Rosenheim – Wie berichtet, hat sich der Ausschuss mit den ersten beiden großen Kapiteln beschäftigt, die im Verkehrsentwicklungskonzept enthalten sind, mit dem Kfz-Verkehr und dem Radverkehr.
Bei Letzterem lautet die allgemeine Vorgabe, diese umweltfreundliche und gesunde Fortbewegungsmöglichkeit stärker zu fördern. Dazu sollen Hauptverkehrsstraßen in erster Linie Schutzstreifen direkt auf der Fahrbahn oder aber eigene Radfahrstreifen bekommen, je nach lokalen Gegebenheiten. Eine entsprechende Planung legt die Verwaltung dann jeweils dem Ausschuss vor.
Zudem werden die bestehenden Schutzstreifen – aktuell gibt es welche unter anderem in der nordwestlichen Prinzregentenstraße und in der Schönfeldstraße – der Geschwindigkeit angepasst. Das Parken entlang der Streifen will die Stadt möglichst vermeiden.
Große Hoffnung, den Individualverkehr einzudämmen, setzen die Verantwortlichen auf die geplanten Radschnellwege. Eine Machbarkeitsstudie dafür hat die Gemeinschaft von Stadt und Umlandbereich (SUR) in Auftrag gegeben. Anvisiert werden eine Nord-Süd-Verbindung zwischen Schechen, Rosenheim und Brannenburg sowie eine Ost-West-Linie zwischen dem Mangfalltal, Rosenheim und Stephanskirchen. Liegen die Ergebnisse vor, geht es weiter.
Nicht empfohlen hat die Verwaltung dagegen, ein öffentliches Fahrradverleihsystem einzurichten. Mit einem sechsstelligen Betrag wären die Kosten dafür zu hoch. „Angesichts der Haushaltslage nicht machbar“, so Verkehrsplaner Jürgen Stintzing. Ebenfalls kein grünes Licht gab es für die Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer tagsüber; nachts ist dies bereits gestattet.
Abuzar Erdogan (SPD) sah diese Vorschläge als zu dürftig an und forderte einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahmen. Er vermisste ebenso den Punkt, bestehende Parkflächen zugunsten des Radverkehrs umzugestalten. Tiefbauamtschef Hans-Joachim Stein erklärte, dass das Gremium dazu erst einmal einen Grundsatzbeschluss zu fällen habe, bevor die Verwaltung mit der detaillierten Ausarbeitung beginne. Zudem sollen Stück für Stück Vorschläge zu den anderen Verkehrsträgern (öffentlicher Verkehr, Fußwege) in den weiteren Sitzungen folgen.
Neue Wege
entdecken
„Wir stehen vor Problemen in der Stadt, die nahezu unlösbar sind“, fasste Christine Degenhart (Freie Wähler) zusammen. Sie plädierte wiederum für mehr Bewusstseinsbildung bei den Bürgern und die Nutzung digitaler Wegbegleiter, wie Smartphone-Applikationen, um stark ausgelastete, neuralgische Punkte umgehen und neue, schnelle Wege, beispielsweise zu Fuß, entdecken zu können.
CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann verteidigte das Konzept. Auch wies er die Kritik in Richtung seiner Partei zurück, die Christsozialen würden nur auf den Individualverkehr setzen. „Im Gegenteil, es gibt Dinge, die man in Frage stellen und diskutieren kann“, sagte er. Die CSU stecke daneben viel Hoffnung in die Vernetzung der Verkehrsträger. An diesem Punkt setzte ferner Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer an. „Ich halte ganz viel von den geplanten Radschnellwegen“, sagte sie.
Einig waren sich die Stadträte, mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder errichten zu wollen. Sogenannte Fahrradstraßen, also Strecken, auf denen Radfahrer die dominierenden Verkehrsteilnehmer sind (nicht zu verwechseln mit den „Fahrrad-Autobahnen“), wird es in Rosenheim dagegen künftig nicht geben. Das vor Jahren angedachte Pilotprojekt für die Moosbachstraße – von der Kastenau Richtung Floriansee – wurde nicht fortgesetzt. „Wir sehen keine Realisierungsmöglichkeiten“, so Stintzing. Mit vier Gegenstimmen votierten die Stadträte schließlich für das Verkehrsentwicklungskonzept von Rosenheim, was die Teilbereiche des Kfz-Verkehrs (wir berichteten) und des Fahrradverkehrs betrifft.