherlich auch von der verstärkten Nachfrage nach Inlandsreisen.
Ist das eine einmalige Entwicklung oder steckt ein längerfristiger Trend dahinter?
Beim Trend zu Kurzurlauben und vor allem zu Städtereisen dürfte es sich um eine langfristige Entwicklung handeln, die auch wohl mit dem steigenden Anteil von Rentnern zu tun hat.
Wie groß ist denn der Anteil der klassischen Touristen? Und wie viele Menschen führen berufliche und geschäftliche Gründe nach Rosenheim?
Genaue Zahlen liegen der Stadt nicht vor. Nach Einschätzungen der Hoteliers und der Touristinfo liegt der Anteil der Geschäftsreisenden etwa bei 70 bis 80 Prozent. Vermehrt übernachten aber auch Fahrradtouristen in Rosenheim, die auf dem Mangfalltal- und dem Inntalradweg radeln.
Auffällig ist die kurze Verweildauer der Gäste. Im Schnitt bleiben sie nur 1,6 Tage. Woran liegt das?
Dies liegt vor allem am hohen Anteil der Geschäftsreisenden, die für Firmenbesuche oder Tagungen nur ein, zwei Nächte bleiben.
Am Bahnhof hat vor wenigen Wochen ein neues Hotel eröffnet. Wird das die Übernachtungszahlen nochmal steigen lassen?
Der dringende Bedarf an entsprechenden Übernachtungsmöglichkeiten wurde schon vor Jahren im Hotelentwicklungskonzept für Stadt und Landkreis Rosenheim identifiziert. Es ist davon auszugehen, dass neue, moderne Hotels wie das B&B-Hotel am Bahnhof Nachfrage auf sich ziehen. Ein Teil dieser Nachfrage sind sicherlich Umlenkungseffekte von eigentlich nicht mehr marktfähigen Hotelkapazitäten in Rosenheim. Aber natürlich generiert ein neues Hotel auch eine zusätzliche Nachfrage.
Wer häufig in der Fußgängerzone unterwegs ist, sieht ständig Gruppen, die mit einer „Rosenheim-Cops“-Führung unterwegs sind. Wie wichtig ist denn der ZDF-Dauerbrenner in Ihren Augen für die Imagewerbung der Stadt?
Die „Rosenheim-Cops“ haben sich mittlerweile zum wichtigsten Imageträger der Stadt entwickelt. Jede Woche schalten bis zu fünf Millionen Zuschauern das ZDF ein, wenn in und um Rosenheim ermittelt wird. Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach den Stadtführungen zu den Rosenheim-Cops. Ziel der Touristinfo ist, sich immer wieder neue Angebote rund um die „RO-Cops“ einfallen zu lassen.
Gibt es Zahlen zur wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismussektors in der Stadt?
Neben den Übernachtungen sind es vor allem die Tagesreisenden, die für Rosenheim wirtschaftliche Bedeutung haben. Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (dwif) in München hat das Ausgabeverhalten der Tagesreisen untersucht. Demnach werden pro Tagesausflug und Person durchschnittlich knapp 30 Euro ausgegeben. Dieser Konsum konzentriert sich vor allem auf Verpflegung und Einkäufe. Mit den Gastronomiebetrieben und vielen kleinteiligen Handelsbetrieben weist Rosenheim gute Voraussetzungen auf, dieses Nachfragepotenzial zu befriedigen. Ähnliches gilt auch für die Geschäftsreisenden, deren Ausgabeverhalten eine vergleichbare Höhe erreicht.Interview: Klaus Kuhn