Rosenheim – Berlin, München, Hamburg, Köln, Münster: Das sind bekannte Studentenstädte. Mit ihnen verbindet jeder auch ein rühriges Studentenleben. Mit Rosenheim weniger, denn die Studierenden prägen das Stadtbild weniger, als man dies bei der Zahl vermuten würde. Woran das liegt, kann Tobias Lang, Vorsitzender des Studierendenparlaments an der Hochschule Rosenheim, erklären: „Bei uns studieren viele, die aus der Region kommen.“ Nach der Vorlesung oder dem Seminar geht es in der Regel heim ins Elternhaus. Das gesellschaftliche Leben spielt sich dann im Heimatort, nicht in Rosenheim ab. Vor Ort wohnen nur etwa 2000 bis 2500 Studenten von auswärts. Den größten Anteil stellen in dieser Gruppe die Holzbauer, die aus ganze Europa zum Studieren nach Rosenheim kommen.
Wunsch: bessere Radwegverbindungen
In der Stadt würden sicherlich noch viel mehr Studenten auch aus dem näheren Umland wohnen, wenn es nicht so teuer wäre, erklärt Vorstandsmitglied Simon Budweth. Passender günstiger Wohnraum ist rar, denn die beiden Studentenwohnheime reichen bei weitem nicht aus. Die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt sind hoch. „Für viele ist es deutlich günstiger, zu pendeln“, bedauert Lang.
Er hat ein halbes Jahr nach einer Zwei-Zimmer-Wohnung gesucht. Der Student in der Fachrichtung Innenausbau, der gebürtig aus Neumarkt in der Oberpfalz stammt, hatte schließlich Erfolg – weil er sich als Drittsemester in Rosenheim bereits etwas auskannte.
WG-Zimmer verzweifelt gesucht, heißt es oft in den Internetforen und in Anzeigen. Vor allem für Ortsfremde ist die Zimmersuche ein sehr schwieriges Unterfangen, bemängelt er. 400 Euro aufwärts müsse in der Regel für ein Zimmer gezahlt werden. Zum Vergleich: Etwa 200 Euro kostet es in Erfurt. Diese Problematik hat zum Start des Wintersemesters auch schon in Rosenheim dazu geführt, dass Erstsemester in der Nähe des Hochschulgeländes buchstäblich ihre Zelte aufschlugen.
Da aufgrund der Wohnungsnot auch aus den Nachbarkommunen viele Studenten einpendeln, setzt das Studierendenparlament bei der inhaltlichen Arbeit einen Schwerpunkt auf die Förderung des Bahn- und Busverkehrs. Oberstes Ziel ist die Einführung eines Semestertickets. Als „sehr abenteuerlich“ bezeichnet der Vorstand den Radwegeanschluss der Hochschulstadt an die Region. Deshalb wünschen auch die Studenten bessere Verbindungen – und Radschnellwege. An der Hochschule Rosenheim baut das Studentenparlament derzeit außerdem eine Fahrrad-Reparaturwerkstatt auf.
Aktiv arbeiten die 34 Studierendenvertreter mit bei der Planung von neuem Wohnraum in Hochschulnähe. An den ersten Gesprächen mit Investoren, die ein Wohnzentrum für Studenten und Gastdozenten bauen wollen, nimmt auch die Studentenvertretung teil. Budweth und Lang loben nicht nur in diesem Zusammenhang die „gute Kooperation“ mit der Hochschulleitung. Die Gesprächsbereitschaft sei groß. Das Studentenparlament wirkt auch bei der Berufung von Professoren mit. Jedes Studienfach wird außerdem von einer Fachschaft vertreten.
Hoffnung auf größere Mensa und Bibliothek
Das Parlament versteht sich als Brücke zwischen Hochschule und Studierenden. Diese können ihre Anliegen per Anträge einbringen, die Sitzungen des Parlaments sind öffentlich. Es begrüßt ausdrücklich die Erweiterungspläne der Hochschule, die auf dem Gelände der Bogensiedlung neue Laborräume und Werkstätten errichten wird. In diesem Zusammenhang soll auch die Problematik der zu kleinen Mensa und Bibliothek gelöst werden, wünschen Budweth und Lang. Sie unterstützen außerdem den Campus-Gedanken der Hochschulleitung. „Ein Campus fördert den Kontakt zu anderen Fachrichtungen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit“, sind Lang und Budweth überzeugt. Sie finden es wichtig, dass die unterschiedlichen Denkrichtungen an der Hochschule zusammenrücken. „Ein Campus unterstützt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl“, unterstreichen sie den emotionalen Aspekt.
Beide werden den Campus nicht mehr erleben. Vorsitzender Lang (24) studiert im dritten, sein Vorgänger im Amt, Budweth (24), im sechsten Semester. Vor 2020/2021 wird vermutlich mit den Erweiterungsarbeiten nicht begonnen. Die Studentenvertreter engagieren sich also ehrenamtlich auch für die Kommilitonen der Zukunft. Lässt das heutige Studium für ein solches Ehrenamt überhaupt Zeit? Nach der Studienreform hat sich der Druck erhöht, stellen auch Budweth und Lang fest. Es wird immer schwieriger, Kandidaten für das Studierendenparlament zu finden. Sie setzen auf die persönliche Ansprache – noch möglich an einer Hochschule wie Rosenheim. In der Zukunft soll sie weiter wachsen – auf etwa 8000 Studenten. Deshalb drängt das Studierendenparlament, auf Lösung des größten Problems: des fehlenden Wohnraums.