Rosenheim – Im Oktober/November will sich der Stadtrat noch einmal mit der Problematik beschäftigen, kündigte Bauer im vollen großen Saal des Gasthofes Höhensteiger in Westerndorf St. Peter an. „Haben wir bis dahin nichts erreicht, werden wir die Angelegenheit ruhen lassen“, teilte sie mit.
Das wäre dann das vorläufige Aus für das umstrittene Vorhaben. Denn der Stadtrat hatte stets betont: Das Versorgungszentrum mit Discounter, Vollsortimenter und Drogeriemarkt kann nur realisiert werden, wenn der bereits heute stark belastete Kreuzungsknoten den zusätzlichen Verkehr, den ein NVZ mit si chbringen würde, bewältigen kann. Dafür müssen zwei Linksabbiegespuren von der Westerndorfer in die Ebersberger Straße gebaut werden. Das erfordert eine Aufweitung der Straßen – nicht möglich ohne Grunderwerb. Die Eigentümer sind anscheinend bereit zum Verkauf – zu unterschiedlichen Bedingungen, wie die Oberbürgermeisterin betonte. „Bis heute ist nicht gewährleistet, dass wir den Grund bekommen“, bedauerte sie.
Ohne Aussichten auf einen erfolgreichen Grunderwerb kann nicht in eine Detailplanung eingestiegen werden, denn die Kosten „im mittleren fünfstelligen Bereich“, so Bauer, würden nicht investiert, „wenn wir nicht wissen, dass wir die Straße auch bauen können.“
Die Baumaßnahme an der Kreuzung mit Errichtung der beiden Linksabbiegespuren kostet vermutlich etwa 1,2 Millionen Euro, berichtete die Oberbürgermeisterin, die Zuschüsse und Fördermittel erwartet. Der Anschluss der Marienberger Straße über die Nordvariante verschlingt noch einmal etwa 2,2 Millionen Euro.
Es gibt für die Anbindung auch noch die Südvariante mit Kreisellösung, welche die Oberbürgermeisterin auch in der Bürgerversammlung klar favorisierte. Doch dieses Konzept hatte der Stadtrat mehrheitlich abgelehnt. Die Nordvariante wird aufgrund der nach Meinung der Mehrheit besseren langfristigen Perspektiven für die Weiterentwicklung im Quartier bevorzugt.
Der Bedarf für das NVZ ist durch eine Analyse der Cima-Marktforschung nachgewiesen, betonte Bauer. Viele Bürger aus dem Norden würden durch die Innenstadt Richtung Aicherpark fahren, um in den dortigen Discountern einzukaufen. Der Aldi in Westerndorf St. Peter will außerdem gerne vergrößern und in das neue Zentrum umziehen. Dort möchte auch der Edeka-Markt Prechtl einen weiteren Standort eröffnen.
Aldi will erweitern, Edeka-Prechtl bauen
Der Rewe-Markt südlich der Ebersberger Straße soll, so der Wunsch des Stadtrates, erhalten bleiben und maßvoll erweitern dürfen. Ein Konzept war jedoch aufgrund der geplanten Höhe der Baukörper abgelehnt worden. Gegenüber entstehen derzeit jedoch die Neubauten des Wohnviertels „Mitterfeld-West“, ebenfalls vier Geschosse hoch im Straßenbereich am Stadteingang – ein Widerspruch, auf den ein Einwohner in der Bürgerversammlung hinwies.
Gegen das Projekt NVZ kämpft seit Bekanntwerden der Pläne eines Investors die Bürgerinitiative IG Nord. Das NVZ gefährdet in ihren Augen die bestehenden Geschäfte, das Zentrum auf der grünen Wiese beeinträchtige den dörflichen Charakter von Westerndorf St. Peter und ziehe zusätzlichen Verkehr in den ohnehin stark belasteten Norden, so die Argumentation der Interessengemeinschaft Nord.
Der Streit um das Nahversorgungszentrum prägte in den vergangenen Jahren stets auch die Bürgerversammlungen im Rosenheimer Norden. Nicht so heuer: Es scheint kaum jemand mehr zu erwarten, dass das Vorhaben realisiert werden kann.