Rosenheim – Die fünfte Stiftungsversammlung wurde schon nach wenigen Minuten wieder beendet, um danach sofort die sechste Stiftungsversammlung zu eröffnen – eine juristische Formalie, wie Stiftungsvorstand Dr. Helmut Klarner den rund 19 anwesenden Stiftern erklärte, um auch bei geringer Beteiligung, beschlussfähig zu sein.
In Mitte der Gesellschaft angekommen
Derzeit zählt die Bürgerstiftung Rosenheim bereits 82Stifter. Das aktuelle Stiftungskapital beträgt 67736,51 Euro. „Die Bürgerstiftung kommt immer mehr in der Mitte der Rosenheimer Gesellschaft ein“, meint Klarner. Als Beweis dafür wertete er auch die Spende in Höhe von 500 Euro von Monika Sievert anlässlich ihres 80. Geburtstags. „Es ist schön, wenn auch Bürger außerhalb des Stifterkreises unsere Arbeit unterstützen“, freute er sich.
Die Arbeit innerhalb der Bürgerstiftung mit Stiftungsvorstand und Stiftungsräten verlaufe transparent und demokratisch. Dadurch bedingt sei die Entscheidungsfindung aber nicht immer einfach: „Die Meinung von 16 verschiedenen Menschen unter einen Hut zu bringen, ist eben schwierig.“ Letztendlich sei es aber bisher immer gelungen, eine gemeinsame Position zu entwickeln.
Zweiter Bürgermeister Anton Heindl lobte die Bürgerstiftung in seinen Grußworten als „wichtiges Netzwerk und Brückenbauer in der Stadt“. Er sehe darin eine neue Form des gesellschaftlichen Engagements. Dieses sei auch unbedingt nötig, weil der Staat nicht alles leisten könne und auch nicht sollte: „Wir wollen keinen Staat, der jede Art der Eigeninitiative im Keim erstickt.“
In den vergangenen fünf Jahren hat die Bürgerstiftung schon einiges in der Stadt bewegt. Leuchtturmprojekt bleiben die Schwimmkurse an Rosenheims Schulen. Ziel ist es, allen Kindern in Rosenheim das Schwimmen beizubringen. Engagierte Schwimmlehrer führen die Kinder professionell und mit viel Einfühlungsvermögen an das Element Wasser heran. In den zwei vergangenen Schuljahren nahmen neun Schulen daran teil. Insgesamt beteiligten sich bereits über 1000 Schüler an diesem Projekt. Das Interesse daran ist nach wie vor hoch. Für Klarner steht darum fest: „Die Schwimmkurse werden wir auf jeden Fall weiterführen.“
Musikprojekte für Demenzkranke
dauerhaft installiert
Dauerhaft installiert werden soll in Zukunft auch das Musikprojekt für Demenzkranke im Seniorenheim. „Wenn wir Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt auch noch eine Freude bereiten können, ist das auf jeden Fall sinnvoll“, meinte der Stiftungsvorstand.
Gefördert wurden im Jahr 2016 aber auch eine ganze Reihe von kleineren Projekten. Finanzielle Unterstützung gab es beispielsweise für das Jugendorchester der Stadtkapelle Rosenheim, das pädagogische Zirkus-Projekt „Zapp Zarap“ an der Grundschule Fürstätt und für einen Internetanschluss im Nordtreff Rosenheim.
Im Juli 2015 übernahm die Bürgerstiftung das Projekt „Paten für Geflüchtete“ von der Sozialen Stadt Rosenheim. Seit Anfang Januar 2016 gibt es für die Koordination der Paten mit Christian Hlatky eine feste Teilzeitstelle. Er berichtete bei der Stifterversammlung über den aktuellen Stand. Im vergangenen Jahr seien viele Paten aufgrund von frustrierenden Momenten abgesprungen. In jüngster Zeit würden sich dafür für dieses Ehrenamt aber wieder mehr Personen melden.
Nähprojekt scheitert an Motivation der Teilnehmer
Aus dem Engagement für geflüchtete Menschen heraus entstand auch das Nähprojekt. Dorothea Handreke wollte zusammen mit weiteren Mitgliedern des Vereins „Handzeichen“ speziell für geflüchtete Frauen einen Raum schaffen, der es ihnen ermöglicht, sich über Näharbeiten auszutauschen und im Berufsleben Fuß zu fassen. Die Rosenheimer Wohnungsbaugesellschaft GRWS stellte dafür einen kleinen Raum in der Bogenstraße zur Verfügung, der als Nähstube eingerichtet wurde (wir berichteten). Eingeführt in die Kunst des Nähens wurden dort zuletzt auch junge Männer aus Afghanistan und Pakistan.
Jetzt wurde dieses Projekt auf Eis gelegt. „Es mangelte an der Motivation der Teilnehmer“, begründet Dorothea Handreke diese Entscheidung. Besonders die Pünktlichkeit und die Regelmäßigkeit des Erscheinens sei für viele Teilnehmer ein Problem gewesen.