Das Einzugsgebiet von Rosenheim ist schon „angebissen“, stellt die Cima fest. Womit kann Rosenheim im Konkurrenzkampf gegen München und Salzburg punkten?
Rosenheim ist mit München und Salzburg nicht vergleichbar. Die Strukturen sind anders. Die Größendimension ist in Rosenheim überschaubarer. Die Wege sind kürzer, der Kundenkontakt ist persönlicher. Rosenheim strahlt Entspanntheit und Ungezwungenheit im Gegensatz zu dem hektischen Gewusel der Großstädte aus.
Die Bahnhofstraße soll sich ebenfalls zur 1-A-Lage entwickeln, damit wird die Shopping-Meile im Zentrum noch länger. Was muss getan werden, damit kein Quartier das Nachsehen hat?
Es gehört zur natürlichen Stadtentwicklung, dass sich Quartiere entwickeln. Wo es Gewinner gibt, gibt es andernorts Verlierer. Dennoch hat Rosenheim das Potenzial, mehr Kaufkraft zu binden. Wir sind eine Tourismusregion und Zuzugsgebiet, diese zusätzliche Kaufkraft gilt es besser abzuschöpfen. Damit hat Rosenheim auch die Möglichkeit, viele Standorte zu halten.
Innenstadt, Aicherpark und Weko sollen, so der Appell der Gutachter, noch intensiver zusammenarbeiten, um die Marke der Einkaufsstadt Rosenheim zu positionieren. Der Adventsbus, der Aicherpark und Weko mit der Altstadt verbindet, ist ein guter Anfang. Gibt es weitere Ideen?
Im Marketing müssen wir noch stärker gemeinsam auftreten. Ein erster Anfang wurde mit den verkaufsoffenen Sonntagen gemacht. Diese besonderen Einkaufstage haben eine überregionale Strahlkraft in ein weites Einzugsgebiet. Hier nimmt man nicht den Einzelstandort Innenstadt, sondern die Gesamtstadt wahr. Das Konkurrenzdenken zwischen Aicherpark, Weko und Innenstadt wurde längst abgelegt, wir nähern uns hier immer mehr. Hierzu brauchen wir jedoch die Säule der Stadt. Die einzelnen Wirtschaftsstandorte bewirken bereits viel, wir müssen wir jedoch zukünftig gemeinsam mit der Verwaltung die gesamtstädtische Lösung besser verfolgen.
Beim digitalen Einkaufen hat Rosenheim noch Nachholbedarf. Was ist zu tun?
Wie von der Cima angesprochen, haben schon viele Städte sehr viel Lehrgeld bezahlen müssen, wenn mit digitalen Plattformen auf das falsche Pferd gesetzt wurde. In Rosenheim haben wir in der Vergangenheit schon einige Workshops für die Händler angeboten. Dies müssen wir wieder aufnehmen, um das Gesamtsortiment der Stadt online besser darzustellen. Dazu braucht es den Willen der Einzelhändler, aber auch die dazugehörige Person, die dieses schnelllebige Themenfeld im Fokus hat. So hat die Stadt Coburg (41000 Einwohner) seit 15 Jahren eine Online-Managerin in der Stadtverwaltung verankert. Ein wünschenswerter Schritt für unsere Stadt.
Interview: Heike Duczek