Bürgerversammlung

Der Norden ächzt unter dem Verkehr

von Redaktion

Staus auf der B15, Ausweich- und Abkürzungsverkehr, der sich durch die Wohnsiedlungen schleppt: Der Rosenheimer Norden ächzt unter dem Verkehr. Dieses Problem beherrschte die Bürgerversammlung im Gasthof Höhensteiger.

Westerndorf St. Peter – Der geplante Ausbau der Durchfahrtshöhe der Eisenbahnunterführung Schlößlstraße auf 4,50 Meter war der Aufreger bei der Versammlung im brechend vollen großen Saal im Gasthof Höhensteiger. Die große Mehrheit der Versammelten unterstützten einen Bürgerantrag von Peter Wurm, der den Stadtrat auffordert, sich noch einmal mit diesem Vorhaben zu beschäftigen. Das muss das Gremium jetzt tun, denn Anträge aus Bürgerversammlungen sind innerhalb einer festgelegten Frist im Stadtrat zu behandeln.

Viele Einwohner befürchten, dass nach der im Rahmen der Fertigstellung der Westtangente geplanten Erhöhung der Durchfahrt noch mehr Lkw durch die Schlößlstraße rollen. Diskussionsstoff lieferten unterschiedliche Aussagen zur Position, welche die Landwirtschaft zum Thema Durchfahrtshöhe einnimmt. Kontroversen und Debatten entwickelten sich zur Frage, ob auf die Vergrößerung der Durchfahrt nicht doch noch verzichtet werden kann (ausführliche Berichterstattung folgt).

Verbesserungen hatte die Bürgerversammlung im vergangenen Jahr für die Hailerstraße durchgesetzt. Die Beschilderung der neuen Einbahnstraßenregelung für Autofahrer wird jedoch nach wie vor oft ignoriert, bedauerten Bürger. Andere berichteten von positiven Effekten für die Sicherheit – vor allem der Schulkinder. Viele forderten weiterhin verstärkte Kontrollen der Polizei ein, damit die neue Regelung auch wirklich „in den Köpfen der Autofahrer ankommt“.

Unter Ausweichverkehr der B15 leiden auch die St.-Georg- und Waldenburgerstraße. In Langenpfunzen fehlen außerdem Gehsteige. Bürger forderten, dass weitere Tempo-30-Piktogramme auf den Straßen aufgebracht werden, damit die Autofahrer nicht immer wieder auf das Gas drücken. Weiterer Wunsch: verstärkte Geschwindigkeitskontrollen. Damit behördlicherseits geblitzt werden kann, benötigt die Kommune Privatgrund zum Aufstellen der Wagen, appellierte die Oberbürgermeisterin.

Auch in der Römerstraße fühlen sich die Fußgänger nicht sicher. In diesem Bereich werden markierte Sicherheitsstreifen gewünscht. Dafür sei die Straße zu schmal, hieß es von der Stadtverwaltung. Solche Markierungen würden außerdem eine Scheinsicherheit suggerieren – und vermutlich zugeparkt, warnten Bürger. Sie wünschen eine weitere Bushaltestelle – etwa in der St.-Georg-Straße.

Ausweichverkehr belastet zudem die Pürstlingstraße. „Extrem gefährlich“, nannte auch Bauer die Situation. Ein Straßenausbau rutschte aufgrund der hohen Kosten bisher jedoch immer wieder aus den Finanzplänen der Stadt, bedauerte Baudezernent Helmut Cybulska.

Probleme bereitet im Norden nicht nur der Verkehr, sondern aktuell auch der letzte Abschnitt der Herderbachverbauung im Bereich Wasserweg. Hier gibt es gerichtliche Auseinandersetzungen, teilte Bauer mit.

Kleingärten am alten Bahndamm

Der alte Bahndamm am Fasanenweg bleibt erhalten. Die Stadt hat von ihren Plänen, ihn abzutragen, Abstand genommen, teilte die Oberbürgermeisterin in der Bürgerversammlung mit. Auf dem Gelände plant die Kommune eine Kleingartenanlage – als Ersatz für wegfallende Gärten in der Stadt. Der Erhalt des Damms, Teil der alten Salzburger Bahnstrecke, stieß auf große Zustimmung in der Bürgerschaft. Viele Einwohner im Norden nutzen den Bereich gerne zum Spazierengehen. Ein hier ansässiger Schafhalter wies auf die Notwendigkeit einer Entwässerungsplanung für den Fall der Ansiedlung von Schrebergärten hin.

Planung für einen neuen Hort

An der Grundschule Westerndorf St. Peter ist die Errichtung eines Hortes angedacht worden. Ein externer Planer soll einen Vorschlag für das Bauvorhaben unterbreiten, teilte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer auf Anfrage einer jungen Mutter in der Bürgerversammlung mit. Eine Ganztagsklasse ist nach ihren Angaben aufgrund des Raumbedarfs wohl nicht zu realisieren. Ein Hort, der flexiblere Betreuungszeiten als eine Ganztagseinrichtung biete, werde von vielen Eltern außerdem bevorzugt. Bedarf besteht nach Überzeugung von Bauer im Rosenheimer Norden auch für den Bau eines weiteren Kindergartens für zwei Gruppen.

2018 Baubeginn für neue Siedlung

Die Hälfte der Wohnungen in der Bogensiedlung steht bereits leer. Wie berichtet, wird das Quartier der Erweiterung der Hochschule um Laborgebäude und eine neue Mensa sowie der Schaffung eines geschlossenen Campus weichen. Über 13000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen als Teilersatz an der Lena-Christ-Straße. Der Architektenwettbewerb für die neue Wohnsiedlung, die geförderte und frei finanzierte Mietwohnungen ähnlich wie im neuen Quartier Mitterfeld-West bieten soll, hat begonnen. Die Oberbürgermeisterin erwartet für April 2018 eine Entscheidung des Stadtrates, dann den abschnittsweisen Bau.

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