„Ich schäme mich – einfach grauenhaft“, seufzte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer bei der Bürgerversammlung in Oberwöhr – und bestätigte mit diesem emotionalen Ausbruch, dass auch sie sich über das Unkraut auf den Friedhöfen ärgert. Bürger hatten sich wiederholt darüber beschwert, dass vor allem die Wege zwischen den Gräbern immer intensiver mit Löwenzahn und Co. bewachsen sind. Unsere Fotos zeigen Beispiele vom Friedhof Rosenheim und Aising. Das Problem liegt nach Angaben der Oberbürgermeisterin auch daran, dass immer mehr Grabstätten nicht belegt sind. Denn der Trend geht auch in Rosenheim zu neuen Bestattungsformen: Urne, anonym, im Friedwald. Auf den aufgelassenen Grabfeldern verbreitet sich das Unkraut, das auch auf den Wegen durch die Kiesel sprießt. Es ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel: Denn die Stadt darf die chemische Keule nicht einsetzen. „Nicht einmal Essig“, bedauerte Bauer. Die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltungen müssen also jedes Unkraut mit der Hand auszupfen oder ausbrennen. Das dauert. „Wir müssen das Thema der Friedhofspflege noch einmal neu diskutieren“, zeigte sich Bauer bei der Versammlung in Oberwöhr überzeugt. Friedhöfe sind in ihren Augen Spiegelbild einer Gesellschaft. In Rosenheim gibt es städtische Anlagen am Klosterweg in der Innenstadt, in Fürstätt und Aising sowie kirchliche Anlagen in Pang, Aising, Westerndorf und Happing. Die Stadt hatte heuer die Gebühren für die Bestattungen und für die Gräber deutlich erhöhen müssen – um bis zu 35 Prozent. Das war auf große Kritik in der Bevölkerung gestoßen. Doch Gebühren müssen kostendeckend sein. Die Erhöhung war notwendig, um die steigenden Kosten zu decken. Fotos Schlecker