Rosenheim – Geboren wurde Julia Danzl 1922 in Nordmähren. Im Alter von 22 Jahren hat sie geheiratet. Nur der Hochzeitstag blieb dem Paar, um ihr Eheglück zu genießen. Bereits am nächsten Tag zog Julia Danzls Mann in den Krieg. Es war ein Abschied für immer. Ein halbes Jahr später starb er auf dem Schlachtfeld.
Der Krieg nahm Julia Danzl nicht nur den Mann, sondern auch ihr selbstbestimmtes Leben. Jahrelang wurde die gelernte Näherin zu verschiedensten Zwangsarbeiten verpflichtet: „Ich durfte nie eigene Entscheidungen treffen“. Auch wenn seit damals schon viele Jahre vergangen sind, erinnert sich die 95-Jährige immer noch genau an die Angst, die der Krieg mit sich brachte und an die Resignation, die sich dann irgendwann einstellte: „Jeden Tag zogen Flugzeuggeschwader über meinen Kopf hinweg. Jeden Tag gab es einen Bombenalarm und wir mussten in den Keller. Irgendwann fühlt man nichts mehr.“
Julia Danzl wurde mehrmals ausgeraubt und schließlich mit ihrer Familie aus der Heimat vertrieben. In einem Viehwaggon zusammengepfercht ging es nach Ende des Krieges aus Nordböhmen für sie wieder einmal ins Ungewisse. Nach langer Irrfahrt öffneten sich die Türen des Waggons schließlich in Deutschland. Julia Danzl konnte ihr Glück kaum fassen: „Da fühlte ich, dass es für mich und meine Familie endlich bergauf geht.“
So war es dann auch. Julia Danzl fing ein neues, selbstbestimmtes Leben an. Durch eine Tante kam sie 1948 nach Rosenheim. Diese arbeitete in der Papierfabrik Niedermayr und schwärmte von ihrem Chef „Sie erzählte mir, dass der so unglaublich lustig ist“. Eines Tages lernte Julia Danzl den Chef persönlich kennen und verliebte sich sofort in ihn. Die beiden heirateten. Der Kinderwunsch blieb unerfüllt. Julia Danzl führt das auf die vielen und entbehrungsreichen Jahre zurück, die sie durchleben musste.
Solange es ihr die Gesundheit erlaubte, wanderte Julia Danzl gerne in den Bergen. Außerdem war sie viele Jahrzehnte aktives Mitglied beim Trachtenverein G.T.E.V. „D`Innviertler Rosenheim.“ Zu ihrem 95. Geburtstag überbrachte Zweiter Bürgermeister Anton Heindl die Glückwünsche der Stadt. Gutgelaunt verriet die Jubilarin ihm, was nach wie ihr liebstes Hobby ist: „Ich ratsche gerne mit Leuten.“