Rosenheim – Kleine Klassen, individuelle Förderung, Betreuung nach Unterrichtsschluss, viele engagierte Pädagogen, besondere Angebote: Das wünschen sich alle Eltern von der Schule ihres Kindes. Doch diese hohe Bildungsqualität kostet. Jährlich gibt die Stadt für 15 Schulen in Rosenheim 14,4 Millionen Euro aus.
Besonders hohe Zuwendungen erfordert die Mädchenrealschule. Denn sie ist anders als die Johann-Rieder-Realschule nicht staatlich, sondern städtisch. Rosenheim muss auch die Personalkosten stemmen. Für diese gibt es zwar staatliche Zuschüsse, die reichen jedoch nicht aus. Groß ist die Diskrepanz zwischen den Ausgaben der Stadt für die Personalkosten und den Zuschüssen des Freistaates.
Dies ist seit Langem ein Thema und führte im Rechnungsprüfungsausschuss zur Aufforderung, in Zukunft bei Bedarf steuernd einzugreifen. Der Schulausschuss wurde aufgefordert, darüber zu entscheiden, ob die Mädchenrealschule ein Gesamtkonzept entwickeln soll, das das Profil und die Angebote in Bezug zu den Schülerzahlen und Lehrerstunden setzt. Das soll das zeigen, ob das pädagogische Angebot der Schule die zusätzlichen Lehrerstunden rechtfertigt. Dieses Konzept ist bereits in Arbeit und wird im April dem Schulausschuss vorgestellt.
Die Finanzierung plus Stellenplan war vom Personalausschuss stets akzeptiert worden. Der Rechnungsprüfungsausschuss hatte jedoch die Notwendigkeit gesehen, das Schulprofil zu analysieren – auch unter Berücksichtigung von Qualitätsprüfungen.
Schulprofil mit besonderem Angebot
Tatsache ist: Die Städtische Mädchenrealschule hatte in den vergangenen Jahren etwa 100 Lehrerwochenstunden mehr zur Verfügung als vergleichbare staatliche Bildungseinrichtungen, erfuhren die CSU-Fraktionsmitglieder Florian Ludwig und Andreas März auf Anfrage von der Stadtverwaltung. Grundsätzlich gilt: Die staatlichen Zuschüsse zu den Personalkosten richten sich nach der Anzahl der Schüler. Seit Eröffnung der Realschule Prien vor sechs Jahren, die mit einer Änderung des Schulsprengels einherging, verzeichnete die Rosenheimer Mädchenrealschule einen Rückgang von etwa 150 Schülern, erläutert auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen Leiterin Magdalena Ramm. In der Regel habe der Schülerrückgang jedoch nicht dazu geführt, dass weniger Klassen gebildet werden konnten. Die Lehrerwochenstunden würden jedoch nach der Klassenzahl bemessen. Darum konnten in den vergangenen Jahren, so Ramm, auch die Lehrerstunden nicht reduziert werden.
Daraus ergab sich auch weiterhin ein hoher Zuschussbedarf bei der Stadt für die Personalkosten. Denn die staatlichen Zuschüsse richten sich ausschließlich nach der Zahl der Schüler. „Aktuell haben wir keine 100 Lehrerwochenstunden mehr als vergleichbare staatliche Schulen“, betont Ramm, dass sich schon etwas getan hat. Auch die Klassen seien bereits vergrößert worden: In der neuen fünften Jahrgangsstufe von vorher 23 auf jetzt 28 Schüler pro Klasse.
In der Schulfamilie wurde nach der Diskussion um die Tatsache, dass die staatlichen Zuschüsse für die Personalkosten nicht ausreichen und die Stadt finanziell stark unterstützen muss, die Sorge laut, es werde jetzt am Angebot der Mädchenrealschule gestrichen. Davon war im Rechnungsprüfungsausschuss nicht die Rede, betonte Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP.
In der Tat bietet die Mädchenrealschule ein Profil mit vielen besonderen Angeboten: gebundene Ganztagsklasse, Talentfachgruppen, Bläserklasse, Sonderförderungen, Unesco-Schule. „Das kostet Lehrerstunden“, sagt Schulleiterin Ramm. Alle Angebote seien mit den Genehmigungsstellen abgesprochen. Diesen Besonderheiten habe die Mädchenrealschule ihren hervorragenden Ruf zu verdanken.
„Wir sparen, wo
wir können.“
Rektorin Magdalena Ramm
Tatsächlich sind bereits Förderunterrichtsstunden gestrichen, Klassen vergrößert worden. „Wir sparen, wo wir können“, sagt Ramm. Es sei jedoch nicht richtig, dass bei der Hauswirtschaft abgespeckt worden sei. Sie sei lediglich nicht mehr im Prüfungszweig – dafür jetzt das Fach Musik. Das mache angesichts der Bläserklasse pädagogisch Sinn.
Der Rechnungsprüfungsausschuss will künftig die Kosten, in Bezug gesetzt zum Schulprofil und zu den Lehrerstunden, stärker in den Blick nehmen und fordert eine jährliche Qualitätsüberprüfung – so wie es in allen Ämtern und Arbeitsbereichen der Stadt selbstverständlich sei, erläuterte SPD-Fraktionsmitglied Gabriele Leicht. In der Stadtverwaltung gibt es Stellenpläne und Budgets, die Kontrollen und Prüfungen unterliegen. Kriterien für die Qualitätsmessung an der Mädchenrealschule sollen unter anderem die Durchfall- und Abbrecher- sowie Übertrittsquoten und die Durchschnittsnoten der Jahrgangsstufen sein, schlug die Stadt vor.
Anhand des für April nächsten Jahres erwarteten Konzeptes will der Ausschuss entscheiden, ob die städtischen Mittel für die Personalkosten gerechtfertigt sind – und sich die Stadt die „Zuckerl“ im Angebot der Mädchenrealschule leisten kann und will.