Rosenheim – Das zukünftige Wohngebiet südöstlich der „Panorama-Kreuzung“ über die Kufsteiner Straße zu verlassen, ginge sowieso nicht. Zu groß wäre die Gefahr von Unfällen. Schließlich müsste ein Autofahrer bis zu vier Spuren gleichzeitig überqueren, riefen Tiefbauamtschef Hans-Joachim Stein und Michael Kettenstock, Leiter des Bauordnungsamtes, die Hintergründe der Pläne in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Verkehrsfragen und öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Erinnerung.
Burkl appelliert für mehr Rücksicht
auf die Radfahrer
Bliebe also nur noch eine Zufahrt von der Kufsteiner Straße, von Heilig Blut kommend, in das neue Wohnquartier per Rechtsabbiegerspur. Doch auch damit wird es nichts. Denn nach den neuesten Berechnungen würden nur noch 90 Fahrzeuge pro Tag diese Spur nutzen. Wie berichtet, soll anstelle von Hotel und Discounter hauptsächlich Wohnbebauung auf dem Areal entstehen. Diese bewirkt wesentlich weniger Verkehr als ursprünglich angenommen.
Dafür eine eigene Rechtsabbiegerspur einzurichten, wäre zu teuer. Die Verwaltung sprach von einem „Missverhältnis“ zwischen Kosten und Flächenverbrauch. Zudem würde die Stadt ein Sicherheitsrisiko für Fußgänger und Radfahrer schaffen, da sie dann den in beide Richtungen nutzbaren Geh- und Radweg entlang der Kufsteiner Straße für die neue Spur unterbrechen müsste. Hier könnte es dann verstärkt zu Kollisionen mit Radlern kommen. Auf diese Problematik hatte im Baugenehmigungsausschuss bereits Dritte Bürgermeisterin Dr. Beate Burkl (Freie Wähler/UP) hingewiesen. Sie forderte mit Vehemenz ein, bei der Planung von neuen Verkehrsanbindungen nicht länger vor allem die Autofahrer im Blick zu haben, sondern auch die Radler. Ihre Sicherheit müsse auch aufgrund der Tatsache, dass Rosenheim stark belastet sei durch den Kfz-Verkehr, mehr in den Fokus der Stadtplanung rücken, appellierte Burkl.
Auch deshalb riet die Verwaltung davon ab, eine Rechtsabbiegerspur zu bauen und sprach sich für eine Anbindung über die Happinger Straße aus. Weiterer Vorteil dieser Variante: Die Bebauung auf der BayWa-Wiese muss nicht unterbrochen werden und schützt die Bewohner deshalb vor Verkehrslärm. Christine Degenhart (Freie Wähler) sah darin die einzig richtige Lösung.
Markus Dick (SPD) hielt dieses Konzept dagegen für „noch nicht ausgereift“. Auf die Anbindung über die Kufsteiner Straße zu verzichten, sei ein echtes Problem im Hinblick auf Ausweichverkehr, der über Alt-Happing und den Kirchenweg zur BayWa-Wiese rollen könnte.
Herbert Borrmann, Vorsitzender der CSU-Fraktion, regte an, über Zufahrtsbeschränkungen in diesen Gebieten im Sinne der Anwohner nachzudenken. „Die Belastungen der Happinger sind jetzt schon enorm“, ergänzte Franz Opperer (Grüne), der zudem die prognostizierte Verkehrsstärke von 90 Kfz pro Tag für die Rechtsabbiegerspur als „nicht realistisch“ anzweifelte. Diesen Vorwurf konterte Tiefbauamtsleiter Stein damit, dass die Zahl zwar auch der Verwaltung anfangs niedrig vorgekommen sei, die Modellrechnungen des beauftragten Ingenieurbüros aber zutreffen würden.
Mit zwei Gegenstimmen votierten die Ausschussmitglieder dafür, auf die Anbindung des Quartiers über die Kufsteiner Straße zu verzichten. Die Fachplaner werden jetzt die Gutachten (Schall, Verkehr, Entwässerung) zeitnah fortschreiben, sodass das Gremium anschließend über den Bebauungsplan entscheidet. Mitte 2018 könnte ein Satzungsbeschluss gefasst werden.