Pang/Hohenofen – Franz Dinzenhofer ist Jahrgang 1925. Erlebt und mitgemacht hat der Hohenofener in seinem 92-jährigen Leben vieles. Manches davon ist für heutige Verhältnisse kaum mehr vorstellbar. So musste der junge Mann mit gerade einmal 18 Jahren als einziger Sohn der Deutelhauser-Familie in die Wehrmacht einrücken und Kriegsdienst leisten.
Sein Vater lag bereits schwer krank im Bett und verstarb am 10. März 1944. Seine jüngste Schwester Maria, Jahrgang 1928, wurde bei einem Bombenangriff in der Schwaig getötet. „Der Franz kam nach Kriegseinsätzen in Frankreich und Italien mit anschließender amerikanischer Gefangenschaft am 25. August 1945 wieder in die Heimat zurück“, so Trachtenvorstand Kaffl gegenüber unserer Zeitung.
Als der Krieg zu Ende gegangen war und die jungen Männer langsam aus der Gefangenschaft entlassen wurden, fand sich ein kleiner Teil der Hohenofener Burschen zusammen, um das Platteln zu lernen. Der örtliche Trachtenverein wurde allmählich wieder zu neuem Leben erweckt.
„Als es mit dem Platteln schnell vorwärts ging und die Militärregierung die Genehmigung erteilte, wurde beim Trachtenverein Pang eine Vorstandschaft aufgestellt“, so der heutige Vereinschef. Ludwig Plankl – er konnte als Einziger das Platteln lehren, da viele gute Plattler im Krieg gefallen waren – wurde zum damaligen Vorstand bestimmt. Als Stellvertreter bestellten die Mitglieder den heutigen Jubilar Franz Dinzenhofer.
Bei der ersten offiziellen Generalversammlung des Tachtenvereins „D’Kaltentaler“ Pang am 4. Januar 1948 wählten die Mitglieder den „Deutelhauser Franz“ schließlich zum Zweiten Vorplattler. Anfangs der 50er-Jahre widmete er sich dann dem „Veteranenverein“ Pang. Von 1951 bis 1970 war er dort Zweiter und von 1970 bis 1979 Erster Vorstand. Beim heutigen Krieger- und Reservistenverein fungiert er als Ehrenvorstand.
Aber auch in der Kommunalpolitik hat sich Dinzenhofer von 1956 bis 1960 eingebracht. Er war Gemeinderat der damaligen Gemeinde Pang. Und: Er war Bauer mit Leib und Seele. Durch sein umfassendes Wissen in der Rinderzucht wurde er in den sogenannten Körausschuss des Zuchtverbands für oberbayerisches Fleckvieh nach Miesbach berufen.
„Ein besonderes Anliegen war ihm sein Lebtag lang die Erhaltung und Pflege der Hauskapelle beim Deutelhauser-Hof“, ergänzt Kaffl im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Bauwerk steht direkt an der Staatsstraße 2078 in Hohenofen. Seine Frau Katharina hatte sie zu Lebzeiten als Mesnerin betreut. Sie sperrte nicht nur jeden Tag auf und zu, sondern organisierte auch den Blumenschmuck, putzte, reinigte und kümmerte sich darum, dass immer alles sauber und ordentlich ist. Nach dem Tod seiner Frau im Januar 2014 übernahm die junge Deutelhauser-Bäuerin, Birgit Dinzenhofer, die Ehefrau seines Neffen Markus, das Mesneramt. Sie sorgt sich seitdem mit viel Überzeugung um das kleine Gotteshaus.
Beim Ehrenabend in Happing nahm der sichtlich gerührte Franz Dinzenhofer aus den Händen von Vorstand Georg Kaffl und dessen Stellvertreterin Manuela Hehensteiger die Auszeichnung samt Urkunde für eine 70-jährige Mitgliedschaft bei den „Kaltentalern“ entgegen.