60 Jahre Pfarrei Heilig Blut

Kleine Kapelle legte den Keim

von Redaktion

60 Jahre besteht die Pfarrei Heilig Blut. Am Sonntag, 15. Oktober, wird auch dieses dritte Jubiläum, das heuer in Happing gefeiert werden kann, mit einem Festgottesdienst begangen. Der Keim für das rege Kirchenleben entstammt einer kleinen Kapelle. Einblick in die Historie gewährt Hans Demberger, Mitautor der Happinger Chronik.

Rosenheim – Bereits um 1900 wurden die ersten Häuser in der Nähe von Heilig Blut errichtet, an der Aisinger Landstraße und bald auch in Kaltmühl und Kaltwies. Die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg führte zu einem weiteren Siedlungsbau. Schon ab 1938 fanden in Heilig Blut regelmäßig Sonntagsgottesdienste statt. Auch der Autobahnzubringer war nun gebaut und machte der Abgelegenheit und Stille den Garaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg strömten zahlreiche heimatvertriebene Katholiken aus Schlesien und dem Sudetenland in die Gegend. Ein Wohnbauboom setzte ein. Kooperator Otmar Rieder engagierte sich intensiv für das bombengeschädigte Gotteshaus Heilig Blut und strebte mit Unterstützung des Panger Pfarrers Franz Krammer die Selbstständigkeit an.

Am 1. April 1948 wurde Heilig Blut samt der Filiale Happing mit Rieder als Mann der ersten Stunde eine Expositur, also eine weitgehend selbstständige Pfarrei, die nominell noch Pang unterstand, und 1954 eine Kuratie. Man vermied also eine Zeit lang den rechtlich bindenden und auf Dauer angelegten Begriff Pfarrei.

Verstädterung: neue Aufgabe für Seelsorge

Erst 1957 wurde dieser Titel verliehen. Der Sprengel erstreckte sich über die gesamte Gemeinde Happing und über den Norden der Gemeinde Aising mit Oberwöhr und Aisingerwies. Schon 1959 begann man Oberwöhr herauszulösen, das 1961 als Kuratie und 1965 als Pfarrei eigene Wege ging.

Welch aktive Beteiligung am kirchlichen Leben anfangs vorhanden war, zeigt, dass 1949 fast 700 Katholiken zur Osterbeichte gingen, der Gottesdienstbesuch lag bei über 40 Prozent. Die junge Pfarrei wuchs dynamisch und gehörte viele Jahre zu den Gebieten der Stadt Rosenheim mit dem stärksten Bevölkerungswachstum.

Damit einher ging eine Verstädterung mit einem zunehmenden Anteil von Nichtkatholiken und Nichtchristen. Das stellte die Seelsorge vor völlig neue Aufgaben. 1955 erbaute man das Pfarrhaus mit einem integrierten Pfarrheim gleich neben der Kirche. Die Pfarrei übernahm gegen den anfänglichen Widerstand des Ordinariats die Trägerschaft für den 1993 eröffneten Kindergarten an der Holbeinstraße.

In den 1990er-Jahren begannen die Überlegungen, ob man das Pfarrheim in der Nähe der Kirche erweitern oder an anderer Stelle völlig neu bauen solle. Pfarrei und Diözese entschlossen sich zum Bau eines Pfarrzentrums an der Heilig-Blut-Straße. Am 30. Oktober 2004 weihte Weihbischof Franz Schwarzenböck das Pfarrheim „Johannes XXIII.“ feierlich ein. Der Neubau einer Kirche daneben wurde nicht realisiert.

2008 wurde Pfarrer Benno Biehler Administrator der Pfarrei Pang, zu der die Filialen Aising und Westerndorf gehören. 2010 kam zusätzlich die Pfarrei Oberwöhr zur Stadtteilkirche Rosenheim-Süd. 2012 wurde offiziell die Stadtteilkirche „Rosenheim-Am Wasen“ mit Verwaltungssitz in Heilig Blut errichtet, an der Spitze Domkapitular Daniel Reichel, Pfarrer und Dekan. Ihm steht ein Seelsorgeteam zur Seite.

Die drei Pfarreien bestehen innerhalb der Stadtteilkirche rechtlich weiter und wollen ihre Identität wahren. Zu verwalten sind sechs Kirchen, drei Pfarrheime, drei Pfarrhäuser mit Pfarrbüros und drei Kindergärten. Dazu kommen die demokratisch gewählten Gremien: die Kirchenverwaltungen für bauliche, finanzielle und personelle Aufgaben, die drei Pfarrgemeinderäte und der daraus entstandene gemeinsame Stadtteilkirchenrat.

Festgottesdienst

Am Sonntag, 15. Oktober, feiert die Pfarrei Heilig Blut ihr 60-jähriges Bestehen. Die Feierlichkeit beginnt mit einem Festgottesdienst um 10.30 Uhr, den Prälat Obermayer zelebrieren wird. Der Kirchenchor Heilig Blut/Pang übernimmt die musikalische Gestaltung. Anschließend trifft sich die Pfarrgemeinde zu einem Stehempfang. Die Festlichkeit ist auch als Abschluss der Feierlichkeiten zum Happinger Doppeljubiläum gedacht.

Entwicklung der Katholikenzahl

1950: 2000 Katholiken

1962: 3180 (mit Oberwöhr)

1979: 3750 (ohne Oberwöhr)

1999/2000: 5180 Katholiken

2014/2015: 9879 Katholiken (Stadtteilkirche mit den Pfarreien Pang und Oberwöhr).

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