Interview mit Theo Auer, Witze-Fan

„Witze sind Kulturgut“

von Redaktion

OVB-Mitarbeiter Theo Auer ist bisher der einzige Rosenheimer, der sich traut, bei der ersten – auch für Zuhörer öffentlichen – oberbayerischen Witze-Meisterschaft am Samstag, 18. November, ab 19 Uhr im Ballhaus aufzutreten.

Was hat Sie bewogen, sich zur oberbayerischen Witzemeisterschaft anzumelden?

Witze sind ein internationales Kulturgut, auch wenn das so mancher Feuilletonist anders sehen mag. Das kann daher rühren, dass Witze anrüchig, zweideutig oder eindeutig daher kommen können. Aber man verzichtet im Feuilleton auch nicht auf Rezensionen über Literatur oder bildende Kunst, nur weil es auch da Grässliches, Unappetitliches und/oder Dilletantisches gibt. Ich unterscheide die guten von den schlechten Witzen durch ein einfaches Kriterium: Witze, die ihre Komik aus der Schadenfreude beziehen, fallen bei mir durch den Rost. Gute Witze beziehen ihre Komik aus dem Überraschungseffekt, aus dem Unerwarteten, aus der Verblüffung beim Zuhörer. Um derlei Witz-Kultur bemühe ich mich immer. Diese Motivation lässt mich an der „Witze-Meisterschaft“ teilnehmen. Darüber hinaus werde ich dort selber viele für mich neue Witze hören – ich lache halt so gerne.

Was ist das Geheimnis eines guten Witze-Erzählers?

Für den Erzähler selber gibt es wohl keine allgemeingültige Regel, nur die, die für einen jeden Vortragenden gilt: Laut, deutlich und akzentuiert zu sprechen, Blickkontakt zu halten. Vor allem aber sollte man jeden Witz zu Ende erzählen können.

Viele können sich aber einen Witz nur schlecht merken. Was tun Sie gegen die Vergesslichkeit?

Ich bemühe mich, einen guten Witz binnen 24 Stunden selber wieder zu erzählen. Dann ist er meist abgespeichert – wenn auch nicht immer abrufbar. Es gilt die alte Regel: Witze anderer lösen eigene Witze aus. Die Kunst besteht darin, so lange damit zu warten, bis der eigene Witz angebracht ist.

Verraten Sie uns Ihren Lieblingswitz?

Nein, den werde ich erst bei der Meisterschaft erzählen. Aber einen der mir auch gut gefällt: Ich kam nach durchzechter Nacht frühmorgens nach Hause. Holte dort aus der Küche einen Stuhl und stellte ihn vor das eheliche Bett. Meine Gattin erwachte, blickte mich mit aufsteigendem Groll in den Augen an und fauchte: „Was willst du denn da auf dem Stuhl im Schlafzimmer?“ – Ich darauf: „Wenn jetzt gleich das Theater losgeht, dann will ich in der ersten Reihe sitzen!“

Interview: Heike Duczek

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