Wer kennt das nicht: Jemand kommt durch die Wirtshaustür herein, schließt sie aber nicht. „Habt’s ihr daheim Säcke vor den Türen?“ oder ein markiges „Tür zu!“ erschallt seitens der Innenhockenden.
Ja, das Ver- oder Nichtverschließen von Öffnungen zeigt sich immer wieder als ein Streitpunkt, auch daheim. Meistens ist der eine ein kleinlicher, oberlehrerhafter Pedant, der alles sorgfältigst verschließt, der andere dagegen ein Künstlergeist, meist wohnhaft im Wolkenkuckucksheim, dem solche niederen Probleme aber so was von wurscht sind.
Der Deckel auf der gemeinsamen Zahnpastatube ist nicht zugedreht. „Warum hast Du nicht …?“ – „Macht doch nichts, musst dann abends halt ein bisserl fester draufdrücken“, lautet dann gerne der allfällige Dialog unter den beiden Badbenutzern.
Die Folgen dieses tadelnswerten Nichtzuschraubens sind immerhin noch übersichtlich. Dramatischer wird die Sache aber, wenn der eine den Deckel der Frühstücksmarmelade nur leicht zugedreht hat, der andere dieselbe in den Kühlschrank zurückstellen möchte, aber plötzlich nur noch den Deckel in der Hand hat. So macht sich das passenderweise dunkelrote Johannisbeergelee dekorativ auf der hellen Tischdecke breit.
Da kann dann schon mal die familiäre Stimmung etwas kippen. Angesichts dieser fahrlässigen Unachtsamkeit greift hier die wunderbare Lebensweisheit: „Kaum macht man etwas nicht richtig – schon ist es falsch …“