Rosenheim – Selbst an den Rändern des bis ins österreichische Inntal und vor die Tore von München reichenden Einzugsbereichs der Einkaufsstadt Rosenheim gilt sie als top in Sachen Mode. Hier gibt es sogar noch Entwicklungspotenzial – um über 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Das berichtete Christian Hörmann von der Beratungsgesellschaft Cima, die das Einzelhandelskonzept im Auftrag der Stadt derzeit fortschreibt. Fast alle großen Modemarken sind hier zwar vertreten, jedoch noch nicht mit eigenen Läden. Es wäre noch Platz für einen weiteren herausragenden Anker. „Zara“ wäre ein solcher – und steht seit vielen Jahren ganz oben auf der Wunschliste.
„Zara“ wäre ein perfekter Anker
Gibt es für großflächige Mode-Konzeptstores wie „Zara“ eine neue Chance in der Rosenheimer Bahnhofstraße? Sie soll sich zur 1-A-Lage weiterentwickeln. Der Beginn ist gemacht – mit dem Bebauungsplan für das neue Wohn- und Geschäftshaus, das die Volks- und Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee auf dem Standort ihres bisherigen Hochhauses errichten will (wir berichteten). Rund um den Bahnhof und den Südtiroler Platz wird das Areal bereits aufgewertet durch Bauvorhaben wie den regionalen Busbahnhof. Auch für die Posthöfe gibt es neue architektonische Ansätze.
Die Shopping-Meile in Rosenheim wird also länger: vom Bahnhof bis in die Altstadt-Ost, plus den weiteren Quartieren an den Rändern. „Sehr glücklich“ kann sich die Stadt außerdem schätzen, dass der Gillitzerblock neu gestaltet und revitalisiert wird, urteilte Hörmann in der Doppelsitzung des Wirtschafts- und Stadtentwicklungsausschusses. Es tut sich viel in Rosenheim, zeigte sein Bericht auf. Es gibt sogar einen neuen zentralen Versorgungsbereich: Happing. Dort ist rund um den Nahkauf ein weiteres Geschäftszentrum entstanden, das als schützenswert beurteilt wird.
Einzugsgebiet ist schon „angebissen“
Entwicklungspotenziale gibt es auch noch für den Sonderstandort Aicherpark. Wenn sich dort neue Geschäfte oder Märkte ansiedeln wollen, kann dies positiv bewertet werden, vorausgesetzt, es handelt sich um sinnvolle Sortimentsergänzungen, die als verträglich eingeschätzt werden. Nicht gefährdet werden darf die Zentralität der Innenstadt, so das oberste Ziel.
Doch nicht alles läuft gut in der Einkaufsstadt Rosenheim. „Das Einzugsgebiet ist schon angebissen“, warnte Hörmann. Das heißt: Die Konkurrenz aus Salzburg und München ist deutlich zu spüren. „Das ist Realität“. Deshalb gelte es, nicht weiter an Boden zu verlieren. Mut mache die Tatsache, dass die Region Rosenheim einen starken Bevölkerungszuwachs verzeichnet. Das generiert eine erhöhte Nachfrage, die befriedigt werden muss und kann.
Versorgungsengpässe im Norden und Süden
Es gibt sogar bereits heute Versorgungsdefizite, zeigte sich Hörmann überzeugt. Im Norden und Süden der Stadt entständen neue Wohnquartiere. „Wenn Sie mich fragen, ob hier die Gebietsversorgung ausreicht, muss ich Ihnen klar sagen: nein“, betonte der Cima-Vertreter, der auf die in seinen Augen fehlende Nahversorgung hinwies. Verkehr durch die Stadt Richtung Lebensmittelmärkte.
Defizite hat die Stadt auch im Bereich Online-Shopping. Es gibt bereits viele Händler mit guten Konzepten, „aber noch nicht genug“, kritisierte Hörmann. Digital geschehe zu wenig in Rosenheim. Der Kunde müsse die Einkaufsstadt und ihre Angebote online daheim auf dem Sofa schnell finden können. Das sei wichtig für die Vorinformation. Funktioniert diese, geht es in der Regel zum Kauf ins Geschäft, berichtete auch Wolfgang Janhsen, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Rosenheim. Der Trend zum Beratungsklau – informieren im Geschäft, kaufen im Internet – sei gestoppt und drehe sich derzeit um, so die gute Nachricht.
Mehr Schlagkraft für das Marketing
Trotzdem muss der Einzelhandel in die Offensive gehen, will er nicht das Nachsehen haben. Bis 2020 gehen Experten davon aus, dass der stationäre Handel netto rund zehn Prozent an Online verliert, berichtete Janhsen. Von einem deutlichen Frequenzrückgang sprach auch der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Rosenheim und CSU-Stadtrat Andreas Bensegger. „Wir müssen heute was tun, sonst gibt es viele bald nicht mehr“, warnte der Einzelhändler. Die Zentralitätskennziffer von Rosenheim sinkt bereits. Nach wie vor gehört die Stadt zu den Top Ten der deutschen Mittelstädte, doch das Abrutschen unter die Zahl 200 gilt als Warnzeichen. Auch die IHK sieht die Notwendigkeit, dass sich Rosenheim noch stärker als bisher als Einkaufserlebnisstadt positioniert – etwa im Wechselspiel von Geschäften, Gastronomie, Kultureinrichtungen und Dienstleistungsbetrieben. Wichtig sei es, eine unverwechselbare Marke zu schaffen, appellierte der IHK-Geschäftsführer. Deshalb sollten Stadt- und Tourismusmarketing ihre Kräfte bündeln und mehr Schlagkraft gewinnen, schlug Hörmann vor. Auch städtebaulich könne die Kommune noch einiges tun, um sich noch stärker als Erlebnisstadt zu präsentieren – etwa durch weitere Aufwertungen der Quartiere am Bahnhof, Salingarten, Salzstadel und Esbaum. Auch die Innstraße hat Potenzial, ist die Cima überzeugt. Die Experten sehen diesen Bereich als Quartier für Kreative – Gründer und Startups. Optisch noch besser sollte außerdem der Max-Josefs-Platz mit dem Riedergarten verbunden werden, schlug Hörmann vor.
Weiterentwicklung um jeden Preis? Davor warnten jedoch auch Ausschussmitglieder wie SPD-Fraktionsvorsitzender Robert Metzger und Franz Oppperer (Grüne). Sie forderten, auf Qualität beim Wachstum zu setzen. Wie die Stadt dieses Ziel durch Steuerung erreichen kann, erläuterte Robin Nolasco, Leiter des Stadtplanungsamtes. Die Kommune will über Innenstadtentwicklungskonzepte und das Sanierungsmanagement die Richtung vorgeben.
A und O ist die gute Erreichbarkeit
A und O für die Zukunft des Einzelhandelsstandorts ist außerdem die Erreichbarkeit, betonte die IHK. Sie forderte aktives Baustellenmanagement und gute Anbindungen für alle Verkehrsarten.