OVB-Porträt der Woche: Caroline Rapp, neue Jugendamtsleiterin

„Auf die Stärken schauen“

von Redaktion

Was für eine Biografie: Rosenheims neue Jugendamtsleiterin Caroline Rapp hat zwei Studiengänge abgeschlossen – und vorher sogar noch eine Lehre absolviert. Sie ist Kfz-Mechanikerin, Sozialpädagogin und Kriminologin.

Rosenheim – „Das ist Balsam für die Seele“, sagt Caroline Rapp mit Blick auf das Alpenpanorama, das sie durch ihr Bürofenster im dritten Stock des Sozialrathauses in der Reichenbachstraße sehen kann. „Ich bin ein bisschen großstadtmüde“, erklärt die 51-Jährige, warum sie von der Landeshauptstadt München, wo sie vorher Abteilungsleiterin im Stadtjugendamt war, nach Rosenheim gewechselt ist. Doch „diese extrem charmante Stadt“ war natürlich nicht der Hauptgrund für die Bewerbung als Nachfolgerin von Gerd Rose. Caroline Rapp wollte sich vor allem beruflich weiterentwickeln. „Rosenheim ist dafür die richtige Stadt“, findet sie. Denn der sozialraumorientierte Ansatz der Jugendhilfe ist deutschlandweit bekannt. Dieses Rosenheimer Modell, das nicht nur den Einzelfall einer hilfebedürftigen Familie sieht, sondern präventiv tätig ist im ganzen sozialen und räumlichen Umfeld des Stadtquartiers, will die neue Leiterin weiter ausbauen. „Auf die Stärken schauen, nicht nur auf die Defizite“: Das ist nach ihrer Erfahrung ein kluger Ansatz der Jugendhilfe.

Dass in der Stadt Rosenheim die Ausgaben der kommunalen Hilfe zur Erziehung zwischen 2006 und 2016 insgesamt nur um knapp neun Prozent gestiegen sind, ist ein Erfolgsindiz. Zum Vergleich: Bundesweit erhöhten sich diese Kosten jährlich um etwa zehn Prozent. 2016 kam es in Rosenheim außerdem nur zu 35 Inobhutnahmen, Fachdeutsch für den Fall, dass Kinder aus ihren Familien genommen und in stationären Einrichtungen betreut werden müssen.

Der Erfolg der Jugendhilfe hat nach Erfahrung von Caroline Rapp zwei Gründe: die gute Zusammenarbeit des städtischen Jugendamtes mit den Partnern aus den Wohlfahrtsverbänden und weiteren Einrichtungen in den Quartieren West, Ost und Nord – und die Tatsache, dass die Oberbürgermeisterin und die Politik hinter dem vorbeugenden Ansatz stehen.

Gut aufgestellt ist Rosenheim auch in der Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, weiß Caroline Rapp, die zuletzt in München in diesem Bereich tätig war. Mitten in der Flüchtlingskrise 2015, als Zehntausende am Münchner Hauptbahnhof ankamen, baute sie eine neue Abteilung für unbegleitete Jugendliche auf. Die Landeshauptstadt, Passau und Rosenheim nahmen seit 2015 die meisten Jugendlichen, die allein auf der Flucht waren, auf. „Jetzt steht die wichtigste Aufgabe an: die Integration“, sagt die neue Jugendamtsleiterin. Sie findet: „Junge Leute, die sich anstrengen und wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft werden möchten, sollten belohnt werden.“ Es gelte den jungen Flüchtlingen jedoch auch deutlich zu vermitteln: „Zur Freiheit gehört Disziplin.“

Caroline Rapp möchte in Rosenheim auch im Bereich Jugendbeteiligung Akzente setzen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring will sie Konzepte für eine intensivere Einbindung junger Leute erarbeiten. Einem Jugendparlament steht sie eher skeptisch gegenüber, denn es ziehe oft nur Jugendliche an, die sich ohnehin schon politisch engagieren. Die gebürtige Münchnerin möchte auch junge Leute motivieren, sich einzusetzen, die dazu nicht so den Draht haben.

Erfahrungen in der praktischen Jugendarbeit hat Caroline Rapp 2002 bis 2008 als Leiterin eines Jugendtreffs in Hamburg gesammelt. Sie hat am Amtsgericht und in der Jugendbewährungshilfe gearbeitet, bevor sie in die städtische Arbeit einstieg.

Nach dem Abitur wollte sie zuerst einen praktischen Beruf erlernen. Sie wurde Kfz-Mechanikern. Nach einem Gesellenjahr in Köln folgte der Wunsch, doch zu studieren. Maschinenbau lag auf der Hand, behagte ihr dann jedoch nicht. Sie wechselte ins Studium der sozialen Arbeit, nachdem sie bei Nachtwachen im Frauenobdachlosenheim in diesen Berufszweig hineingeschnuppert hatte. Außerdem ist Caroline Rapp studierte Kriminologin. Auch diese Ausbildung hat ihr in der Jugendhilfe stets geholfen: „Ich schaue nach den Ursachen, wenn es Probleme gibt“, erklärt sie.

Die Situation junger Familien kennt sie auch persönlich – als Tante von fünf Neffen und zwei Nichten und als Patin. Entspannung findet sie beim Trompetespielen („Da wird der Kopf frei“), beim Wandern und Joggen. Noch pendelt sie von München in die Innstadt, doch sie ist überzeugt: „Rosenheim kann mein Zuhause werden.“

Artikel 11 von 11